Zwei Staatssekretärinnen zu Besuch in Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau

Weinsberg  Friedlinde Gurr-Hirsch und Gisela Splett haben die Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg besucht. Vor allem der Klimawandel und der Umgang mit Pflanzenschutzmitteln kamen zur Sprache.

Von Bigna Fink
Domänen im Klimawandel
Franz Rueß (LVWO) zeigt den Staatssekretärinnen Gisela Splett (r.) und Friedlinde Gurr-Hirsch Kiwibeeren im Obstversuchsgut Heuchlingen. Foto: Ralf Seidel

"Kiwibeeren-Koalition könnte man unsere Regierung auch nennen" meint scherzhaft Finanzstaatssekretärin Gisela Splett (Grüne). Die Kiwibeeren sind eine Art Mini-Kiwis. Soeben hat ihr Franz Rueß, Leiter des Referats Obstbau bei der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) Weinsberg, die grünen Beeren mit schwarzen Samen und viel Vitamin C gezeigt.

Zusammen mit der Untergruppenbacherin Friedlinde Gurr-Hirsch, CDU-Staatssekretärin für Landwirtschaft, besucht Splett an diesem Hochsommertag die Obstversuchsanstalt Heuchlingen. Es ist die letzte Station ihres Besuchs der LVWO. Zuvor hatten die beiden Landespolitikerinnen das staatliche Weingut Burg Wildeck in Abstatt und das Weinversuchsgut Gundelsheim angeschaut.

Im Ländle gibt es 58 nachhaltig bewirtschaftete Staatsbesitztümer

Seit ein paar Jahren machen sich Friedlinde Gurr-Hirsch und Gisela Splett ein Bild von den 58 Staatsdomänen, den größeren landwirtschaftlichen Besitztümern des Landes. Neben Immobilien und Unternehmensanteilen umfasst das Vermögen des Landes Baden-Württembergs nämlich auch die zahlreichen Domänen. 29 von ihnen betreibe das Land, die andere Hälfte sei privat verpachtet, erklärt Splett.

Für Gurr-Hirsch sind die Staatsdomänen vor allem auch "für die landwirtschaftliche Bildung und Forschung unabdingbar". Splett fügt hinzu: "Wir wollen die Domänen im Blick behalten." Wichtige Themen seien Biodiversität und ökologische Aufwertung.

Lange fanden laut der Finanzstaatssekretärin die nachhaltig bewirtschafteten Staatsgüter wenig Beachtung. "Es gab bis vor kurzem nicht einmal eine Karte der Liegenschaften." Anhand ihrer Besuche erstellen die Staatssekretärinnen Steckbriefe der Staatsdomänen.

Die laut Splett jeweils sehr unterschiedlichen Domänen kämen um ein Thema nicht herum: den Klimawandel. "Die effiziente Tröpfchenbewässerung ist in klimaverändernden Zeiten sehr wichtig," sagt Gurr-Hirsch und spricht die Trockenheit an, die den Obst- und Weinbauern in den vergangenen Jahren zu schaffen machte.

Pflanzenschutzmittel sollen so umweltschonend wie möglich eingesetzt werden

Die Gruppe spricht viel über den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln. Aktuell wurde das Volksbegehren "Rettet die Bienen" im Land zugelassen, das deutlich weniger Pestizideinsatz fordert.

"Bei uns ist das Thema eine riesige Diskussion", sagt der Leiter der LVWO, Dieter Blankenhorn, und erklärt: "Pflanzenschutz ist für die Landwirtschaft weiterhin notwendig, aber wir möchten ihn so umweltschonend wie möglich einsetzen. Wir experimentieren mit innovativen Methoden. Etwa mit Drohnen, die viel gezielter als Hubschrauber spritzen können."

Zum Schluss geht es an die Weinverkostung 

Der Genuss kommt bei dem Besuch nicht zu kurz: Draußen vor der Burg Wildeck kosten Splett und Gurr-Hirsch den gleichnamigen Riesling des Staatsweinguts Weinsberg. 16 Kilometer entfernt im Weinversuchsgut Gundelsheim steigt die Gruppe zahlreiche Weinbergtreppchen hundert Höhenmeter hinauf, an Trockenmauern vorbei, wo sich Eidechsen und Salamander wohlfühlen.

Auf die Delegation wartet ein Spätburgunder Himmelreich für 28 Euro die Flasche. "Einer unserer wertvollsten Tropfen," sagt Blankenhorn. "Die Steilhänge sind sehr arbeitsintensiv." Während Flachlagen um die 300 Arbeitsstunden benötigen, beanspruchen Steillagen wie das Gundelsheimer Himmelreich um die 1500 Arbeitsstunden, begründet er den Preis.


Kommentar hinzufügen