Autokorso der Corona-Kritiker blockiert den Verkehr in der Region

Region  Am Sonntagnachmittag treffen sich Kritiker der Corona-Politik in Heilbronn und in Öhringen zu einem Autokorso. Vor allem in den Kreuzungsbereichen geht streckenweise nichts mehr.  Die Polizei stellt wenige Verstöße gegen die Auflagen fest.

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Heute treffen sich Kritiker der Corona-Politik in Heilbronn und Öhringen. Fotos: Heike Kinkopf

In der Vergangenheit hat die Gruppierung "Querdenken 713" wiederholt Demonstrationen und Kundgebungen in Heilbronn angemeldet. Diesen Sonntag fahren Teilnehmer gegen 15 Uhr von der Theresienwiese über die Hafenstraße, Karl-Wüst- und Neckarsulmer Straße über die Allee und Oststraße. Noch bevor der Konvoi startet, gibt es die erste Planänderung. Weil mehr Fahrzeuge am Autokorso teilnehmen als erwartet, endet die Demo bereits in Weinsberg. Ursprünglich sollte die Fahrt über Ellhofen und Bretzfeld-Bitzfeld nach Öhringen führen. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz, um die Strecke zu sichern, Kreuzungen zu sperren und darauf zu achten, dass Auflagen eingehalten werden. 74 Polizisten, auch von anderen Präsidien, sind vor Ort.

Polizei zählt 350 Autos

Thomas Hellmich ist nach eigenen Angaben das erste Mal bei einer "Querdenken"-Aktion. Ihm gehört ein Geschäft in der Heilbronner Hafenmarktpassage. „Das kann so nicht weitergehen“, sagt er. „Der Einzelhandel ist kaputt.“ Seine beiden Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, er selbst habe kein Einkommen mehr, die Kosten liefen aber weiter. „Die Zahlen fallen, und die Maßnahmen werden mehr“, sagt Dirk Scheller aus Neckarsulm. Er habe die Initiative in Heilbronn gegründet. Menschen würden an allen möglichen Krankheiten sterben, Corona werde übertrieben.

Organisator: Corona werde übertrieben

Vor allem in den Kreuzungsbereichen geht streckenweise nichts mehr.  

Schellers Forderung nach einem Ende des Lockdowns haben sich nach Angaben der Polizei etwa 350 Autofahrer angeschlossen. So viele sind an der Zählstelle an der Theresienwiese vorbeigefahren, sagt Gerald Olma, Sprecher des Heilbronner Polizeipräsidiums. Während der Fahrt seien hier und da weitere Teilnehmer dazugestoßen, andere seien wiederum frühzeitig ausgeschert. „Steckt euch die Maske in den Arsch“, tönt es aus einem Lautsprecher. Aus anderen Autos ist Musik zu hören. Deutschland-Fahnen und Regenbogen-Fahnen flattern im Wind. Autos mit AfD-Plakaten gehören zum Konvoi, darunter das Werbefahrzeug des Heilbronner Stadtrats Michael Seher. „Wir sind parteilos“, sagt Organisator Dirk Scheller, seine Gruppe wolle keine Parteiwerbung bei Veranstaltungen. Ausgeschlossen wird das Auto allerdings nicht.  

Weniger Teilnehmer in Öhringen

An der Allee in Heilbronn finden sich Mitglieder der Gruppe "Verstand 2020" mit Fahnen und Plakaten ein. Sie wollten ein Zeichen setzen. Sie hielten den Infektionsschutz ein und seien deshalb auch nicht mit mehr Unterstützern gekommen, sagt Niklas Rosche. „Es ist verantwortungslos, ein Ende des Lockdowns zu fordern, wenn wir sehen, dass Menschen sterben, und den eigenen Egoismus nach vorne zu stellen“, kritisiert er den Autokorso.

In Öhringen startet bereits um 13.30 Uhr ein Autokorso, der laut Polizei maximal 30 Fahrzeuge umfasst. Ziel der beiden Veranstaltungen sei es gewesen, in Öhringen zu einem großen Treffen zusammenzukommen, sagt Olma. Dies habe man allerdings durch Auflagen verhindert. Kritik, dass derartige Veranstaltungen zugelassen werden, tritt Olma entgegen. „Die Polizei ist dazu da, die Versammlungsfreiheit zu gewährleisten.“ Dies sei ein Grundrecht. Bei den Ordnungsämtern der Kommunen gehen Anmeldungen zu derartigen Veranstaltungen ein, diese prüfen, unter welchen Auflagen eine Aktion vonstattengehen darf.

Der Korso durch Heilbronn sei soweit störungsfrei verlaufen, zieht Olma Bilanz. Hier und da habe es vereinzelt Verstöße gegen die Versammlungsauflagen gegeben. Etwa weil jemand eine Fahne an einer langen Stange am Auto befestigt hat oder weil die Autos neben- statt hintereinander gefahren seien. 

Bis in den späten Nachmittag zieht sich der Autokorso durch Heilbronn. Organisator Dirk Scheller kündigt weitere Aktionen an. Diese könnten im wöchentlichen Rhythmus stattfinden, so die Überlegung.

 


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Heike Kinkopf

Heike Kinkopf

Reporterin

Heike Kinkopf ist Redakteurin im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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