Der erste Besuch im Restaurant und Café nach der Corona-Pause

Region  Ab heute dürfen Restaurants unter strengen Auflagen wieder öffnen. Wir machen eine Genuss-Tour durch die Region. Wie es nach der Gastro-Zwangspause schmeckt, und welche Regeln beim Essengehen gelten, berichten wir hier auf Stimme.de.

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Heute gönnen wir uns was. Am ersten Tag, an dem Gaststätten unter strengen Auflagen wieder öffnen dürfen, besuchen wir Cafés und Restaurants in der Region.

Dabei soll nicht nur geschlemmt, sondern auch mit Gästen und den Menschen hinter den Kulissen gesprochen werden. Wie erleben sie den Tag, was treibt sie aus den Häusern und wie läuft das Geschäft für die Wirte an?

Wie sich Gastronomen aus der Region auf diesen besonderen Montag vorbereitet haben, zeigen wir hier.

 

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Wer wissen möchte, was heute zum Frühstück, Mittagessen und Kaffee auf den Tisch kommt, kann die Tour auf Instagram in der Story von @stimmeonline live verfolgen. 

Zur Story gelangen Sie den ganzen Montag über einen Klick auf das runde blaue Stimme-Profilbild links oben. 

 

1. Station: Frühstück bei Bäcker in Kleingartach

Gefrühstückt wird in der Bäckerei Keppler in Kleingartach.

Das Bienenbrot ist leider schon ausverkauft, aber dafür ist reichlich Platz im Sonnencafé der Familienbäckerei Keppler in Kleingartach. Bei einer Tasse Kaffee zum Frühstück erzählt Jan Keppler, einer der insgesamt drei Juniorchefs von der Philosophie des Unternehmens und der Herausforderung Corona.

"Alle unsere Zutaten stammen aus der Region." Die zum Frühstück gereichten Erdbeeren sind aus Böckingen, Das Weizenmehl für die Brezel ist von Kraichgau-Korn. Einem Unternehmen, das im Leintal, Kraichgau und Zabergäu ohne chemische Pflanzenschutzmitel anbaut. "Dafür werden ältere Getreidesorten ausgesät, die resistenter sind", erzählt der Juniorchef.

Bevor wir uns zusammensetzen können, müssen wir mit Maske an der Theke unsere Bestellung aufgeben. Wir sind die einzigen, die sich zum Frühstück an die Tische begeben. Dort halten wir einen Abstand von eineinhalb Metern ein. Anstatt Service gibt es ab jetzt Selbstbedienung. Laut aktualisierter Fassung der Corona-Verordnung des Landes müssen sich alle Gäste auf einem Kontaktformular registrieren lassen. Seit 17 März war der Kaffeebereich der Bäckerei geschlossen.

Desinfektionsmittel, Schutzmasken und Spuckschutz

Gastro-Tour durch die Region
Jan Keppler ist einer der drei Juniorchefs der Bäckerei Keppler.

"Um die Auflagen erfüllen zu können, wurden 5000 Euro ausgegeben", berichtet Keppler. Für Desinfektionsmittel, Schutzmasken und einen Spuckschutz im Verkaufsbereich.

Die Familie betreibt insgesamt vier Filialen in Kleingartach, Brackenheim, Schwaigern und Cleebronn mit 70 Angestellten. Wegen des guten Umsatzes im letzten Jahr musste niemand von ihnen in Kurzarbeit, erzählt Jan Keppler.

Die Hälfte der Plätze ist gesperrt

Auch wenn wir heute im Cafébereich die einzigen Gäste sind, geht Jan Keppler davon aus, "dass in den nächsten Tagen mehr los sein wird. Auch der Außenbereich des Sonnencafés ist geöffnet. Insgesamt können aber nur rund 20 der 40 Plätze genutzt werden. Teilweise sind die Polstermöbel mit rot-weißem Absperrband abgeklebt.

"So können wir den vorgegebenen Abstand unter den Kunden einhalten", sagt Keppler. Auch die sonst liebevoll aufgestellte Dekoration fehlt auf den Tischen. Trotzdem stellt sich der Genussmoment ein.

 

Station 2: Mittagessen bei Zinsers Flämmle in Neipperg

Gastro-Tour durch die Region
Im Zinsers Flämmle in Neipperg wird Mittag gegessen.

Die coronabedingte Zwangspause hat das deutsch-indische Küchenduett bei Zinsers Flämmle in Neipperg kreativ genutzt. Die beiden Köche Vinoth Kumar Subramani und Thomas Zinser haben nach neuen Lieferanten aus der Region Ausschau gehalten und sich unter anderem neue Rezepte überlegt. "Ich habe alle möglichen Kombinationen ausprobiert, einige davon haben den Geschmackstest bestanden", sagt Thomas Zinser über die neuen Maultaschen-Kreationen.

Die mit Lachs gefüllte liegt bei Lisa auf dem Teller. Wir haben es uns in einem sonnigen Plätzchen im Außenbereich der Gaststätte gemütlich gemacht. Außer uns hat es sich noch ein weiterer Gast mit einem Hefebier gemütlich gemacht. Erst gegen Abend sind zwei Drittel der Plätze reserviert.

