Beim Waldschulprojekt bekommen Schüler eine Fläche im Forst

Region  Der Forstwirt Maximilian Palm wird das Waldschulprojekt der Stadt Heilbronn leiten. Dabei soll jede Klasse ein eigenes Waldstück bekommen, das sie zu jeder Jahreszeit einmal besuchen wird.

Von Anna-Lena Sieber

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Der Forstwirt und angehende Waldpädagoge Maximilian Palm wird mit den Schülern gemeinsam spielerisch den Wald entdecken.

Foto: Anna-Lena Sieber

Aus Stöcken, Ästen, Steinen und Totholz soll ein Sofa mitten im Wald entstehen.

"Das soll am Ende aussehen wie ein Adlerhorst und der Treffpunkt der Klasse sein", sagt Forstwirt Maximilian Palm, der das neue Waldschulprojekt im Heilbronner Stadtwald einmal leiten wird. Ziel ist es, den Schülern praktisch zu vermitteln, was das Wort Nachhaltigkeit bedeutet.

Das Herzstück der Waldpädagogik

Das Projekt, das im Oktober startet, sieht vor, dass jede Klasse, die daran teilnimmt, eine eigene 3000 bis 5000 Quadratmeter große Fläche zur Verfügung gestellt bekommt. "Das Projekt ist bisher das Herzstück unserer Waldpädagogik", sagt der frisch gebackene Forstwirt und angehende Waldpädagoge Palm. Vier mal im Jahr werden die Kinder einen Tag im Wald verbringen und dort bei allen anfallenden Arbeiten mithelfen. "Es ist so organisiert, dass sie jede Jahreszeit einmal miterleben", erklärt der 37-Jährige.

Jede der ausgewiesenen Flächen besteht aus einem alten Eichenwald, einem jüngeren Laubwald und der größte Teil aus einer Kulturfläche mit jungen Baumpflanzen. "Es geht darum, dass die Schulklassen etwas vom gesamten Forstbestand haben."

Es soll eine Bindung zum Wald entstehen

So könnten die Klassenstufen fünf bis sieben, die sich bisher angemeldet haben, den Wald in seinen verschiedenen Lebensphasen erleben. "Wenn die Schulklasse ein Jahr da war, übergibt sie ihre Fläche persönlich an den nachfolgenden Jahrgang." Er hofft, dass die Schüler so eine größere Bindung zu den Flächen und zu dem Wald aufbauen.

Eigentlich hätte das Projekt bereits im März starten sollen. Durch die Corona-Pandemie wurde es jetzt auf Oktober verschoben. "Im März wären acht bis zehn Schulen dabei gewesen", sagt Forst-Abteilungsleiter Immanuel Schmutz. "Für Oktober sind nun nur noch zwei Schulen zuverlässig im Boot", bedauert der Abteilungsleiter. Die anderen würden noch warten, wie das Schuljahr anlaufe und ob die Kapazitäten für ein solches Projekt vorhanden sind.

Die Kinder lernen ihr Stückchen Wald gut kennen

Allerdings wollen die Verantwortlichen nicht nur einfach mit den Kindern im Wald arbeiten. "Das Konzept ist vielfältiger", sagt Palm. Zuallererst müssen die Kinder ihre eigene Fläche anhand einer detaillierten Karte ausfindig machen, sie markieren und vermessen. "Im zweiten Schritt sollen die Klassen ihre Fläche inventarisieren." Jeder Baum soll bestimmt, gezählt und abgemessen werden. "Das ist schon eine Herausforderung, das zu bewerkstelligen", sagt Palm, dem als ehemaliger Lehramtsstudent die Pädagogik nicht ganz fremd ist.

Neben dem eingangs erwähnten Waldsofa gibt es noch andere spielerische Elemente, die die Kinder für den Wald und sein Ökosystem begeistern sollen.

Die Schüler spielen Eichhörnchen

So lernen sie beispielsweise die Überwinterungsstrategien von Eichhörnchen. Um das zu simulieren, bekommt jedes Kind eine bestimmte Anzahl an Waldfrüchten. Die müssen im Wald an verschiedenen Stellen vergraben werden. Denn es gibt noch Konkurrenten. "Manche Schüler spielen Eichelhäher und die rauben gerne die Verstecke der Eichhörnchen aus", erklärt Palm.

Wenn also alle Waldfrüchte an einem Ort sind, und ein Eichelhäher findet das Versteck, muss das Eichhörnchen verhungern. "So lernen die Kinder spielerisch die Strategien der Eichhörnchen kennen." Gleichzeitig sehen sie, wie komplex die Strukturen eines Ökosystems sind. "Denn die Eicheln, die nicht gefunden werden, keimen und wachsen zu Jungbäumchen heran, die mal riesige Eichen werden und dann wiederum als Nahrungsgrundlage für Aberhunderte von Tieren dienen."

Verständnis für nachhaltiges Handeln

Das übergeordnete Ziel des Projektes sei, dass die Kinder Freude am Draußensein entwickeln. Sie sollen sich bewegen und ein Verständnis dafür bekommen, was nachhaltig handeln und wirtschaften bedeutet. "Um ein gelungenes menschliches Leben langfristig für alle Generationen möglich zu machen." Denn sowas falle nicht vom Himmel, dafür müsse man etwas tun.

Das Waldnetzwerk des Landkreises

Auch der Landkreis Heilbronn hat waldpädagogisch viel zu bieten. Der Verein Waldnetzwerk ist im gesamten Landkreis aktiv. "Wir sitzen im Forstamt und machen dort alle gemeinsam Waldpädagogik", sagt die Sachgebietsleiterin Waldpädagogik und Geschäftsführerin des Waldnetzwerkes Manuela König. "Wir bieten auch für Schulklassen seit 2009 lehrplanbezogene Veranstaltungen an", sagt König. Das Waldnetzwerk und den Landkreis könne man nicht trennen.

Seit längerer Zeit plant König zusammen mit Waldpädagogen und den zuständigen Förstern ein ähnliches Projekt, wie das Waldschulprojekt der Stadt Heilbronn. Das Projekt soll nächstes Jahr umgesetzt werden. Wie, das ist noch nicht ganz klar. "Der Wald soll dabei mehrmals im Jahr ein Ziel sein, um vor Ort zu lernen." Auch in Zeiten von Corona könne man im Wald gute Aktionen machen, da man sich an der frischen Luft befinde. 


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