Der Breitenauer See füllt sich wieder mit Wasser

Obersulm/Löwenstein  Die Revision des Hochwasserrückhaltebeckens ist nach einem halben Jahr beendet. Wann wieder eine Badesaison möglich ist, hängt auch von den Niederschlägen ab.

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Der grüne Teppich, den Flugsamen auf dem trocken gelegten Breitenauer See wachsen ließen, ist in großen Bereichen verwelkt. Ob der Bewuchs abgemäht werden muss, klärt der Wasserverband mit den Naturschutzbehörden.

Der Schieber ist geschlossen, der Breitenauer See wird wieder aufgestaut. Nur noch Restarbeiten sind im Rahmen der vertieften Sicherheitsüberprüfung des Hochwasserrückhaltebeckens zu erledigen. "Es war eine Operation am offenen Herzen", sagt Stefan Thoma. Die OP war erfolgreich. Durchatmen. "Endlich geschafft", ist der Vorsitzende des Wasserverbands Sulm froh, dass diese herausfordernde Aufgabe nach einem halben Jahr gemeistert ist.

In 138 Tagen waren die rund 2,3 Millionen Kubikmeter Wasser abgelassen, seit der Stöpsel am 1. Dezember 2020 gezogen worden war. Der trocken gelegte See glich anfangs einer Kraterlandschaft. So schnell wird sich der Stauraum nicht wieder auf den Normalpegel füllen. "Es ist amtlich: Es besteht keine Aussicht auf eine Badesaison 2022", teilt Thoma mit. Und 2023 werde es mit Wassersport und Schwimmen am beliebten Ausflugsziel auch nur etwas werden, wenn sich das feuchte Jahr 2021 wiederhole, ergänzt Sabrina Theel, Betriebsbeauftragte des Wasserverbands.

Taucher müssen den Feinrechen noch kontrollieren

Er sieht aus wie ein großes Gewächshaus, der neue Feinrechen am Grundablass mit einer Firsthöhe von etwas 3,50 Meter, der Fische und Krebse daran hindert, aus dem See zu entwischen. Wenn das Bauwerk vollständig unter Wasser steht, können Taucher die Nassabnahme vornehmen. Sie prüfen, ob die Tore funktionieren, sich die Lochbleche ein- und aushängen lassen, und sie machen einen Drucktest, erklärt Theel eine der letzten Arbeiten, die übernächste Woche erledigt sein soll. Der neu installierte acht Meter hohe Entnahmeturm, durch den in heißen Sommern Schichten mit sauerstoffreichem Wasser in die Sulm geleitet werden, dürfte erst in einem halben Jahr vollkommen versunken sein, schätzt Betriebsleiter Johannes Kübler.

Viele Behörden und Akteure einbezogen

"Eine Maßnahme, die nur jedes Vierteljahrhundert erfolgt, ist keine Routine", sagt Thoma zum vorgeschriebenen TÜV. "Für mich war es schon etwas Spektakuläres." Auch für Bauingenieurin Sabrina Theel war es kein alltägliches Geschäft. Die Aufgabe sei anspruchsvoll gewesen angesichts der vielen Behörden und Akteure, die eingebunden waren. "Es fielen viele Überstunden an", fügt Johannes Kübler hinzu. Der Wasserverband musste den Hochwasserschutz weiter gewährleisten. Fünf Mal zwangen ergiebige Regenfälle dazu, Wassermengen wieder einzustauen. "Die Automatik funktioniert nicht, wenn das Becken leer ist", erklärt Kübler. Statt per Knopfdruck im Betriebsgebäude, musste der Schieber per Hand betätigt werden.

Ufer wurde an einigen Stellen stabilisiert

Der Breitenauer See füllt sich wieder mit Wasser

Wie ein Gewächshaus sieht der Feinrechen aus, der am Grundablass errichtet wurde. Daneben steht der Entnahmeturm. Wenn der Rechen im Wasser versunken ist, machen Taucher die Nassabnahme.

