Bei der Zisch-Talkshow gibt es Einblicke in den Journalismus

Die erste virtuelle Talkshow beim Zisch-Projekt mit Chefredakteur und Verleger war ein voller Erfolg. Im Fokus der Diskussion stand das Thema Pressefreiheit.

Email

Es summt kurz, ein mechanisches Geräusch ertönt, dann erscheinen die ersten Gesichter auf dem Computermonitor. Es ist Zeit für die Zisch-Talkshow 2021, die erste im virtuellen Raum. Die aktuelle Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg lässt es nicht zu, dass Tilmann Distelbarth, Verleger der Heilbronner Stimme, und Chefredakteur Uwe Ralf Heer die Achtklässler der Kurt-von-Marval-Schule in ihrem Schulgebäude in Nordheim besuchen. Stattdessen kommt man in einer Videokonferenz über das Programm Jitsi zusammen. 

Seit mehr als zehn Jahren ist die Talkshow ein fester Bestandteil von Zeitung in der Schule (Zisch) – und gehört, neben dem Besuch des Druckhauses, zu den alljährlichen Höhepunkten des Medienprojekts. Nicht zuletzt deshalb, weil die Schüler die einmalige Chance bekommen, sowohl dem Chefredakteur als auch dem Verleger ganz direkt Fragen zu stellen. „Für uns ist es gleichzeitig ein Gewinn zu hören, was die Jugendlichen bewegt, welche Themen sie beschäftigen“, sagt Uwe Ralf Heer. Im Fokus der Diskussion stand dieses Mal das Thema Pressefreiheit. Nicht zuletzt, weil die Talkshow bewusst am dazugehörigen internationalen Gedenktag stattfand, sondern auch, weil es die Jugendlichen sehr beschäftigt, wie Deutschlehrerin Pamela Vielhauer bestätigt.

Mehr Übergriffe gegen Medienschaffende

Dass Deutschland auf der Rangliste der „Reporter ohne Grenzen“ zum Thema Presse- und Meinungsfreiheit von Platz elf auf 13 abgerutscht ist, hat auch Jadon mitbekommen. Die meisten Übergriffe gegen Medienschaffende ereigneten sich im vergangenen Jahr bei Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen. Der Achtklässler möchte deshalb wissen: „Wie hat sich Ihre Arbeit aktuell bei Demonstrationen verändert?“ Sie sei schwieriger geworden, gibt Uwe Ralf Heer offen zu. „Gerade, wenn sich die Demonstrierenden nicht an die Corona-Verordnungen halten oder aber unsere Reporter, Autoren nicht nur verbal, sondern auch körperlich attackieren.“ Er betont, dass es in der derzeitigen veränderten Stimmungslage umso mehr darauf ankäme, nicht nur die Schreihälse zu hören. „Die Aufgabe von gutem Journalismus ist es, der großen Masse, die vernünftig und besonnen in dieser Krise agiert, eine Stimme zu geben.“

Besonders gut gefällt Lena, die gemeinsam mit ihrer Klassenkameradin Diamanta die Moderation übernommen hat, einmal „Informationen aus erster Hand“ zu bekommen. „Toll war auch“, ergänzt die Achtklässlerin, „dass die Herren uns immer Beispiele genannt haben – aus der ganzen Welt, nicht nur aus Deutschland und der Region.“ So erläutert Tilmann Distelbarth am Beispiel von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass dieser vielleicht nicht immer glücklich über die bestehende Pressefreiheit sei. Doch die Journalisten, die zu Spahns Immobiliengeschäften recherchierten, hätten sich strikt an den Pressekodex und die Grenzen der Pressefreiheit gehalten, so Distelbarth.

Viele informieren sich online

Die Schüler selbst informieren sich übrigens vorwiegend im Internet. Stimme.de, die Website des Medienunternehmens, gehört als eine sichere Quelle für die meisten dazu. „Beeindruckend, wie die Schüler das Thema Pressefreiheit reflektiert haben und welche Neugier sie an Themen rund um Datenschutz, Online-Angebote und journalistischer Arbeit hatten“, lobt Tilmann Distelbarth die Teilnehmer der Talkshow am Ende. Und wie es sich für eine richtige Zisch-Talkshow gehört, waren auch dieses Mal wieder Fragen dabei, die Heer und Distelbarth zum Schmunzeln brachten. So wie die von Lena. Sie wollte wissen, wer denn eigentlich die Zeitung in ihrer heutigen Form, ohne Klammern und gefaltet, erfunden habe. Bei Distelbarths Ausführungen zum Druckverfahren von Zeitungen wird klar: So problemlos ein Treffen virtuell auch klappt, so schön wäre es auch, wenn Zisch wieder real stattfindet – mit Unterrichtsbesuchen durch Redakteure und einem Besuch im Druckzentrum in Heilbronn.         


Milva Klöppel

Milva-Katharina Klöppel

Autorin

Aus dem hohen Norden kam Milva-Katharina Klöppel 2007 zur Heilbronner Stimme. Nach ihrem Volontariat übernahm die Hamburgerin den Bereich Jugend und leitet seither die Stimmt!-Redaktion. Neben Projekten wie Zeitung in der Schule (Zisch) betreut sie den "Durchstarter" und weitere junge Verlagsprojekte.

Kommentar hinzufügen