Zweite Bronzeskulptur am Wartberg gestohlen

Heilbronn  Nun ist auch der „Fassträger“ weg: Die Polizei hält das Vorgehen einer spezialisierten Bande für möglich. Wie geht es mit der Kunstausstellung am Weinpanoramaweg weiter?

Von Carsten Friese

Neue Hiobsbotschaft für Weingärtner, Verkehrsverein und städtische Museen in Heilbronn: Wie die Stimme am Mittwoch erfuhr, haben unbekannte Metalldiebe mit Gewalt eine zweite Bronzeskulptur am Weinpanoramaweg gestohlen. Die Skulptur „Fassträger“ des Künstlers Karl-Henning Seemann, die prominent am Wasserhochbehälter am Wartberg platziert war, ist ebenso wie der „Große Bedrohte“ verschwunden. Nur noch ein Stumpf und markante Bruchkanten waren am Morgen von dem Kunstwerk noch zu sehen. Die Tat ähnelt im Vorgehen dem ersten bekannt gewordenen Skulpturendiebstahl des Bedrohten. Aufgrund des örtlichen und zeitlichen Zusammenhangs geht die Polizei davon aus, dass die beiden Taten miteinander in Verbindung stehen.

„Das ist für uns ein Schlag ins Kontor“, reagiert Heilbronn-Marketing-Geschäftsführer Steffen Schoch auf die zweite Diebstahlnachricht. Damit seien die zwei schönsten Skulpturen der elfteiligen Freiluftausstellung weg. Man habe zudem gerade damit begonnen, den Weinpanoramaweg aufzuwerten, hatte Ideen für weitere Skulpturen. Mit den Städtischen Museen müsse der Verkehrsverein nun besprechen, wie es weitergehe.

60 Kilo Gewicht, Wert von mehreren tausend Euro

Das ist alles, was vom "Fassträger" noch übrig ist.  

Die Fassträger-Skulptur „hat dort optimal hingepasst“, ärgert sich Museumsleiter Dr. Marc Gundel über den nächsten Diebstahl. Er findet es einfach schade, dass durch das Vorgehen der Täter „eine so tolle Idee“ zerfasert wird. Mit einigen tausend Euro beziffert der Museumsleiter den Materialwert der zweiten Skulptur. War die erste noch rund 180 Kilo schwer, wog die zweite rund 60 Kilo. Sie zeigte einen gebückten Menschen mit einem Weinfass auf dem Rücken und ist nach Angaben der Polizei rund 15.000 Euro wert.

Die Polizei hält es für möglich, dass die Taten von denselben Tätern begangen wurden. Dafür spricht, dass ein Spaziergänger am Dienstagabend das Fehlen der zweiten Skulptur meldete. Bei der ersten muss der Diebstahl in der Nacht zum Dienstag erfolgt sein – eine weitere Nacht stand für die Tat nicht zur Verfügung.

Polizei verweist auf konstant hohe Fallzahlen von Metalldiebstählen

Wie Polizeisprecher Frank Belz auf Anfrage mitteilte, könnten die Taten auf das Konto von ausländischen Banden gehen, die sich auf Metalldiebstahl spezialisiert haben. Seit Jahren seien Fallzahlen relativ hoch, im Vorjahr hätten Täter im Raum Mosbach sogar ganze Lkw-Container mit Schrott gestohlen.
 


Auch die zweite Skulptur ist nach Angaben von Museumsleiter Marc Gundel versichert. Ob man jetzt eventuell mit Überwachungskameras arbeiten sollte, kann er noch nicht sagen. Es komme auch auf die Verhältnismäßigkeit an. Bei steinernen Skulpturen, von denen einige am Weinpanoramaweg stehen, sieht er keine große Gefahr. Weil diese viel schwerer seien, man für den Abtransport schon einen Kran brauche und der Materialwert geringer sei.

Polizei sucht Zeugen

Wem am Montag oder Dienstag am Heilbronner Weinpanoramaweg verdächtige Personen oder ein Fahrzeug aufgefallen sind, der meldet sich telefonisch unter 07131/104-2500 beim Polizeirevier Heilbronn. Auch Hinweise zu größeren Mengen Bronze, die zum Verkauf angeboten werden, oder sonstige Hinweise auf den Verbleib der Skulpturen und Diebe nimmt die Polizei unter dieser Nummer entgegen.