Arztpraxen bekommen weniger Impfstoff

Region  Am kommenden Montag wird die Impfpriorisierung bei niedergelassenen Ärzten in Baden-Württemberg aufgehoben. In Neckarsulm werden am Samstag noch Astrazeneca-Bestände verimpft. Die Termine waren schnell ausgebucht. Der Heilbronner Ärztesprecher geht davon aus, dass Impfstoff den Mai über ein knappes Gut bleibt.

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Von Montag an ist die Impfstoff-Priorisierung bei niedergelassenen Ärzten in Baden-Württemberg für alle Impfstoffe aufgehoben. Doch einen großen Schub bei Impfungen wird es trotzdem nicht geben, denn es kommt nur wenig Impfstoff. In Neckarsulm werden zuvor allerdings noch große Bestände des Astrazeneca-Präparats verimpft. Die Termine seien weggegangen „wie warme Semmeln“, sagt der zuständige Hausarzt Tobias Neuwirth.

Elektronische Buchung extrem gut angenommen 

Eine große Impfaktion mit dem Impfstoff von Astrazeneca läuft am Samstag in Neckarsulm-Obereisesheim. Der Hausarzt Tobias Neuwirth und sein Team mit insgesamt zehn Ärzten verimpfen 700 Dosen des Vakzins. „Wir haben den Impfstoff bestellt, schon bevor die Priorisierung gefallen ist“, sagt Neuwirth. Allerdings seien viele aus der damals impfberechtigten Gruppe skeptisch gewesen und hätten das Impfangebot ausgeschlagen. Diese Bestände werden nun komplett verimpft. Termine konnten elektronisch vereinbart werden, was extrem gut angenommen wurde, sagt Neuwirth. „Sie waren für jeden zugänglich, aber wir haben natürlich versucht, zunächst unsere eigenen Patienten zu berücksichtigen.“ 

Auch Astrazeneca wird knapp

In der kommenden Woche erhalten die niedergelassenen Ärzte laut Auskunft des Heilbronner Ärztesprechers Martin Uellner keine Impfdosen von Biontech für Erstimpfungen. „Wir bekommen lediglich die für Zweitimpfungen benötigten Dosen.“ Auch vom Vakzin von Astrazeneca würden voraussichtlich nur ein bis zwei Fläschchen pro Arzt ausgeliefert, so Uellner -  „also maximal 20 Dosen.“ Er geht davon aus, dass diese Knappheit auch in der letzten Maiwoche weiter anhält. Für den Juni hat der Bund eine deutliche Ausweitung der Impfstoff-Lieferungen angekündigt.

Bernd Salzer, Heilbronner Dermatologe und Vorsitzender des Spitzenverbands der Fachärztlichen Berufsverbände geht davon aus, dass noch mehr Fachärzte in die Impfkampagne einsteigen könnten, sobald genügend Impfstoff vorhanden ist. Allerdings sagt er auch, der Einsatz müsse sich für die Helferinnen mehr lohnen – bisher zahle sein Personal den vollen Steuersatz auf die zusätzlich anfallenden Stunden. Auf Dauer sei das so nicht möglich. „Jeder Idealismus stößt irgendwann an seine Grenzen.“


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Valerie Blass

Valerie Blass

Autorin

Valerie Blass ist Autorin im Politik-Team. Ihr besonderes Interesse gilt Themen aus dem Bereich Gesundheit.

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