Das bedeuten die neuen Corona-Regeln für Heilbronn und die Region

Region  Gastronomie, Kultur- und Tourismusbranche, aber auch die Wengerter in der Region treffen die neuen Corona-Maßnahmen hart. Und nicht nur sie. Hier sammeln wir Reaktionen aus allen betroffenen Branchen in Heilbronn und Umgebung.

Von unserer Redaktion
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Kneipiers und Servicekräfte

Desinfektionsmittel, Daten der Gäste, Abstände der Tische: „Ich denke wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, bei der Politik bin ich mir da nicht so sicher“, sagt Frank Dignaß, Inhaber des Nordbahnhöfles in Bad Friedrichshall. Tausende von Gästedaten habe er bei sich gesammelt. „Bei mir kam noch keiner vorbei und hat wegen der Nachverfolgung danach gefragt.“ Dass die neuen Corona-Maßnahmen auch die Gastronomen treffen, kann er nicht nachvollziehen.

Linda Lock arbeitet als 450-Euro-Kraft im Nordbahnhöfle. Schließt das Restaurant, fällt der Zuverdienst für die Rentnerin weg. „Ich muss ja auch schauen, wie ich über die Runden komme. Sie spart das zusätzliche Geld für einen Urlaub oder für ihre Enkelkinder. „Ich kann es nicht verstehen. Wieso geht die Politik so auf die Gastronomie los?“, fragt sie.

Daniel Devic ist Qualitätsprüfer und arbeitet über eine Fremdfirma bei Audi. Dort ist Kurzarbeit angemeldet. In der Gaststätte Täglich in Heilbronn arbeitet er als 450-Euro-Kraft. „Dadurch war mein Lebensstandard höher. Ich habe das Geld für Hobbys und Klamotten ausgegeben. Das wird jetzt knapper.“ Der Zuverdienst für den November fällt weg. Für die Maßnahmen hat er zum Teil Verständnis. „Man hätte es aber besser machen können und nicht gleich alles schließen.“ Die Infektionsgefahr in der Gastronomie sei gering.  


Freizeitbranche

Von einem „herben Schlag“ für die Gastronomie, Kultur-, Event- und Tourismusbranche spricht Steffen Schoch als Chef der Heilbronn Marketing GmbH (HMG). Die Entscheidungen seien wohl aufgrund der pandemischen Entwicklung „alternativlos, obwohl für mich persönlich nicht in allen Bereichen nachvollziehbar“. Gerade in der Speise-Gastronomie seien zuletzt umfangreiche Hygienekonzepte umgesetzt worden. Laut aktuellen Studien seien diese auch nicht Hauptherd der kritischen Entwicklung.

Gleichzeitig sei die „abstrakte Gefährdungssituation vorbei, die Intensivbereiche vieler Kliniken füllen sich mit Patienten“. Vor diesem Hintergrund sei es richtig und wichtig gewesen, Angebote wie den Lichterzauber mit Nightshopping und den Käthchen-Weihnachtsmarkt frühzeitig abzusagen. Schoch bedauert „außerordentlich“, dass Schausteller, Gastronomen, Veranstaltungstechniker, Künstler und Touristiker nochmals stark und direkt betroffen sowie viele nun existenzgefährdet seien.

Die HMG ist laut Schoch vor allem mit eigenen Veranstaltungen, der Vermietung von Veranstaltungsstätten und bei touristischen Angeboten betroffen. Man wolle trotz allem „weiter daran arbeiten, die Innenstadt in der Adventszeit ansprechend zu dekorieren mit Licht und weihnachtlichen Elementen. Wir werden die Liefer-, Service- und Online-Angebote des Handels- und der Gastronomie über unsere Kanäle bestmöglich kommunizieren. Gut sei, dass die HMG im Geschäftsbereich Citymanagement die digitale Präsenz unter www.heilbronn.de/Shopping bereits zum ersten Lockdown wesentlich ausgebaut und über 400 Betrieben einen digitalen Auftritt ermöglicht habe. „Das wird jetzt ein ganz wichtiger Baustein sein, um die Angebote weiterhin sichtbar zu halten.“