Fotos: Wasserverband Sulm

Der 420 Meter lange, 220 Meter breite und 21,5 Meter hohe Damm befindet sich in einem Top-Zustand. Das ergab die Kontrolle. Auch die Grundablassleitung hat keine Risse, Korrosionen oder undichte Fugen. Im Stollen wurden Leitungen erneuert, auch Schieber wurden ausgewechselt. Auf einer Länge von 250 Metern wurde das Ufer mit Steinschüttungen prophylaktisch gesichert. Damit ist das Ufer rundum stabilisiert, nachdem 2013 bei der Teilabsenkung des See erste Abschnitte erledigt worden waren.

"Klappe auf, Fische durch, Klappe zu": Mit diesen knappen Worten beschreibt Thoma, wie unspektakulär es sein wird, die Fische aus dem Übergangsdomizil in der Vorsperre zu "befreien", wenn der Mindestpegel im See erreicht ist. Also bleibt dem Fischereiverein die Knochenarbeit erspart, die im April an mehreren Tagen 70 bis 80 Helfer leisteten, um die sieben bis acht Tonnen Fische umzusiedeln. Damals holten sie auch etwa 9000 Krebse aus dem Becken. Allerdings fand sich kein einziges Exemplar an den eigens dafür aufgestellten Amphibienzäunen.

Waren Amphibienzäune umsonst?

War die Investition von 60 000 Euro damit umsonst? Theel verneint. Ziel des Regierungspräsidiums Stuttgarts, das diese Maßnahme gefordert hatte, sei gewesen, dass der Rote Amerikanische Sumpfkrebs nicht in die Sulm und weiter in andere Gewässer wandert und dort die Krebspest verbreitet. Es sei nicht zu erwarten gewesen, dass dieser aggressive Zuwanderer ausgerottet würde. Wer dem Kescher entkam, grub sich im Sumpf ein.

Was passiert mit dem Bewuchs?

Der bis zu einem Meter hohe grüne Teppich, der durch Flugsamen auf dem Seegrund wuchs, ist teils verwelkt. "Der Fischereiverein ist froh über jeden Grashalm", meint Kübler. Denn eine solche Vegetation im See böte den Fischen prima Verstecke. Aber welche Auswirkungen auf die Wasserqualität hätten die Pflanzen, wenn sie verrotten? Ein Ökologe, der die Biomasse schätzt, untersucht das. "Wir sind in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden, ob wir den See abmähen und das Mähgut entsorgen müssen", berichtet Theel. "Das wäre ein Kostenfaktor, den wir nicht auf dem Schirm hatten", sagt Thoma, der vermutet, dass ein sechsstelliger Betrag fällig werden könnte. Allerdings käme ein Abmähen nur in den Randbereichen in Frage. Die tiefen Stellen seien dafür schon viel zu feucht, weiß Theel.

Sie warnt davor, Bereiche, wo das Wasser sich noch nicht ausbreitet, zu betreten. Es bestehe weiterhin die Gefahr, im Schlamm einzusinken. Auch sollen die Krebssporen durch Spaziergänger nicht ausgetragen werden. Die Verbotsschilder werden also keinesweg abgebaut.

Land trägt 90 Prozent der Kosten

Der Breitenauer See ist eines von 17 Hochwasserrückhaltebecken, die der Wasserverband im Unteren Sulmtal in den vergangenen 40 Jahren gebaut hat. Der See mit seinen 38 Hektar auf Obersulmer und Löwensteiner Gemarkung ist der einzige Dauerstau mit einem Volumen von 850 000 Kubikmetern. Alle anderen Systeme sind Trockenbecken.

Alle zehn bis 20 Jahre muss der Dauerstau einer vertieften Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden. Durch den Teilablass 2013 konnte der Wasserverband diesen Zeitraum ausdehnen. Revision und Sanierungsarbeiten wurden auf 400 000 Euro geschätzt. Die tatsächlichen Baukosten bewegten sich nah an dieser Summe, sagt Betriebsbeauftragte Sabrina Theel. Noch liegen nicht alle Rechnungen vor. Das Land trägt 90 Prozent dieser Kosten. In der Summe nicht enthalten sind die 60 000 Euro für die Amphibienzäune.

 

Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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