BaWü-Check Wirtschaft: Mittelmäßiges Zeugnis für die Regierung

Meinung  Trotz der Corona-Krise gibt es leichte Zuversicht, aber Sorgen vor Pleiten und Arbeitslosigkeit beschäftigen viele Bürger. Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer kommentiert die Umfrage zum BaWü-Check Wirtschaft.

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Gut zwei Monate vor der Landtagswahl rücken jetzt neben den Bereichen Bildung und Verkehr die Wirtschaftsthemen in den Fokus der Bürger. Und die haben nicht nur, aber auch mit den Folgen von Corona zu tun. Beim BaWü-Check, einer gemeinsamen Umfrage der baden-württembergischen Tageszeitungen, wird deutlich, dass trotz aller Schwierigkeiten der Optimismus, dass sich die Wirtschaft erholen wird, seit Oktober größer wird.

Mangelnde Agilität

Das heißt aber längst nicht, dass Baden-Württemberg über den Berg ist. Und so steht im wirtschaftspolitischen Zeugnis für die Landesregierung bestenfalls die Note befriedigend. Während rund 40 Prozent der Befragten meinen, Ministerpräsident Kretschmann würde sich ausreichend für die Wirtschaft einsetzen, sind nahezu genauso viele Bürger der Meinung, er und seine Regierung müssten hier mehr tun. Agilität sieht ganz sicher anders aus.

Sorge um Gastronomie

Ebenfalls uneinheitlich ist der Blick nach vorn. 57 Prozent schätzen die wirtschaftliche Lage zwar positiv ein, dennoch erwartet die Mehrheit steigende Arbeitslosenzahlen, viele Firmenpleiten sowie aussterbende Innenstädte, wenn Händler nicht überleben. Wie stark die Menschen das Schicksal von Gastronomie und Handel beschäftigt, das gibt zu denken. Denn versprochene Hilfszahlungen existieren oft nur auf dem Papier. Das Land muss viel schneller reagieren. Sonst kassieren nicht nur die Betroffenen die Quittung, sondern auch die Regierenden.

Mangelnde Digitalisierung

Hinzu kommt eine schwindende Bedeutung der Automobilindustrie und allseits erkennbare Schwächen bei der Digitalisierung. Hier gilt es, Perspektiven - auch nach Corona - aufzuzeigen. Ganz offensichtlich sind diese für die Mehrheit der Wähler nicht erkennbar.

Ob wohl die Regierung nachlegen kann oder ob die Opposition auf diesem Gebiet mit eigenen Ideen punkten wird? Wenn nicht im Wahlkampf, wann dann?


Uwe Ralf Heer

Uwe Ralf Heer

Chefredakteur

Uwe Ralf Heer ist seit 1991 bei der Heilbronner Stimme. Nach dem Volontariat war er Sportredakteur, stv. Ressortleiter Sport sowie ab 2001 Redaktionsleiter der Kraichgau Stimme in Eppingen und ab 2002 Redaktionsleiter der Hohenloher Zeitung in Öhringen. Seit 2006 ist er Chefredakteur und damit verantwortlich für alle journalistischen Angebote in Print, online und bei Stimme.TV

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