Zwei neue Brücken für die Radautobahn

Region  Die Trasse für den Radschnellweg zwischen Bad Wimpfen und Heilbronn-Neckargartach steht fest. Wenn das Baurecht 2020 erlangt wird, könnte die Radautobahn im Jahr 2021 gebaut werden.

Von Patricia Okrafka
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So könnte die neue Brücke für Radfahrer an der Neckarsulmer Wehrbrücke aussehen: Dadurch soll eine Kreuzung mit dem Autoverkehr vermeiden werden. Ist der Neckar erstmal überquert, geht es dank einer Unterführung unter der L1100 hindurch.

Visualisierungen: Regierungspräsidium Stuttgart

Der Mobilitätspakt sieht den Ausbau eines Radschnellwegs zwischen Bad Wimpfen und Heilbronn vor. Die Hoffnung: Dadurch sollen mehr Menschen aufs Rad steigen, um zur Arbeit zu kommen. Nicole Brucker, Leiterin für Landschaftsplanung beim Regierungspräsidium Stuttgart, hat am Dienstagabend im Audi-Forum das Konzept vorgestellt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die geplante Radautobahn.

Was sind Radschnellverbindungen?

Radschnellverbindungen sind mehr als fünf Kilometer lang, mindestens vier Meter breit und sozusagen "Autobahnen" für täglich mehr als 2500 Radfahrer. Bislang sind zwischen Bad Wimpfen und Heilbronn unter der Woche 500 bis 800 und wochenends mehr als 1200 Radfahrer unterwegs. Wenige Kreuzungen, ein belastbarer Belag sowie hohe Anforderungen an Winterdienst und Beleuchtung machen ihn aus. Radler sollen außerorts nicht länger als 15 und innerorts nicht länger als 30 Sekunden an Kreuzungen warten müssen.

Überholen und nebeneinander herfahren beim Durchschnittstempo von 20 Kilometern pro Stunde ist dank der Mindestbreite möglich. Um die Sicherheit zu gewährleisten, wird auf Poller und Schachtdeckel verzichtet. Das Land ist Bauherr und Baulastträger. Dadurch werden Kommunen finanziell entlastet, denn je Kilometer Radschnellverbindung fallen 0,5 bis eine Million Euro Baukosten an.

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Wo entstehen aktuell solche Verbindungen?

Das Land Baden-Württemberg plant derzeit drei Pilotprojekte: Zwischen Heidelberg und Mannheim, Esslingen und Stuttgart sowie Bad Wimpfen und Heilbronn sollen Radschnellverbindungen entstehen. Das Land ist erstmals Baulastträger der drei neuen Trassen und damit für die Realisierung zuständig.

Wer dient als Vorbild?

Die Akteure des Mobilitätspakts nehmen die Niederlande als Vorbild für den Radschnellweg. "Sie zeigen, dass hochwertige Infrastrukturen viele Pendler zum Umstieg aufs Fahrrad bewegen können", sagt Wilfried Hajek, Baubürgermeister der Stadt Heilbronn. Mit dem Projekt werde Stau vermieden, individuelle Mobilität bewahrt und das Klima geschützt, erklärt Hajek.

Was ist der konkrete Planungsstand?

Zwei neue Brücken für die Radautobahn

Im Zuge des Mobilitätspakts wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt. Es wurden drei Nord-Süd-Trassen untersucht. Entschieden hat man sich für die Route entlang des Neckarkanals vorbei an Untereisesheim. "Hier wurde das größte Potenzial für einen Radschnellweg gesehen", sagt Brucker. Bestehende Wege und deren Belagszustand, Querschnitte und Steigungen flossen in die Analyse mit ein. Zudem hat man Fragen geklärt wie: Sind Schulen und Gewerbegebiete gut erreichbar? Wie viele Radfahrer nutzen vorhandene Wege?

