Zukunft der Heilbronner City: "Keine einfachen Lösungen"

Heilbronn  Handel und Gastro üben den Schulterschluss, Heilbronn wird attraktiver für junge Leute, das Sicherheitsgefühl wird gestärkt: Das sind nach Überzeugung der Teilnehmer am Stimme-Online-Forum zentrale Punkte für die Zukunft der City. Einiges hat sich getan, aber es bleibt viel Luft nach oben, so der Tenor.

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Warum Heilbronn? Diese Frage kann Celia Dyzmann gar nicht so leicht beantworten. Aus Lüneburg kam sie in die Stadt, studierte Tourismusmanagement, jobbt derzeit in der Gastronomie. „Das Angebot für junge Leute“, formuliert es Dyzmann diplomatisch, „war recht intransparent.“ Jetzt, fünf Jahre später, stellt Dyzmann ihrer Wahlheimat ein ordentliches Zeugnis aus. „Die Neckarmeile ist positiv, am Rathaus gibt es interessante Lokale.“ Trotzdem gibt es aus ihrer Sicht zu viel System- und zu wenig Individualgastronomie. „Es fehlt auch an öffentlichen Orten, um zu verweilen“, kritisierte sie in der Runde, die von den Stimme-Redakteuren Tanja Ochs und Thomas Zimmermann moderiert wurde.

Das Online-Forum wurde am Dienstag (27. Juli) live übertragen. Hier geht es zur Videoaufzeichnung.

Nachholbedarf bei Angeboten für junge Leute 

Mehr Angebote für junge Menschen, „die Software für Studenten“, wie es Thomas Aurich nennt. Das ist für den Gastronomen und Vorstandsvorsitzenden der Stadtinitiative ein zentraler Punkt. Er kann sich etwa eine Surfwelle am Wasser nach Münchner Vorbild vorstellen.

Die Corona-Delle sei für den Handel längst nicht überwunden, betonte Johannes Nölscher vom Schuhhaus Kaufmann. Noch immer hinken die Umsätze 30 Prozent hinter dem Vorjahr zurück. „Die Prognose ist nicht besonders rosig“, so der Co-Vorstandschef der Stadtinitiative. Die Neckarmeile habe den Handel beflügelt, so Nölscher. Als die Gastro noch geschlossen war und der Handel auf, war die Frequenz mau. „Der Handel“, ist er überzeugt, „wird sich neu erfinden müssen.“ Wie genau die City der Zukunft aussehen muss, sei aber mit vielen Fragezeichen behaftet. Es gehe aber nur „mit Handel und Gastro im Schulterschluss“.

Objektive Sicherheit und subjektives Empfinden 

Heilbronn locke immer mehr Studenten, entsprechende Angebote gebe es. Die Entwicklung brauche aber auch Zeit, ist OB Harry Mergel überzeugt. „Wir können die Dinge nicht aufsetzen.“  Heilbronn habe in punkto Sicherheit und Sauberkeit „dieselben Probleme wie alle anderen Großstädte auch“. Es werde „keine paradiesischen Zustände“ geben. Mehr Selbstbewusstsein stünde der Stadt aber gut zu Gesicht, so Mergel: „Wir haben ein attraktives Einzelhandelsangebot.“ Auch sei Heilbronn „objektiv die sicherste Großstadt im Land“. Die subjektive Wahrnehmung sei aber mitunter eine andere. Das zu ändern ist für den OB auch eine Aufgabe des Stadtmarketings.

"Klare Kante" gegen Müllsünder und mehr Polizeipräsenz

„Klare Kante“ gegen Müllsünder, mehr Präsenz des kommunalen Ordnungsdienstes – das wünscht sich Thomas Aurich, der für die CDU dem Gemeinderat angehört. In anderen Städten sie auch die Polizei präsenter. „Ich glaube, da müssen wir aufrüsten.“

Für die Belebung der Innenstädte gebe es „keine einfachen Lösungen“, ist sich Harry Mergel sicher. Alle müssten zusammenarbeiten.

Celia Dyzmann hat keine Pläne, der Stadt nach fünf Jahren den Rücken zu kehren. Sie kann sich vorstellen, selbst in der Gastronomie aktiv zu werden.

Schub durch KI-Campus und andere Entwicklungen

Begeistert zeigten sich Nölscher und Aurich davon, dass Heilbronn just am Tag der Diskussion den Zuschlag für den Innovationspark künstliche Intelligenz bekommen hat. Wissenschaft und Wirtschaft bedeuteten einen Schub, neues Publikum werde angelockt, freut sich Johannes Nölscher: "Da wollen wir eine attraktive Innenstadt bieten."


Hettich

Alexander Hettich

Stellvertretender Leiter der Regionalredaktion

Alexander Hettich ist stellvertretender Leiter der Regionalredaktion. Er arbeitet seit 2003 bei der Heilbronner Stimme, berichtet über Verkehrsthemen, über Kommunalpolitik und Heilbronn.

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