BaWü-Check: Eltern kritisieren Schulpolitik des Landes

Stuttgart/Region  Wie zufrieden sind die Menschen in Baden-Württemberg mit der Arbeit der Landesregierung? Die Bürger loben die Corona-Politik der Bundes- und Landesregierung, sehen aber viele Kritikpunkte an den Schulen im Land, wie die erste landesweite Umfrage im Auftrag der Zeitungsverlage im Südwesten ergab.

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Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Foto: dpa

Die meisten Bürger in Baden-Württemberg unterstützen den bisherigen Kurs der Bundesregierung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Das zeigt die erste landesweite Umfrage im Auftrag der Zeitungsverlage im Südwesten. Die Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach stützt sich auf 1000 Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der baden-württembergischen Bevölkerung ab 18 Jahre.

So lagen die Zustimmungswerte der Baden-Württemberger zur Arbeit der Bundesregierung seit März dieses Jahres immer nahe oder sogar über 70 Prozent. Diese Zustimmung sei "in ihrem Ausmaß und in ihrer Konstanz völlig ungewöhnlich", schreiben die Autoren. Vor Beginn der Pandemie habe die Kritik an der Bundesregierung bei weitem überwogen. Auch der Landesregierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) attestieren 60 Prozent der Bürger gute oder sogar sehr gute Arbeit in der Corona-Krise. 34 Prozent äußern sich hingegen kritisch.

Ein differenziertes Bild zeigt sich bei der persönlichen Gefährdung. 32 Prozent der Baden-Württemberg machen sich sehr große oder große Sorgen, dass sie sich mit dem Coronavirus anstecken. 40 Prozent machen sich weniger große Sorgen, und 23 Prozent machen sich kaum oder gar keine Sorgen. Selbst bei den über 60-Jährigen ist die Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus nur unwesentlich stärker ausgeprägt.

Einen Schwerpunkt ihrer Befragung haben die Forscher auf die Schulpolitik in Zeiten der Pandemie gelegt. Hier zeigt sich eine größere Unzufriedenheit mit der Landesregierung als mit der generellen Krisenpolitik. Jeder Dritte bewertet die Schulpolitik mit gut oder sehr gut, wohingegen 57 Prozent weniger gute oder keine Arbeit des Landes sehen.

Gemischtes Bild beim Homeschooling

Gemischt bewerten die Eltern die Erfahrungen mit dem Homeschooling während der Pandemie. 42 Prozent geben an, dass der Fernunterricht bei ihnen zu Hause alles in allem gut funktioniert hat. 44 Prozent der Eltern sind der gegenteiligen Meinung. Kritisiert wird vielfach die mangelnde Unterstützung der Lehrer in dieser Phase. 29 Prozent der Eltern finden diese nicht ausreichend, 26 Prozent sind zufrieden damit.

Viel Luft nach oben ist laut Umfrage bei der digitalen Ausstattung der Schulen. 58 Prozent der Eltern bewerten diese als eher schlecht oder sehr schlecht, während 30 Prozent von einer guten oder sehr guten Ausstattung der Schulen mit Computern und anderen digitalen Medien sprechen. "Der oft beschworene Digitalisierungsschub durch Corona scheint die Schulen bisher nur begrenzt erreicht zu haben", schreiben die Allensbach-Experten.

Digitalkompetenz der Lehrer nicht ausreichend

Das gilt auch für die Digitalkompetenz der Lehrer. Nur zehn Prozent der Bevölkerung und 18 Prozent der Eltern finden, dass die Lehrkräfte für den digitalen Unterricht ausreichend ausgebildet und geschult sind. 69 Prozent der Baden-Württemberger und 68 Prozent der Eltern sehen die Lehrer dagegen nicht ausreichend vorbereitet.

Klares Fazit

Das Fazit der Studienautoren: "Die Untersuchung zeigt enormen Handlungsbedarf an den Schulen - in Bezug auf die digitale Ausstattung und Schulung, aber auch in Bezug auf die ausreichende personelle Ausstattung der Schulen, die letztlich die Grundvoraussetzung für einen qualifizierten Unterricht ist."

 

Die Umfrage

Wie zufrieden sind die Menschen in Baden-Württemberg mit der Arbeit der Landesregierung? Werden die richtigen Schwerpunkte gesetzt? Das wollen die Tageszeitungen in Baden-Württemberg in ihrer gemeinsamen Umfrage, dem BaWü-Check, genauer wissen und arbeiten dafür mit dem Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) zusammen. Das IfD befragt monatlich mehr als 1000 Menschen im Land. Es beteiligen sich 78 Zeitungstitel. Dahinter steht eine Auflage von 1,6 Millionen Exemplaren. Beteiligt sind 45 Verlage.

 

Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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