Kreatives Buffet

Seit fünf Jahren bietet das Restaurant neben der schwäbischen auch indische Küche an. Für gewöhnlich gibt es jeden Mittwoch ein Buffet. "Wir wollen aber nicht wie in einer Kantine das Essen mit der Suppenkelle auf den Teller klatschen", sagt der Teilinhaber Matthias Zinser-Klaiber. Eine Alternative musste her. Die von Koch Vinoth Subramani entworfenen indischen Gerichte werden stattdessen am Tisch wie bei einem Buffet angerichtet. "Ich habe auch viele vegane und vegetarische Gerichte im Angebot", erklärt Subramani. Die kostet André. Passend zur Jahreszeit gibt es Bowls - zum Beispiel mit Ananassalat.

Matthias Zinser-Klaiber erzählt: "Wir haben unseren Garten neu hergerichtet." Die Sitzmöbel aus Holz sind abgeschliffen und neu gestrichen worden und der Pavillion unter den Bäumen auf Vorderman gebracht. "Dort haben wir Stühle mit kleinen Herzchen aufgestellt." Nach und nach trudeln weitere Gäste ein. Für uns geht es gut gestärkt weiter zum Food Court nach Heilbronn.

 

Station 3: Food-Court Heilbronn

Bei Wasser und einem alkoholfreien Weizen kommen wir mit Andre und Erhard Klebl ins Gespräch. Das Vater-Sohn-Gespann will den sonnigen Nachmittag ausnutzen und stärkt sich mit Pommes und Burger im Heilbronner Biergarten. Wie es nach acht Wochen Corona-Zwangspause ist, wieder auswärts essen zu können? "Ein seltsames Gefühl, das bin ich gar nicht mehr gewohnt", zieht Erhard Klebl ein erstes Fazit. Andre kann dem nur zustimmen: "Ungewöhnt, aber schön."

An so einem warmen Frühlingstag haben wir den Food-Court-Biergarten schon voller gesehen. Zum ersten Mal da sind Lena Seitz und Fabienne Schulz. Die beiden haben heute ihre schriftliche Abschlussprüfung ihrer Ausbildung zur Erzieherin gehabt. "Es hat mir sehr gefehlt, wieder dorthin zu gehen, wo ich möchte", erzählt Fabienne. Vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus fürchten sie sich nicht: "Als Erzieherinnen haben wir zu vielen Menschen einen engen Kontakt", berichtet Lena.

Kaffeehaus Hagen Heilbronn
Angekommen am letzten Halt der Gastro-Tour.

Station 4: Der entkoffeinierte Kaffee-Abschluss im Kaffee Hagen

"Unsere Gäste haben sich heute schon schreiend über die Tische hinweg unterhalten", schildert Geschäftsführerin Antonia Hagen-Kettemann über den ersten Tag. Sie sitzt auf einem Sofa auf der begrünten Dachterrasse und serviert uns einen entkoffeinierten Kaffee. Der Inhaberin zufolge freuen sich die Gäste sehr, dass das Café wieder geöffnet ist. "Ein paar haben heute schon mit einem Glas Prosecco darauf angestoßen", erzählt Hagen-Kettemann.

Kaffee Hagen
Zum Abschluss der Tour gibt's für jeden eine Tasse entkoffeinierten Kaffee von Hagen.

Trotzdem ist vieles anders an diesem Tag. Der große Andrang bleibt aus. "Dafür haben wir mehr Zeit, uns mit den Stammgästen zu unterhalten", sagt sie. Im Kundenkontakt tragen sie und das Personal eine durchsichtige Plastikschutzmaske.

Um den Gästen ihre Dankbarkeit für die Treue auszudrücken, gebe es hin und wieder einen Espresso aufs Haus. Wir bleiben beim entkoffeinierten Kaffee. Nach dieser ergiebigen Genuss-Tour der krönende Abschluss.

 

 

Welche Regeln jetzt in der Gastronomie gelte

Unter welchen Bedingungen Gaststätten wieder öffnen dürfen (Auswahl)

  • Zutrittsverbote
    Wer in den vergangenen 14 Tagen Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatte, Symptome oder Fieber hat, darf Gaststätten nicht betreten.

  • Abstand
    Tische müssen in 1,5 Meter Abstand stehen, den Gästen ist ein Sitzplatz zuzuweisen, kein Händeschütteln, Kommunikation mit Personal auf ein Mindestmaß beschränken.

  • Hygiene
    Desinfektionsmöglichkeiten bereitstellen, Gäste auf Hygienevorrichtungen hinweisen, regelmäßige Reinigung vieler Bereiche, möglichst gute Durchlüftung. Beschäftige tragen Alltagsmasken.

  • Dokumentation
    Gaststätten sollen die Namen, Besuchsdaten und Kontaktinformationen der Gäste erfassen.

  • Mitarbeiterschutz
    Nach Möglichkeit Arbeit im Schichtbetrieb, soweit möglich sollen Betriebe den Beschäftigten Parkplätze zur Verfügung stellen. Mitarbeiter müssen umfassend geschult werden, besondere Vorgabe für Risikogruppen.



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Daub

André Daub

Volontär

André Daub arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

Lisa Könnecke

Lisa Könnecke

Volontärin

Lisa Könnecke arbeitet seit Februar 2020 als Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

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