Corona-Antikörpertest bringt keine definitive Sicherheit

Region  Angebote im Internet mit Prüfsets für zu Hause nehmen zu. Experten in der Region stufen einen alleinigen Nachweis mit einer Blutprobe indes als problematisch ein. Die Gefahr, dass ein Gesunder fälschlicherweise als krank eingestuft wird, ist offenbar nicht gerade gering.

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Variante 1: Mit einem Abstrich-Stäbchen nimmt ein Arzt eine Speichelprobe. Damit werden Patienten mit Symptomen getestet, ob sie das neuartige Coronavirus akut in sich tragen. Fieberambulanzen haben aktuell noch Kapazitäten frei.

Fotos: dpa

Die Unsicherheit im Umgang mit Corona ist groß. Könnte man das Virus haben, ohne dass klare Symptome auftraten? Dass manch ein Patient vielleicht Symptome vorgibt, um mit einem Abstrich-Test Gewissheit zu erhalten, nimmt der Heilbronner Internist Dr. Andreas Hamberger an. "Es gibt Menschen, die alles haben", sagt er. Als Mediziner müsse man Beschwerden jedoch ernst nehmen. Es seien aber umgekehrt sehr wenige, die sich offiziell ohne Symptome testen lassen wollten.

Bis zu 100 Euro: Kosten für die Tests schwanken stark

Inzwischen werden im Internet auch eine Reihe Antikörpertests angeboten, für einen Selbsttest daheim, "diskret und sicher", der eingeschickt werden soll. Damit wird geprüft, ob man schon Antikörper gebildet habe - die Infektion also erfolgt ist und der Körper einen Schutz aufbaut. Macht das Sinn? In dem Fall ist eine Blutprobe nötig, wenige Tropfen sollen reichen. Die Preise sind teilweise happig: Bei Anbietern aus Berlin, Mecklenburg-Vorpommern oder Nordrhein-Westfalen werden wird zwischen 69 und 99 Euro verlangt.

Für Dr. Hamberger ist das "Geschäftemacherei". Es gebe ja noch andere Corona-Typen, die Frage sei, ob der Sars-Cov-2-Typ klar nachgewiesen werde. "Da wäre ich sehr vorsichtig." Eine absolute Sicherheit sieht er in solchen Tests noch nicht.

Auch bei positivem Antikörper-Test bleibt Maskenpflicht und Abstandsregeln bestehen

Das Heilbronner Labor Blackholm bearbeitet Proben aus rund 1000 Arztpraxen in der Region für alle medizinischen Bereiche. Viele akute Corona-Tests - die mit den Abstrichen - haben eine Umschichtung der Abläufe nötig gemacht. Derzeit werden im Auftrag der Gesundheitsämter viele Proben aus Pflegeheimen der Region untersucht. Von 500 bis 1000 Tests täglich zum Nachweis einer akuten Erkrankung mit dem Virus spricht Geschäftsführer Lars Blackholm. Seit rund 30 Jahren ist das Labor schon aktiv, hat mit Fahrdienst rund 150 Mitarbeiter. Auch Blackholm bietet zudem Antikörper-tests im Haus an, für unter 20 Euro.

Aber: Von Privatbürgern sei dieser nicht stark nachgefragt. Vereinzelt ließen Bürger sich testen. Lars Blackholm sagt, dass ein Antikörpertest Sinn mache, wenn der Abstrich-Test nicht mehr funktioniere, weil das Virus sich von Mund, Rachen oder Nase in tiefere Organe verlagert habe. Von Privatleuten hätten die meisten, die glaubten, Corona gehabt zu haben, "es nicht gehabt". Und: Im privaten Bereich sieht er auch ein Problem. Vorgaben wie Maskenpflicht und Abstandsregeln müsse man ja weiter befolgen.

Dass zuletzt im Labor die Fallzahl akuter positiver Abstrich-Proben deutlich abnahm, berichtet der Firmenchef. "Die Infektionsrate geht zurück." Er erwartet aber wieder steigende Zahlen, wenn man sehe, wie sich die Bürger nach den Lockerungen in den Straßen bewegten. Das gesamte Jahr 2020, erwartet er, werde das neue Corona-Virus unseren Alltag noch begleiten.

SLK-Kliniken machen kein generelles Antikörper-Screening

Antikörpertest bringt keine klare Sicherheit

Variante 2: Mit Blutproben werden Antikörper-Tests gemacht. Sie zeigen, ob ein Körper auf eine Infektion reagiert.

Beim Antikörpertest dürfen Labore nur zugelassene Diasgnostiktests durchführen, teilt das Landesgesundheitsamt auf Anfrage mit. Man habe keine allgemeine Übersicht über Stellen, die diese Tests anbieten. Die Spezifität der Tests, also der Prozentsatz, dass Gesunde auch als gesund erkannt werden, sei "wegen Kreuzreaktionen mit anderen Coronaviren" verschieden hoch - und meist geringer als dass Kranke als krank erkannt werden. Für eine eigene aktuelle Antikörperstudie testet das Landesgesundheitsamt nur Personen, die im Krankenhaus auf Corona behandelt wurden oder werden.

Die SLK-Kliniken machen aktuell kein generelles Antikörper-Screening, um zum Beispiel Mitarbeiter zu testen. Bei klinischen Verdachtsfällen stehe der Direktnachweis des Virus im Vordergrund, erklärt Sprecher Mathias Burkhardt. Gerade in einer späteren Krankheitsphase könne es in Einzelfällen aber sinnvoll sein, eine Diagnose über einen Antikörpertest im Blut zu erhärten.

Immun oder nicht?

Die Ergebnisse eines Labortests zum Nachweis von Antikörpern "sind allgemein mit Vorsicht zu interpretieren", teilt ein Sprecher des Landessozialministeriums mit. Eine nicht zu vernachlässigende Zahl an falsch-positiven Ergebnissen sei zu erwarten. Getestete Personen gingen dann von einer Immunität aus, "die so nicht vorhanden ist". In Ergänzung zur Akutdiagnostik sieht das Ministerium die Tests als sinnvoll an. Es gebe aber noch keine wissenschaftlichen Daten, dass Antikörper eine Immunität gegen eine Neuinfektion bedeuten. Man gehe davon aus, dass eine Person mit durchgemachter Erkrankung "für einen gewissen Zeitraum immun ist".

 

Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.   

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