Speiselokale

Sie müssen am kommenden Montag schließen und bis Ende November zu bleiben – die Betreiber sind größtenteils entsetzt. Gastronomen seien „Prügelknaben der Nation“, sagte der Heilbronner Wirt und Dehoga-Funktionär Thomas Aurich schon am Mittwoch in einer ersten Reaktion. Dabei legten Studien nahe, dass Restaurants keine Rolle bei der Verbreitung des Virus spielten. Die Lokale dürfen weiter Speisen außer Haus verkaufen. Aurich glaubt aber nicht, dass sich das für viele seiner Kollegen rechnet. Betroffene Betriebe, das hat der Bund angekündigt, sollen Corona-Nothilfen erhalten. Die Rede war von 75 Prozent des November-Umsatzes 2019. Heilbronns OB Harry Mergel hat angemahnt, die Hilfen müssten rasch und unbürokratisch ausbezahlt werden.  

Daniel Brunner, Inhaber der Emma in Künzelsau und einer Pizzeria mit Lieferservice, hat gestern schon mit der Facebook Werbung begonnen. „Jammern bringt nichts“, fasst er heute Morgen zusammen. „Wir müssen irgendwie durchkommen.“ Ein Lokal muss er schließen. In der Pizzaria werden Autos hinzugeholt und Fahrer mobilisiert. Ob der Schritt der Politik richtig sei, „kann ich nicht beurteilen, ich für meinen Part kann nur sagen dass wir Hygienevoraussetzungen einhalten. Ich kenne keinen bei dem Nachverfolgung angewendet wurde.“ Dennoch lobt er die Politik, da er das Gefühl habe, dass man nicht hängengelassen wird. „Die größere Katastrophe wäre gewesen, wenn offen ist, und die Politik sagt den Leuten geht nicht mehr raus. Nun bekommen wir Hilfe.“

Die Inhaberin von Yvonnes Cafe in Künzelsau, Yvonne Laska, ist verzweifelt, weil sie komplett schließen muss. "Wie soll ich Kaffee liefern? Ich hätte es nicht gedacht, dass wieder komplett geschlossen wird.“ Nach einer schlaflosen Nacht muss die Künzelsauerin sich ein Konzept überlegen. „Ich hoffe, ich kann noch was machen. Letztes Mal habe ich Kuchen gebacken.“


Weinwirtschaft

Von einem „Schlag“ und von einem „weiteren Hammer für Wirte und Winzer“ spricht der Württemberger Weinbaupräsident und CDU-Politiker Hermann Hohl aus Obersulm. Mit dem Lockdown der Lokale käme auch der Konsum in Besenwirtschaften zum Erliegen und der damit verbundene Flaschenverkauf ab Hof, „ausgerechnet vor Weihnachten“. Damit fielen nach einem Jahr ohne Feste auch die „im November beginnenden Weihnachtsfeiern flach, Weihnachtsmärkte sowieso und damit der Großteil des Glühweinverkaufs.“ Hohl geht davon aus, „dass es über Silvester und Fasching nicht besser wird“.

Online und Lebensmittelhandel, wo die verunsicherten Verbraucher eher Billigware kauften, könnten die Verlust nicht aufwiegen. Hohl kritisiert, dass die Frage von Ausgleichshilfen für Gastro-Zulieferer nicht geklärt sein. Immerhin: Anders als beim totalen Lockdown im März sei der Ab-Hof-Verkauf in Gütern und Genossenschaften weiterhin erlaubt.


Hotels

Das Mawell Ressort in Langenburg hatte mit Corona-Schnelltests der Gäste die letzten Wochen ein gutes Instrument gefunden, einen guten Weiterbetrieb des Wellness-Hotels zu ermöglichen. „Bei unseren Gästen kamen die Tests sehr gut an, wir haben auch im Nachgang viele positive Reaktionen bekommen, dass sie sich sehr wohl und sicher gefühlt haben“, sagt Erica Dos Santos, Assistentin der Geschäftsleitung.

