Ankläger fordert lebenslänglich wegen Mord an Ehefrau

Heilbronn  In einem hochemotionalen Mordprozess vor dem Landgericht Heilbronn hat der Staatsanwalt lebenslänglich für den Angeklagten gefordert. Der 45-Jährige hat seine Ehefrau mit elf Stichen getötet. Sieben Kinder sind jetzt ohne Mutter.

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In einem sehr emotionalem Prozess mit vielen Tränen vor dem Heilbronner Landgericht hat der Staatsanwalt am Donnerstag lebenslänglich wegen heimtückischen Mordes gefordert. Der Angeklagte habe seine Ehefrau im Dezember 2019 mit elf Messerstichen im Keller des Heilbronner Wohnhauses getötet, "weil sie sich der Tyrannei des Ehemannes nicht mehr willenlos hingeben wollte". Als der 45-Jährige seine Gattin mit den Worten "Ich habe eine Überraschung für dich" in den Keller gelockt habe, sei sie arg- und wehrlos gewesen. Die Rechtsmediziner fanden keine Spuren, die auf eine Abwehrreaktion des Opfers schließen lassen.

"Der Angeklagte war extrem eifersüchtig"

Der Angeklagte habe nicht ertragen können, dass die 33-Jährige sich einen neuen Freund gesucht hatte, sagte der Staatsanwalt. Der 45-Jährige "war extrem eifersüchtig". Der Tatentschluss sei schon Monate vorher gereift. Als er die Frau im Keller tötete, befanden sich die sieben Kinder des Paares - zwischen einem und 17 Jahren alt - in der Wohnung. Nach dem Verbrechen hatte sich der Mann, der aus dem Kosovo stammt, der Polizei gestellt und ein Geständnis abgelegt.

Die Beziehung sei über Jahre hinweg von häuslicher Gewalt und dem übermäßigen Alkoholkonsum des Angeklagten geprägt gewesen, führte der Staatsanwalt aus. Mitte Juli 2019 gab es eine Zäsur. Nachdem der 45-Jährige seine Frau mit Schlägen abermals verletzte, "weil sie nicht aufgeräumt hatte", zeigte die 33-Jährige ihren Mann an. Dieser gelobte Besserung, die Frau zog die Anzeige zurück. Das spätere Opfer habe sich ab diesem Zeitpunkt mit anderen Männern getroffen, sei ausgegangen. "So hat sich der Zorn beim Angeklagten aufgestaut, der mit einer mittelschweren Depression einherging", so der Staatsanwalt.

Opferanwältin liest Erklärungen der Kinder vor

Tanja Habezettl-Prach vertrat einen Teil der Kinder, die den Prozess als Nebenkläger im Gerichtsaal verfolgten. Die Anwesenheit der Kinder sei ihr eigentlich nicht recht gewesen, "aber ich kann es verstehen. So kam hier ihr Leid und ihre Verzweiflung zum Ausdruck". Sie würden so verarbeiten, was geschehen ist. Die Anwältin las in ihrem Plädoyer Erklärungen der Kinder vor. In einer hieß es: "Wir wünschen uns, dass der Vater wieder mit der Familie zusammenkommt. Ich als Sohn stehe hinter meinem Vater. Er hat eine zweite Chance verdient." Ein weiteres Kind schrieb: "Wir sind enttäuscht. Mama hat das nicht verdient. Sie war alles für mich." Die Opferanwältin stellte keinen konkreten Strafantrag.

Verteidiger Sammy Urcun betonte, dass es an der Tat nichts zu beschönigen gebe. Aber das Opfer sei nicht arglos gewesen. Die Ehe sei über Jahre hinweg von Gewalt und Bedrohung geprägt gewesen. Der 45-Jährige habe angekündigt, dass er sie oder sich umbringen werde. Also falle das Mordmerkmal "Heimtücke" aus. Deshalb plädierte Urcun auf Totschlag, ohne konkreten Strafantrag. In seinem letzten Wort sagte der Angeklagte: "Egal was meine Frau gemacht hat, ich bin schuld. Ich habe alles zerstört. Es tut mir für alle leid."


Helmut Buchholz

Helmut Buchholz

Autor

Helmut Buchholz arbeitet seit 1999 bei der Heilbronner Stimme. Er kümmert sich im Stadtkreisressort um die Themen Gericht, Polizei und Soziales. Er leitet außerdem das Thementeam Migration.

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