Berufspendler und Freizeitfahrer sollen sich den Weg künftig teilen. Die Trasse entlang der B27 sei deshalb ungeeignet für einen Radschnellweg, weil der Autoverkehr an zu vielen Stellen gekreuzt wird. Die ausgewählte Strecke ist zwei Kilometer kürzer. Das Regierungspräsidium plant nun den 9,5 Kilometer langen Weg von Bad Wimpfen nach Heilbronn-Neckargartach.

Wo gibt es kritische Punkte und was ist an diesen Stellen geplant?

Der Radschnellweg beginnt in Bad Wimpfen unterhalb der Bahnbrücke. An der Nordspitze der Neckarinsel, am Yachthafen, kreuzen Pendler den Neckar-Altarm mit einer neuen Radbrücke. Sie soll fünf Meter hoch sein. "Damit sie nicht überschwemmt wird", sagt Brucker. Danach geht es weiter bis zur Neckarsulmer Wehrbrücke. Auch hier entsteht eine neue Brücke für Radfahrer. Diese könnten dann, dank einer Unterführung, die L1101 queren. Dann geht es weiter nach Heilbronn unter dem neuen Neckartalübergang hindurch bis nach Neckargartach, wo der Bauabschnitt beim Durchlass an der L1100 endet.

Wo wird ausgebaut, wo wird neu gebaut?

Zwei neue Brücken für die Radautobahn

An der Nordspitze der Neckarinsel - am Yachthafen - entsteht eine weitere Radbrücke, damit Radfahrer über den Neckar-Altarm kommen. Sie soll, wie der zweite Neubau, fünf Meter hoch werden.

Zwischen Bad Wimpfen und der neuen Brücke am Yachthafen soll der vorhandene Radweg auf vier Meter ausgebaut werden. Ein Streifen trennt diesen vom 2,5 Meter breiten Fußweg. "Auf der Neckarinsel haben wir einen geringen Fußgängeranteil", sagt Nicole Brucker. Das mache eine Breite des Wegs von nur fünf Metern an dieser Stelle möglich. Hier wird es Mischverkehr geben, sprich: Landwirtschaftliche Fahrzeuge und Radfahrer teilen sich diesen Abschnitt. Brucker betont, dass dies jedoch sehr selten der Fall sein wird.

Nach der Neckarsulmer Wehrbrücke ist der Radschnellweg erneut voll ausgebaut auf 6,5 Meter. Allerdings soll ab der A6-Brücke der bestehende Radweg am Neckar entlang als Fußweg genutzt werden. Der neue Radweg soll dann abseits vom Fluss verlaufen und vier Meter breit sein.


Wie geht es weiter?

Für Bürger wird es ab 5. April eine Online-Umfrage zum Radschnellweg geben. In dieser werden verschiedene mögliche Trassen vorgestellt, insgesamt fünf Zubringertrassen gelten für die Planer als attraktiv:

„Obersulm – Weinsberg – Erlenbach – Neckarsulm – Obereisesheim “ 

„Obersulm – Weinsberg – Heilbronn“

„Heilbronn – Leingarten – Schwaigern“

„Bad Wimpfen – Offenau – Gundelsheim“

„Heilbronn-Klingenberg / -Horkheim – Lauffen am Neckar“ 

Die Kommunen und der Landkreis wollen beispielsweise wissen, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Trassen aus Sicht der Bürger haben, welche Trasse sie persönlich wählen würden oder ob sie eine ganz andere Strecke zum Pendeln nutzen würden. Die Online-Umfrage dauert bis zum 3. Mai.

Danach wird geprüft, wie Zubringer aussehen könnten. Die Vorplanung ist fast fertig. Vor Abschluss soll es im Sommer eine zusätzliche Informationsveranstaltung geben. Im Herbst könnte dann der Entwurf stehen. "Ein weiteres Jahr wird es dauern, das Baurecht zu erlangen", sagt Brucker. Baubeginn könnte im Jahr 2021 sein.

 

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