Umso mehr bedauere man den neuerlichen Lockdown. „Doch wir können nichts dagegen tun, es ist, wie es ist“, sagt Dos Santos. „Aber wir haben alle ein gemeinsames Ziel, das Virus einzudämmen“, betont sie. Aktuell seien die Mitarbeiter damit beschäftigt, die Stornierungen zu bearbeiten. „Wir bieten den Gästen an, umzubuchen.“

Im Württemberger Hof in Öhringen wäre in der kommenden Woche die Winterlonge aufgebaut worden. „Mir fehlen die Worte sowas in 26 Jahren nicht erlebt“, sagt Empfangsleiterin Sandra Fleischer-Kontrin. „Wenn es der Bekämpfung dienlich ist, soll es so sein, ich sehe es zwiespältig“, gibt sie zu. Man sitze und gehe ja nicht von Tisch zu Tisch. Gestern bei Entscheidung habe sie im Auto Tränen in den Augen gehabt.


Tourismus

„Das wird ganz schwierig“, blickt Marion Schlund (43) vom Verein Touristikgemeinschaft Hohenlohe mit Sitz in Künzelsau auf die kommenden Wochen. Für Hotels und Restaurants seien die neuen Regelungen „ganz schlecht“, viele bereits getätigte Reservierungen müssten abgesagt werden. „Das sind Arbeitsplätze, die darunter leiden“, erklärt Schlund. Am Donnerstag hielten sich bei ihr die Rückfragen der Betriebe noch in Grenzen. „Die sind alle platt“, so ihre Vermutung. Sobald die ersten Anfragen kommen, will man aber unterstützen, wo es geht. Schon im Frühjahr beim ersten Lockdown hatte die Touristikgemeinschaft zum Beispiel eine Liste mit Abhol- und Lieferserviceangeboten erstellt, diese wird jetzt aktualisiert.

„Die Reisebürobranche trifft’s extrem“, bedauert Joachim Schmidt (53) vom TUI-Reisecenter in Künzelsau die aktuelle Entwicklung. Das Reisen sei ohnehin schon das ganze Jahr über eingeschränkt gewesen, „jetzt ist auch noch der deutsche Markt hinüber“. Für Schmidt ist das „ein Schlag ins Gesicht“, seine Stimmung ist im Keller. Seine drei Mitarbeiter sind in Kurzarbeit und ebenfalls „gefrustet“. Die staatliche Überbrückungshilfe bezeichnet Schmidt als „Tropfen auf dem heißen Stein“, das sei längst nicht das, „was ich verdient hätte“. Schlimm sei, dass jede Perspektive fehle. „Wer bucht denn heute für den Sommer?“, fragt Schmidt rhetorisch. Er selbst habe noch vor Kurzem eine kleine Kreuzfahrt ausprobiert. „Da habe ich mich wohler gefühlt als in der Bahn“, sagt Schmidt.


Freizeitparks und Tiergärten

Freizeiteinrichtungen müssen von Montag an schließen. Im Erlebnispark Tripsdrill geht die Saison ohnehin an diesem Sonntag zu Ende. Nebenan ist das Wildparadies mit seinen Tiergehegen. Ob hier der Betrieb weiter geht? „Da haben wir noch keine Klarheit“, sagte Tripsdrill-Sprecher Birger Meierjohann am Donnerstagmorgen. Man müsse abwarten, ob die zu erwartende Landesverordnung Regelungen zu Tier- und Wildparks enthält. Außerdem werde man das Gespräch mit den örtlichen Behörden suchen.


Kinos

„Man darf nicht alles über einen Kamm scheren“, empört sich Michael Rösch, einer der Geschäftsführer von Kinostar. Zum Glück betreibt die Kinostar Theater GmbH nicht nur die Arthaus-Kinos in Heilbronn, Neckarsulm, Mosbach, Bretten und Calw, sondern auch einen Filmverleih mit Sitz in Stuttgart. Und doch ist es bitter, wenn ab Montag die Kinos wieder schließen müssen. „Seit Juni haben wir Schritt für Schritt Zuschauer zurückgewonnen, das geht jetzt alles wieder verloren. Abgesehen von den finanziellen Verlusten.“

Wie lange Kinostar überleben kann? „Wir haben Reserven“, sagt Rösch. „Wir haben vorsichtig und sparsam gewirtschaftet, und wir haben die Einnahmen über den Verleih.“ Zwar werden viele Filmstarts verschoben, doch Kinostar Filmverlieh wird auf digitale Plattformen ausweichen: Video on demand. Andere Kinos werden die zweite Schließung nicht überleben, kritisiert Rösch die, wie er meint, „Unverhältnismäßigkeit“ der verschärften Bestimmungen für den Kultursektor. „Da wird nicht differenziert wie in anderen Branchen, wo man sagt, Frisöre bleiben offen, Nagelstudios nicht.“

