Corona-Krise bringt Hofstetter in Nöte

Schwaigern  Der Metallbearbeiter aus Schwaigern mit 82 Mitarbeitern hat Insolvenzantrag gestellt. Das Unternemen ist spezialisiert auf Präzisionsteile. Allerdings liefen die Geschäfte schon in den Monaten vor Corona eher schlecht.

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Zwei Verlustjahre und dann noch die Corona-Pandemie: Das war zu viel für den Metallbearbeiter Hofstetter. Das Unternehmen mit derzeit 82 Mitarbeitern hat den Gang zum Insolvenzgericht angetreten. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Stuttgarter Rechtsanwalt Dietmar Haffa von der Kanzlei Schultze & Braun ernannt.

Der Geschäftsbetrieb läuft ungeachtet des Verfahrens ohne Einschränkungen, teilte ein Sprecher der Kanzlei mit. Die Beschäftigten seien bis einschließlich Juli über das Insolvenzgeld abgesichert.

Zwei Verlustjahre in Folge

Ursache der wirtschaftlichen Schieflage sind nach Angaben des Sprechers zwei Verlustjahre in Folge sowie die Corona-Pandemie. Ziel des Verfahrens sei nun, das Unternehmen langfristig auf eine stabile Grundlage zu stellen. Dafür suchten Geschäftsführung und vorläufiger Insolvenzverwalter zusammen mit der auf derartige Transaktionen spezialisierten Unternehmensberatung Bachert nach Investoren, die bereit und in der Lage sind, das Unternehmen zu übernehmen, hieß es.

"Erste Gespräche hatte es bereits zu Jahresbeginn gegeben, sie konnten aber wegen der Pandemie zunächst nicht weitergeführt werden." Zwischenzeitlich hätten sich weitere Interessenten gemeldet. "Mit ihnen sollen in den kommenden Wochen weitergehende Gespräche geführt werden."

Günter Hofstetter hatte das Unternehmen 1966 gegründet, nachdem er bei der Firma Schneider in Nordheim und als Werkzeugmeister bei Gessmann in Großgartach gearbeitet hatte. Start war in einer Garage, das erste Firmengebäude mit 800 Quadratmeter Fläche entstand 1970.

Bereits 1976 wurde die erste computergesteuerte Werkzeugmaschine angeschafft - damit war der Betrieb Vorreiter im Großraum Stuttgart. Hofstetter spezialisierte sich damit auf die Präzisionsbearbeitung von Metallteilen - Produkte aus Schwaigern finden sich unter anderem in der Formel 1 und der Luft- und Raumfahrt, außerdem bei vielen Oberklasse-Autoherstellern und in der Medizintechnik. Bearbeitet werden Teile aus Stahl ebenso wie aus Aluminium, Titan, Magnesium und anderen Leichtbauwerkstoffen.

Umsatz ist in den vergangenen Jahren gesunken

1992 wurde ein neues Betriebsgebäude mit 5000 Quadratmetern Produktions- und 1800 Quadratmetern Bürofläche eingeweiht. In den vergangenen Jahren hatte allerdings bereits eine gewisse Abwärtstendenz eingesetzt. Der Höhepunkt der Belegschaft wurde mit 158 Mitarbeitern erreicht - 2003 waren es noch 120 Mitarbeiter, 2006 noch 100, vor zwei Jahren noch 93. Der Umsatz betrug 2006 noch 11,5 Millionen Euro, vergangenes Jahr wurden nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters noch mehr als sechs Millionen Euro erzielt.

Günter Hofstetter, inzwischen 82, übergab 2005 die Geschäftsführung an seine Tochter Martina Hofstetter-Mirlieb. 2011 gründete er die "Heidelinde-und-Günter-Hofstetter-Stiftung", die Vereine und Einrichtungen unterstützt.


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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