Das Auto als Waffe benutzt

Heilbronn  Die Verhandlung wegen dreifachen Totschlags vor einer Bad Rappenauer Diskothek hat am Heilbronner Landgericht begonnen. Der 24-jährige Angeklagte signalisiert Einsicht.

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Gleich zu Prozessbeginn gab der 24-jährige Angeklagte zu, das Tatfahrzeug, mit dem drei Personen verletzt wurden, gesteuert zu haben.

Foto: Archiv

Von einem Schockzustand spricht ein Überlebender des Vorfalls vom 9. Dezember 2018. Den erlebt auch der Betrachter des Videos, das die Geschehnisse nach einer durchzechten Nacht in der Bad Rappenauer Diskothek widerspiegelt. Es sind Bilder einer Schlägerei zwischen drei Gruppen enthemmter, junger Männer, die sich gegenseitig mit Tritten und Schlägen traktieren. Und plötzlich fährt ein Auto in die Gruppe.

Am Mittwoch hat der Strafprozess vor dem Heilbronner Landgericht gegen den mutmaßlichen Fahrer des Tatwagens, den 24-Jährigen A., begonnen. Vor dem 1. Schwurgericht unter dem Vorsitz von Richter Roland Kleinschroth muss sich der Viernheimer wegen dreifachen versuchten Totschlags verantworten. Zahlreiche Prellungen, Schürfwunden und Schleudertraumata waren die Folge der Attacke, die sich um 5.15 Uhr auf dem Parkplatz vor der Diskothek zugetragen haben soll.

In der Absicht zu töten

Die Staatsanwaltschaft wirft A. in der Anklageschrift vor, "Leib und Leben der Geschädigten gefährdet und deren Tod billigend in Kauf genommen" zu haben. Er habe in Folge einer Schlägerei mit rund zehn Beteiligten im alkoholisierten Zustand den Peugeot 307 eines Freundes "in der Absicht zu töten" in die Menschentraube gelenkt.

Der Angeklagte, der bis 2017 eine 16-monatige Haftstrafe in Wiesbaden absitzen musste und zugab, den Wagen gelenkt zu haben, zeigt sich vor Gericht zerknirscht: "Ich habe früher immer alles auf die Umstände geschoben, hatte für alles eine Ausrede." Die Ereignisse auf dem Parkplatz in Bad Rappenau hätten aber zur Einsicht geführt, "dass ich für meine Fehler geradestehen muss".

Video widerlegt Aussagen teilweise

A. gab an, mit Freunden in der Disko in eine gewalttätige Auseinandersetzung zweier Gruppen aus Mosbach und Wiesloch hineingezogen worden zu sein. Da er seine Freunde vor den Tumulten schützen wollte, habe er den Kleinwagen in die Nähe der Auseinandersetzung gesteuert, um schnell entkommen zu können. A., der angab etwa zehn Longdrinks getrunken zu haben, sei im Auto mit Steinen beworfen worden und daher schnell losgefahren.

Drei Überwachungskameras widerlegten diese Aussage jedoch teilweise. Auf einem Video ist zu erkennen, dass zwei Unbekannte einen der Beteiligten vor das Auto zerrten, wo er zweimal langsam vom Angeklagten angefahren wurde. Kurz darauf setzte der Peugeot mit Vollgas zurück, wobei er zwei weitere Personen erfasste.

Todesangst und Verletzungen

Zum Prozessauftakt schilderte ein Verletzter aus Mosbach, der als Nebenkläger auftritt, seine Todesangst sowie seine Verletzungen infolge der Kollision. Er gab aber an, den Angeklagten nicht identifizieren zu können. Aufgrund seiner starken Alkoholisierung und seiner Verwicklung in die Schlägerei sei seine Erinnerung unklar. Seine Aussage deutet aber an, die Behauptung des Angeklagten sei wahr, dass die Gewalt von der dritten Gruppe aus Wiesloch ausging. Am zweiten Verhandlungstag, sollen weitere Zeugen für mehr Klarheit sorgen.


Kohler

Sebastian Kohler

Volontär

Sebastian Kohler arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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