Michael Rösch ist vom Hygienekonzept der Kinos überzeugt: Jede zweite Reihe bleibt frei, zwischen jeder Besuchergruppe ist der Abstand von 1,5 Metern garantiert. Die Anfangszeiten sind so getaktet, dass sich die Besucher nicht mehr im Foyer kreuzen. Die Menschen sitzen hintereinander, sprechen nicht. „Das kann die Gastronomie nicht leisten.“ Seine Kinos verfügen, so Rösch, über modernste Belüftungssysteme – und doch muss auch Kinostar schließen: eine herbe Enttäuschung auch für die Zuschauer. Am Donnerstag ist der hochgelobte Film „Und morgen die ganze Welt“ gestartet, die deutsche Hoffnung auf den Auslandsoscar. „Nach vier Tagen wird der Oscarbeitrag wieder gestoppt. Das ist eine Katastrophe. Der Produzent ist ein Freund von mir, ich weiß, wovon ich spreche. Aber es ist auch eine Katastrophe für die vielen disziplinierten Kinogänger.“

„Das nimmt uns den Schwung“, bedauert Nenad Tomasinjak (47), Geschäftsführer des Prestige Filmtheaters in Künzelsau, nachdem man sich in den vergangenen vier Monaten wieder ein bisschen aus der Krise „gestrampelt“ habe. Wäre es so weitergelaufen, wäre zumindest sein Betrieb den Umständen entsprechend „gut aufgestellt“ gewesen. Jetzt hänge viel davon ab, wie viel staatliche Hilfe man tatsächlich bekomme. 75 Prozent vom Umsatz im Vorjahresmonat seien für seine beiden Kinos in Künzelsau und Walldürn „tragbar“. Problematischer werde es für die Mitarbeiter: Beim Kurzarbeitergeld fehlen die Zuschläge für Spät- oder Wochenendarbeit, die Minijobber „fallen total durchs Raster“.

Tomasinjak zweifelt zudem am Sinn der Kinoschließung: „Ich glaube, dass wir das echt gut im Griff hatten“, sagt er über Abstands- und Hygieneregelungen. „Ob sich deswegen jetzt das Infektionsgeschehen ändert, wage ich zu bezweifeln.“ Mit Blick auf die Zukunft sagt er trotzdem: „Ich bin optimistisch.“ Schließlich sei gerade die Kinobranche „krisenerprobt“. Passenderweise läuft als einer der vorerst letzten Filme am Sonntagabend der Katastrophenstreifen „Greenland“, in dem ein Kometenhagel die Erde zu zerstören droht. Aus dem Szenario lässt sich Trost schöpfen: „Das ist so realistisch gemacht, dagegen ist das Corona-Virus Pillepalle“, findet Tomasinjak


Theater

Auch die Ende September begonnene Spielzeit am Heilbronner Theater wird am Montag vorerst unterbrochen. Die Premieren von „Born to be wild?“ diesen Freitag und „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“ am Sonntag finden statt - alle weiteren Premieren im November fallen ins Wasser. „Die Theater runterzufahren, ist widersinnig, das ist reine Symbolpolitik“, empört sich Intendant Axel Vornam. „Wir sind keine Hotspots. Die Kultureinrichtungen haben ausgeklügelte und zertifizierte Hygienekonzepte, die sich in den letzten Wochen hervorragend bewährt haben.“

 


Fitness-Studios

Kleine wie große Fitness-Studios gehören ebenfalls zu den direkt Betroffenen. Der neuerliche Lockdown ist hart für noch junge Einrichtungen wie ein Lady-Fitness in Ingelfingen, aber auch für alteingesessene, die die letzten Monate mit viel Desinfektion, Zugangsbeschränkungen, Anwesenheitslisten gute Konzepte entwickelt haben, um auf die Pandemie zu reagieren.

