Der DRK-Blutspendedienst funkt SOS

Region  Blutkonserven werden in Lagern knapp, weil viele Kliniken OPs nachholen und einfrig nachordern. Die SLK-Blutbank ist noch gut gefüllt, weitere Spenden seien aber auch dort dringend nötig, sagt Leiterin Dr. Astrid Stäps.

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Blutspende des DRK mit großem Abstand Ende März in Neckarsulm: Weil die Nachfrage in Kliniken stark steigt, werden Vorräte knapp.

Foto: Andreas Veigel

Die Blutsammler schlagen Alarm: Weil die Kliniken jetzt in Zeiten der Corona-Lockerungen auch die normalen, planbaren Operationen wieder hochfahren, wird der Lagerbestand des DRK-Blutspendedienstes BadenWürttemberg-Hessen dezimiert. "Wir sind diese Woche an einer Schmerzgrenze angelangt und hatten Lagerbestände, die teilweise nur noch einen bis zwei Tage reichen", stellt Blutspendedienst-Sprecher Eberhard Weck fest.

Etwa zehn Prozent mehr Spenden sollten es laut DRK sein

Die Blutlieferung für die Kliniken ist ein ständiger Kreislauf. Rund 2500 Blutkonserven werden nach Wecks Angaben im Schnitt jeden Tag in Hessen und Baden-Württemberg gebraucht. In den vergangenen Wochen kamen zwar trotz Corona-Krise viele Spender zum Aderlass. Aber: "Der Bedarf der Kliniken ist jetzt extrem stark gestiegen", sie hätten in kurzer Zeit sehr viel bestellt, erklärt Weck den Hintergrund. Man bräuchte nun rund zehn Prozent mehr Spenden, ruft er zum verstärkten Dienst für die Allgemeinheit auf. Es gehe auch darum, dass OPs nicht wieder abgesagt werden müssten, weil Blutkonsererven fehlten. Ein Vorrat für einen Tag sei "sehr wenig". Ziel sei, dass man wieder Blutvorräte für drei bis vier Tage in den Lagern habe - ein normales Maß.

Neu ist überall, dass wegen der Corona-Regeln nur noch feste Termine für Blutspender vergeben werden, um längere Schlangen zu vermeiden. Viele Spender haben das positiv aufgenommen, weil man schneller dran kommt. Einige DRK-Termine fielen indes auch aus, weil mancher geplante Blutspende-Raum zu klein war, um die Abstandsregeln in der Corona-Krise gut einhalten zu können.

SLK-Blutbank benötigt im Schnitt 500 Blutprodukte im Depot

In der SLK-Blutbank im Klinikum am Gesundbrunnen ist die Lage ebenfalls eine mehrschichtige. Einerseits war Leiterin Dr. Astrid Stäps positiv überrascht, wie viele Blutspender in der Corona-Krise nach wie vor kamen, über Wochen. Es seien etwas weniger als sonst gewesen, aber unter den Umständen erfreulich viele. Allen Spendern spricht sie ihren Dank aus. Wenn ab jetzt aber viele zurückgestellte Operationen wieder stattfinden, seien weitere Spenden "dringend erforderlich".

Stäps hat mit ihren Mitarbeitern viele Blutspender angerufen, zur Spende ermuntert, Sorgen ausgeräumt. Auch in der Blutbank werden nur noch feste Termine vergeben. Es gibt Maskenpflicht, Abstandsregeln, bei Spendern wird die Körpertemperatur gemessen und abgefragt, ob Kontakt zu Infizierten bestand. Wer Erkältungssymptome hat, darf zunächst einmal nicht spenden.

Rund 500 Blutprodukte benötigen die SLK-Kliniken im Schnitt dauerhaft im Depot, um gewappnet zu sein. Dies habe man zuletzt geschafft, sagt die Leiterin. Neben akuten Notfällen gebe es auch Tumorpatienten, die Blut bräuchten. Eine Grundregel ist: Alle Blutspenden, die in die Blutbank kommen, werden in den SLK-Häusern in Heilbronn, Bad Friedrichshall, Löwenstein oder Brackenheim eingesetzt. Den größten Teil der benötigten Blutprodukte decken die SLK-Kliniken mit der eigenen Blutbank ab. Zudem gibt es Lieferverträge mit privaten Blutspendediensten.

Haltbarkeit der Spenden ist begrenzt

Astrid Stäps hofft, dass die Bürger weiterhin eifrig Blut spenden. Die Haltbarkeit ist begrenzt. Die am meisten benötigten roten Zellen sind im Kühlschrank bei 2 bis 6 Grad rund sieben Wochen haltbar. Die Blutplättchen (Thrombozyten) bei Raumtemperatur dagegen nur vier Tage. Blutplasma, das bei bis minus 40 Grad tiefgefroren wird, hält immerhin rund zwei Jahre.

Können Blutkonserven mit Corona-Viren belastet sein? Die SLK verweisen auf klare Aussagen des Robert-Koch-Instituts. Aufgrund der Erfahrungen mit anderen Coronavirus-Infektionen sei die Gefahr einer transfusionsbedingten Übertragung des SARS-CoV-2 als unbegründet anzusehen. Die Maßnahmen der Spende-Einrichtungen werden als ausreichend angesehen, eine Infektion zu verhindern.

 

Spendenorte

In der SLK-Blutbank im Gesundbrunnen-Klinikum Heilbronn kann man an vier Tagen in der Woche zur Blutspende kommen, derzeit aber nur nach Terminabsprache (Telefon 07131 49-46480). Öffnungszeiten sind: Montag 9.30 bis 11 und 13 bis 18 Uhr, Dienstag 7.30 bis 14 Uhr, Mittwoch 13 bis 19 Uhr, Donnerstag 7.30 bis 11 Uhr. Blutspender können vor Ort kostenlos parken.

Die nächsten Blutspendetermine des DRK in der Region Heilbronn sind (Termin reservieren): Freitag, 29. Mai, Eppingen-Rohrbach, Gießhübelhalle, 14.30 bis 19.30 Uhr. Samstag, 30. Mai: Neckarwestheim, Reblandhalle, 10.30 bis 14.30 Uhr; Obersulm-Eschenau, Gemeindehalle, 10 bis 14 Uhr. Infos im Internet: www.blutspende.de.


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.   

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