Aras positioniert sich in Affaltrach gegen Antisemitismus

Obersulm  Die Landtagspräsidentin bedankt sich bei den Ehrenamtlichen der Synagoge für die Erhaltung der Erinnerungskultur. Die "Freunde der ehemaligen Synagoge Affaltrach" wünschen sich eine Neukonzeption des Gebäudes.

Von Sebastian Kohler

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Landtagspräsidentin Muhterem Aras diskutiert in der Affaltracher Synagoge mit Heinz Deininger über jüdische Erinnerungskultur. Fotos: Ralf Seidel

Einen schmalen Streifen Schatten spenden die Nachbarhäuser des Museums Synagoge Affaltrach am Montagnachmittag. Die Ehrenamtlichen des Museums und die Entourage der Landtagspräsidentin drücken sich vor der Hitze schutzsuchend an die Wand. Muhterem Aras verharrt ungerührt in der prallen Sonne und lauscht der Begrüßung von Heinz Deiniger, der den "Freunden der ehemaligen Synagoge Affaltrach" vorsteht.

In Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) befindet sich die Grünen-Politikerin auf ihrer dritten Gedenkstättentreise seit Amtsantritt 2018. In Affaltrach würdigt sie die Erinnerungsarbeit des 220 Mitglieder starken gemeinnützigen Vereins.

"Um unsere Grundwerte zu bewahren, muss die Erinnerung lebendig gehalten werden", sagt die grüne Stimmenkönigin der vergangenen Landtagswahl. "Die Ehrenamtlichen, die diese wertvolle Arbeit leisten, sind nicht vom Himmel gefallen", daher wolle sie im Namen der demokratischen Parteien des Landtags ihre Dankbarkeit ausdrücken. Gemeint sind alle Fraktion mit Ausnahme der AfD, die regelmäßig gegen Aras schießt, unter anderem aufgrund der Gedenkstättenreise.

Kein Schlussstrich unterm Holocaust

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"Als Repräsentantin des Landes ist es meine Aufgabe, mich gegen Antisemitismus zu positionieren", bekräftigt Aras. "Wer damit ein Problem hat, sollte einen Blick ins Grundgesetz werfen." Der Holocaust dürfe "niemals einen Schlussstrich bekommen", findet Aras. "Dass sich das niemals wiederholt, ist unsere Verantwortung."

Bevor Aras mit den Ehrenamtlichen ins Gespräch kommt, führt Deininger sie durch das Museum, dessen Architektur er launig als "byzantinisches Schnitzelwerk" bezeichnet. Den Talmud im alten Lehrerzimmer bezeichnet er als "geronnene jüdische Diskussionskultur". Die Steilvorlage nimmt Aras gern auf: "Eine etwas lebendigere Diskussionskultur könnte uns auch nicht schaden."

Renovierung, Umgestaltung, Neubau?

Wichtiger Teil des Engagements für die Erinnerungskultur ist die Arbeit mit jungen Menschen. Sibylle Thelen, die als Direktorin des LpB mit dabei ist, lobt Stephanie Schick, Lehrerin am Hohenlohe-Gymnasium in Öhringen, für die "frühkindliche Bildung und Vermittlung jüdischer Kultur", als "absolutes Neuland".

Thematisiert werden auch Zukunftsthemen. Zwei neue Stolpersteine sind geplant und vom Gemeinderat Obersulm bewilligt, außerdem wird intensiv über eine Neukonzeption des Museums nachgedacht. "Wir befinden uns im Stadium des Wünschens", sagt Deininger. Pläne für eine Renovierung oder Erweiterung der Synagoge werden von Vereinsmitglied Francisc Incze an Aras herangetragen. Die Landtagspräsidentin lässt sich nicht zu einer Antwort hinreisen, schließlich befindet sie die Synagoge im Besitz des Landkreis Heilbronn. Zumindest digital ist der Quantensprung gemacht. Mit Samuel Stern koordiniert ein Judaistik-Student nun die sozialen Medien.


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