Etta Hellbardt (42), Inhaberin des Fitness-Studios movio in Öhringen hat der Beschluss tief getroffen und enttäuscht. „Wir haben im movio von Beginn an ein gutes Hygiene-Konzept umgesetzt und hierfür auch viel Geld in die Hand genommen“, erklärt Etta Hellbardt. Sie hat im Oktober vergangenen Jahres im Öhringer Industriegebiet neu eröffnet, nachdem sie zuvor sechs Jahre auf weniger Fläche trainierte. „Und natürlich herrscht nicht nur bei mir, sondern im gesamten Fitnessbereich die Existenzangst.“  Ab Montag wird sie wieder alle Kurse online anbieten. Das hatte im Frühjahr schon gut funktioniert. Etta Hellbardt sagt: „Wir stehen in ständigem Kontakt mit unseren Kunden und hoffen, dass sie uns loyal zur Seite stehen und wir die zweite Schließung gut überstehen.“

 


Selbstständige

Die neuerliche Vollbremsung kam nicht ganz überraschend. Und trotzdem geht bei den meisten direkt Betroffenen der Stimmungspegel senkrecht nach unten. Dabei ist es nicht in erster Linie der Verdienstausfall. Inna Lerke (44), seit 15 Jahren selbständige Kosmetikerin, seit fünf Jahren mit Behandlungsräumen am Öhringer Marktplatz, erklärt: „Wir bekommen Unterstützung.“ Als Alleinunternehmerin komme sie mit dem Überbrückungsgeld klar. „Aber schlimm ist die Ungewissheit“, betont Lerke. „Ich kann keine Weiterbildungen planen, keine längerdauernden Kurbehandlungen, nichts“.

Dazu komme, dass normalerweise schon im November das Weihnachtsgeschäft mit Gutscheinverkauf beginne. „Und ich bin nicht sicher, ob im Dezember die Kunden wieder kommen, denn viele haben panische Angst vor Corona.“ Lerke versucht trotzdem, sich nicht runterziehen zu lassen: „Das ist keine gute Stimmung im eh trüben November. Aber wir dürfen nicht in die Angst gehen. Ich habe viele Bücher und Bilder, die ich jetzt in Angriff nehme.“


Amateursport

Der Präsident des TSV Künzelsau, Erwin Bergmann (65), kennt zwar den genauen Wortlaut der Verordnung für den Amateur- und Breitensport noch nicht, geht aber davon aus, „dass wir den Sportbetrieb komplett einstellen müssen“. Davon betroffen wären die über 700 Aktiven der rund 1500 Mitglieder in 17 Abteilungen. In der Leichtathletik bliebe zumindest Einzeltraining möglich, das man schon beim Lockdown im Frühjahr mit Läufen im Wald angeboten hat. „Im Stadion wär‘s einfacher“, sagt Bergmann, das musste aber damals geschlossen werden.

Hoffnung hat er auch für den medizinisch verordneten Rehasport, der eventuell erlaubt bleiben könnte. Schließlich gehe es da um die Gesundheit. Einige der Turngruppen behelfen sich wie schon im Frühjahr wohl wieder mit Online-Treffen, bei denen der Übungsleiter zuschaut und Hinweise gibt. „Ich habe Verständnis, dass wir das probieren müssen“, sagt Bergmann zu den neuerlichen Einschränkungen. Sollten sie Wirkung zeigen, müsse es aber schnell auch wieder Lockerungen geben. Eher schwer fällt dem Präsidenten der Blick in die Zukunft. 2021 will der TSV eigentlich seinen 175. Geburtstag feiern, am 5. April 1846 war das Gründungsdatum. „Wir planen halt mal“, sagt Bergmann. „Hoffentlich nicht für die Katz.“

Fußball 

Die drei baden-württembergischen Fußballverbände haben am Donnerstag mitgeteilt, dass der gesamte Spielbetrieb der Männer, der Frauen sowie der Jugend von der Oberliga Baden-Württemberg abwärts mit sofortiger Wirkung ausgesetzt wird. Es wurde zudem ein Spielverbot verhängt, das auch Pokal- und Freundschaftsspiele betrifft sowie den Trainingsbetrieb. „Ob der Spielbetrieb im Kalenderjahr 2020 wieder aufgenommen werden kann, ist derzeit offen und hängt von den weiteren Entwicklungen ab“, sagte Heiner Baumeister, Pressesprecher des Württembergischen Fußballverbandes (WFV).

