Regionaler Arbeitsmarkt entwickelt sich überraschend positiv

Region/Nürnberg  Die Zahl der Arbeitslosen sinkt auch im Juni in der Region. Das Vor-Corona-Niveau wurde allerdings nicht erreicht. Der Fachkräftemangel ist wieder ein Problem.

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Der zweite Juni unter dem Vorzeichen der Corona-Pandemie zeigt am Arbeitsmarkt deutliche Zeichen der Entspannung. In der Region wie im Bundesgebiet sank die Quote stärker als von Experten erwartet. Vor allem junge Menschen unter 25 Jahren profitierten von der abklingenden Krise, wie die Regionaldirektion der Agentur für Arbeit in Stuttgart mitteilte.

Noch ein Stück weit unter dem Vor-Corona-Niveau

Im Raum Heilbronn ging die Arbeitslosenquote um 0,2 Prozentpunkte zurück auf 3,9 Prozent, im Hohenlohekreis um 0,1 Punkte auf 2,9 Prozent. Seit mehreren Monaten in Folge sinkt somit die Zahl der Arbeitslosen.

"Der Vergleich mit dem Mai 2019 zeigt aber, dass wir noch ein gutes Stück von dem Niveau entfernt sind, das wir vor der Pandemie hatten", erläutert Jürgen Czupalla, der scheidende Leiter der Heilbronner Agentur für Arbeit. Im Mai 2019 lag die Quote in Stadt- und Landkreis Heilbronn bei 3,2 Prozent, im Hohenlohekreis bei 2,3.

 

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Fachkräftebedarf zieht an

Trotzdem sei der Bedarf an Fachkräften sehr hoch, betont Elisabeth Giesen, Leiterin der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim. "Das ist keine neue Entwicklung, denn bereits lange vor der Pandemie war das Verhältnis von Angebot und Nachfrage in vielen Berufen mehr als angespannt."

Der Bestand an offenen Stellen in ihrem Arbeitsmarktbezirk legte spürbar auf knapp 5900 zu. Die Förderung und Weiterbildung von Beschäftigten in den Unternehmen werde deshalb weiter an Bedeutung gewinnen, so Giesen.

Der Heilbronner Agentur sind in den vergangenen vier Wochen 575 neue Jobs gemeldet worden, sie kann nun aus einem Bestand von 2920 Stellen vermitteln. Das sind fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

 

Entspannung bei der Jugendarbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren ist im Arbeitsmarktbezirk Heilbronn um 101 auf 841 zurückgegangen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt damit bei 2,8 Prozent, das sind 1,7 Prozentpunkte weniger als im Juni 2020.

Auch in Hohenlohe waren diese Werte deutlich rückläufig. Junge Menschen haben damit im Juni besonders von der abklingenden Krise profitiert.

 

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Viele Lehrstellen noch unbesetzt

Zum Start des Ausbildungsjahren ist die Situation auf dem Lehrstellenmarkt bundesweit angespannt. Seit Oktober hätten sich 385.000 junge Leute und damit rund acht Prozent weniger als ein Jahr zuvor auf einen Ausbildungsplatz beworben. 158.000 Bewerber seien im Juni noch unversorgt gewesen, so die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.

Gleichzeitig waren noch 216.000 der 468.000 gemeldeten Lehrstellen in den Betrieben noch unbesetzt. Im Raum Heilbronn waren noch 1430 Ausbildungsstellen unbesetzt, im Agenturbezirk Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim waren es 2248.

 

Arbeitgeber warnen vor vierter Welle

"Die Aussichten für die Gesamtwirtschaft und damit auch für den Arbeitsmarkt sind im Moment vielversprechend, trotz Problemen bei der Halbleiter- und Rohstoffversorgung der Industrie", sagten Wolfgang Wolf und Peer-Michael Dick, die zwei Hauptgeschäftsführer der Unternehmer Baden-Württemberg (UBW).

Sorgen mache ihnen aber, dass die Wirtschaft im Herbst in eine weitere Corona-Welle hineinlaufen könnte. Ein Wiederaufflammen der Pandemie mit erneuten Lockdown-Maßnahmen würde die Wirtschaft destabilisieren und die Erfolge auf dem Arbeitsmarkt zunichtemachen, warnte Wolf.

Weniger Beschäftigte im Gastgewerbe und vor allem im Verarbeitenden Gewerbe

Zahlen für die Beschäftigten nach Wirtschaftsbereichen liegen jetzt bis Dezember vor. Hier zeigt sich, dass im letzten Quartal 2020 das Verarbeitende Gewerbe im Stadt- und Landkreis Heilbronn fast 3200 Stellen verloren hat. Am stärksten betroffen war dabei die Metall- und Elektroindustrie.

Im Gastgewerbe ging die Beschäftigtenzahl um fast 400 zurück, genauso viele wie im Agenturbezirk Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim. Dort verlor das Verarbeitende Gewerbe 2200 Stellen, 1400 davon in der Metall- und Elektroindustrie.

Inzwischen hat sich die Konjunktur jedoch deutlich belebt. Der Heilbronner Agenturleiter Jürgen Czupalla erklärte vor der Übergabe an seinen Nachfolger Manfred Grab: "Wir können davon ausgehen, dass sich die positive Entwicklung in den kommenden Monaten fortsetzt."

 

Kurzarbeit stark rückläufig

Bei der Kurzarbeit hat sich ein spürbarer Rückgang ergeben. Wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilt, habe es in der Zeit vom 1. bis 24. Juni lediglich noch neue Anzeigen für 59.000 Personen gegeben. Vor einem Jahr lag die Zahl noch bei 342.000. Meist wird für weniger Personen Kurzarbeit tatsächlich in Anspruch genommen als angezeigt. Daten für die tatsächlich realisierte Kurzarbeit liegen der Bundesagentur nur bis zum April vor. In diesem Monat wurde Hochrechnungen zufolge für 2,34 Millionen Menschen Kurzarbeitergeld gezahlt. In der Spitze waren es im April 2020 fast sechs Millionen.

So sieht es in der Region aus

In Heilbronn und Hohenlohe liegen die Zahlen der tatsächlich genutzten Kurzarbeit nun für den Dezember vor. Danach haben im Hohenlohekreis 3436 Arbeitnehmer kurzgearbeitet. Im Stadt- und Landkreis Heilbronn waren 14.801 Personen in 2074 Betrieben von Kurzarbeit betroffen.


Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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