Ärzte bleiben auf Corona-Impfstoff sitzen

Stuttgart/Region  Die Hausärzte in Baden-Württemberg klagen über nicht eingehaltene Termine für Corona-Zweitimpfungen. Auch im Heilbronner Impfzentrum wird es zunehmend schwieriger, die vorhandenen Impfdosen zu verimpfen. Die Impfquote in der Region liegt unter dem Landesdurchschnitt.

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Im Südwesten gibt es immer wieder Meldungen über Impfzentren und Hausärzte, die ihren Corona-Impfstoff nicht verimpfen. In den Praxen würden immer mehr Menschen Termine zu Zweitimpfungen nicht einhalten, erklärt Manfred King, Sprecher des Hausärzteverbands Baden-Württemberg, gegenüber unserer Zeitung. Dann könne es auch mal vorkommen, dass Impfstoff weggeworfen werde. "Wenn ein Arzt 30 Impfungen vorbereitet und zehn Patienten kommen nicht, kann das passieren", so King. Ärzte würden aber versuchen, nicht benötigten Impfstoff zum Beispiel an Impfzentren weiterzugeben.

Vor allem Astrazeneca bleibt übrig

"Sicherlich bleibt derzeit am ehesten Astrazeneca übrig", sagt Kai Sonntag, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung im Südwesten. Dies liege daran, dass das Land Ende Juni der Empfehlung der Ständigen Impfkommission folgte und seitdem Personen, die eine Erstimpfung mit Astrazeneca bekommen hatten, als Zweitimpfung einen mRNA-Impfstoff - also Biontech oder Moderna - anbieten würde. Allerdings habe er noch keine Erkenntnisse darüber, ob in den rund 15.000 Haus- und Facharztpraxen im Südwesten auch Impfstoff weggeworfen werden muss.

Situation in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg haben 58,7 Prozent (Stand 22. Juli 2021) der Bevölkerung eine Erstimpfung erhalten, 48,1 Prozent sind vollständig geimpft. Bei den über 60-Jährigen, die bei einer Erkrankung zur besonders gefährdeten Gruppe zählen, liegt die Quote der vollständig Geimpften bei 76,3 Prozent.

Nach Angaben eines Sprechers des Stuttgarter Sozialministeriums liegen dem Land keine Zahlen zu vernichtetem Impfstoff in den Impfzentren vor. "Das Ziel der Mitarbeitenden in den Impfzentren und der mobilen Impfteams ist selbstverständlich, keinen Impfstoff zu verschwenden", so der Sprecher.

Kurzfristige Maßnahmen

Sollten Dosen in den Zentren übrig bleiben, gelinge es in der Regel immer, diese noch kurzfristig nicht Geimpften zu spritzen, sagt der Sprecher. So könnten über die sogenannten Impfbrücken Interessenten schnell kontaktiert werden. Nicht verwendeter Impfstoff solle zunächst - wenn möglich - als Vorrat gelagert werden. Nach dem Beschluss der letzten Gesundheitsministerkonferenz könne zudem nur die Bundesregierung in Deutschland nicht benötigten Impfstoff an Drittstaaten weitergeben. Jetzt gehe es aber "erst einmal weiter noch darum, jene Menschen mit einer Impfung zu erreichen, die bislang noch gezögert oder Vorbehalte haben", erklärt der Sprecher.

Situation in Heilbronn

Im Kreisimpfzentrum in Heilbronn haben die Organisatoren bisher noch keinen Impfstoff wegwerfen müssen, weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen war, erklärte Steffen Schoch diese Woche auf Anfrage. Aber: Es werde immer schwieriger, weil immer mehr Bürger nicht zum geplanten Zweittermin kommen würden. Für Montag bezifferte er die Zahl nicht Erschienener mit rund 600 bei 1300 geplanten Impfungen.

Die Stadt überlegt, ob der Betrieb im Impfzentrum dauerhaft an sieben Tagen von 10 bis 20 Uhr aufrecht erhalten werden kann. Inzwischen gibt es alternativ Angebote, sich ohne Voranmeldung spontan impfen zu lassen - im Kreisimpfzentrum oder in einem Impfbus, der zentrale Orte in der Stadt ansteuert. Die Impfquote in der Region liegt immer noch unter dem Landesdurchschnitt. Besonders niedrig ist sie laut Zahlen der Landesregierung in Heilbronn mit 40,6. Im Landkreis liegt sie mit 43,4 etwas darüber, in Hohenlohe bei 44,7. Spitzenreiter ist Baden-Baden mit 53,8.


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Michael Schwarz

Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

Valerie Blass

Valerie Blass

Autorin

Valerie Blass ist Autorin im Politik-Team. Ihr besonderes Interesse gilt Themen aus dem Bereich Gesundheit.

Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.

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