WFV-Präsident Matthias Schöck kommentierte den sofortigen Fußball-Lockdown mit den Worten: „Dieser Schritt ist uns allen schwergefallen, es gab aber in der aktuellen Situation keine echte Alternative.“ Auch der Fußball müsse umgehend seinen Beitrag leisten. Man habe immer wieder betont, dass die Infektionsgefahr nach den vorliegenden Studien beim Fußballspielen im Freien als äußerst gering einzuschätzen seien. „Risiken bestehen aber beim Zusammentreffen in Umkleidekabinen, in Duschräumen, bei der Bildung von Fahrgemeinschaften und auch dann, wenn sich Zuschauer nicht an Hygienevorgaben halten“, sagte Heiner Baumeister.

 


Landgericht Heilbronn 

Der öffentliche Dienstbetrieb des Landgerichts Heilbronn ist von den verschärften Corona-Regeln nicht zusätzlich eingeschränkt, bisher galten schon strenge Abstands- und Hygieneregeln. Wie Pressesprecher Timo Wunderle erklärt, seien bereits im Frühjahr 2020 „zahlreiche Vorkehrungen getroffen worden, um die Ansteckungsgefahren im öffentlichen Dienstbetrieb deutlich zu reduzieren“. Diese Maßnahmen hätten sich in der Praxis bewährt. Inzwischen nutzten Gerichtsmitarbeiter wieder verstärkt die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens. Im Bereich des Zivilrechts seien für die Richter mit Einführung der elektronischen Akte im Sommer diesen Jahres auch die Voraussetzungen für ein vollwertiges mobiles Arbeiten im Homeoffice geschaffen worden, so Wunderle. Am Landgericht Heilbronn bestehe zudem die Möglichkeiten für den Einsatz von Video-Verhandlungen. Man stehe in der Corona-Frage  weiterhin in engem Austausch mit dem Ministerium der Justiz und für Europa.    

Für Verfahren vor den Großen Kammern (Jugendkammern, Strafkammern, Schwurgerichtskammer) besteht in Strafsachen außerhalb der Hauptverhandlung die Möglichkeit, von zu Hause aus mit der elektronischen Zweitakte zu arbeiten. Der Einsatz von Video-Verhandlungen ist im Strafverfahren jedoch aus rechtlichen Gründen nicht möglich.

Die Strafrichter, Schöffen, Protokollführer, Staatsanwälte, Gutachter und Verteidiger erbringen ihren Einsatz in Pandemiezeiten unter einem erhöhten Gesundheitsrisiko, weil sie ganztägig in Räumen verhandeln, in denen sich dauerhaft zehn oder mehr Personen aus unterschiedlichen Haushalten befinden. Durch eine Maskenpflicht für Zuhörer, Plexiglasscheiben zur Abtrennung der Beteiligten und Abstandsregeln und weitere Maßnahmen soll das Ansteckungsrisiko auf ein Minimum reduziert werden.


Möbelhäuser und Gartencenter

Das Restaurant im Heilbronner XXXLutz Bierstorfer ist ab dem 2. November komplett geschlossen. „Die 23 Mitarbeiter des Restaurants bauen Urlaub ab oder gehen in Kurzarbeit“, erklärt Verkaufsleiter Zein Hussein. Auch in der „Heilbronnerei“, dem Restaurant im Möbelhaus Rieger, bleibt ab Montag für vier Wochen die Küche kalt. „Wir fahren am Samstagabend den Gastronomiebetrieb runter“, sagt Geschäftsleiter Klaus Ullrich.

„Wir kommen nicht drumherum. Ab Montag ist unser Restaurant wie beim ersten Lockdown geschlossen“, betont Alexander Mayer, Geschäftsführer des Gartencenters Pflanzen Mauk in Lauffen. Runtergefahren wird der gastronomische Betrieb auch im Café & Restaurant Bambusgarten bei Pflanzen Kölle in Heilbronn. Geplant ist jedoch ein kleines Sortiment an einfachen Gerichten zum Mitnehmen. Die Bäckerei Mitterer im Foyer darf weiterhin Backwaren verkaufen, der Sitzplatzbereich ist jedoch gesperrt.


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