Demo auf Kiliansplatz gegen Verschwörer und Virus-Leugner

Heilbronn  Unter dem Motto "Verstand 2020" hat sich am gestrigen Samstag auf dem Kiliansplatz in Heilbronn eine kleine Gruppe gegen Verschwörungstheoretiker positioniert. Die Versammlung war für bis zu 20 Personen erlaubt, insgesamt neun nahmen teil.

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Niklas Rosche (links) und seine Freunde fordern in Heilbronn Fakten statt Verschwörungstheorien.

Foto: Plapp-Schirmer

Der Kiliansplatz in Heilbronn wird mehr und mehr zum Speakers Corner, zu einem Platz also, an dem Menschen ihr Publikum suchen und den Mund aufmachen.

Unter dem Motto "Verstand 2020" hat sich am gestrigen Samstag eine kleine Gruppe gegen Verschwörungstheoretiker positioniert. Die Versammlung war für bis zu 20 Personen erlaubt. Angemeldet hatte sie Lisa Rosche.

Auflagen werden alle befolgt

Sie und ihr 14 Jahre alter Sohn Niklas kritisieren, dass Demonstrationen von so genannten Grundgesetz-Schützern zunehmend zur Verbreitung von ideologischem und rechtem Gedankengut genutzt würden. Antisemitismus nehme am Rand solcher Veranstaltungen mehr und mehr zu. Immer mehr Reichsbürger würden sich dort tummeln, "obwohl sie den Staat ablehnen", so Niklas Rosche.

Er steht ausdrücklich zu den Maßnahmen, die der Bund gegen die Ausbreitung des Corona-Virus erlassen hat. Die neun Teilnehmer von "Verstand 2020" halten Abstand, tragen Mundschutz und desinfizieren sich vor der Kundgebung die Hände.

Fakten statt verworrene Theorien

Verschwörungstheorien und die Verharmlosung des Corona-Virus, so die zentrale Aussage von Niklas Rosche, seien keine Lösung. Die Demonstrationen würden auch nicht den Willen des Volkes widerspiegeln: Über 80 Prozent der Bürger würden sich gegen Anti-Corona-Demos aussprechen.

Er selbst ist bei Fridays for Future aktiv. Den Einzug in den Heilbronner Jugendgemeinderat hat er im Januar knapp verpasst. Es sei falsch, sagt der junge Mann, den Argwohn unsicherer Menschen auszunutzen: Doch genau das machten Verschwörungstheoretiker.

Wer behaupte, wir würden in einer Diktatur leben, die schlimmer sei als die Diktatur Adolf Hitlers, der solle die Augen aufmachen: "In einer Diktatur ist es unmöglich, auf die Straße zu gehen und sich gegen die Maßnahmen des Bundes zu stellen."

Beifall von Passanten 

Der Schüler prangert vor allem die Verbreitung von Fake News an. Behauptungen wie Bill und Melinda Gates wollten mit ihrer Stiftung nur Geld verdienen, setzt Niklas Rosche Fakten entgegen: "Die Gates-Stiftung verfolgt keine Gewinnerzielungsabsicht." Für seine Rede erntete er von einzelnen Passanten Beifall. Die Gruppe wurde größer.


Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

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