Zu wenig Budget: Schulen sind auf Elternbeiträge angewiesen

Region  Lernmittel müssen den Schülern in Baden-Württemberg laut Gesetz kostenfrei zur Verfügung stehen, doch das Budget der Schulen reicht oft nicht dafür aus. Deshalb zahlen Eltern zu.

Von Tanja Ochs

Schulen sind auf Elternbeiträge angewiesen

Schulbücher werden aus dem Budget gezahlt, doch für Arbeitshefte reicht das meisten nicht. Foto:contrastwerkstatt/stock.adobe.com

In diesem Jahr hat Jil Schiefer nicht gezahlt. "Aus Prinzip", sagt die Mutter eines Achtklässlers. Wie alle Eltern von schulpflichtigen Kindern hat die Heilbronnerin zu Beginn des Schuljahres ein Schreiben erhalten, in dem die Schule sie aufgefordert hat, Arbeitshefte zu bezahlen. Zu Unrecht, wie sie findet. "Schulen sollten sich ans Gesetz halten", fordert Jil Schiefer.

Das besagt in Baden-Württemberg: "Unterricht und Lernmittel an den öffentlichen Schulen sind unentgeltlich." Der Schulträger habe den Schülern "alle notwendigen Lernmittel mit Ausnahme von Gegenständen geringen Werts leihweise zu überlassen". Laut Lernmittelverordnung müssen "Lern- und Arbeitsmaterialien, Ganzschriften und Arbeitshefte" zur Verfügung stehen.

Trotzdem ist es vor allem an weiterführenden Schulen üblich, dass Eltern einen Eigenanteil für Arbeitshefte übernehmen, in die Schüler dann reinschreiben. Doch das müsse "in Absprache mit Schulen und Eltern" geschehen, betont das Kultusministerium.

Belastung für Familien ist groß

"Es ist eine Gratwanderung zwischen Schulbudget und Belastbarkeit der Eltern", weiß Eric Sohnle, Schulleiter der Michael-Beheim-Gemeinschaftsschule in Obersulm. Je nach Klasse werden dort zwischen 20 und 35 Euro pro Kind für so genannte Verbauchsmaterialien fällig. "Uns ist bewusst, dass es für manche Familien eine große Belastung ist", sagt Sohnle. Es gebe immer wieder Eltern, die das signalisieren, aber in diesem Jahr sei deren Anteil besonders hoch.

Unterstützung kann beispielsweise der Förderverein gewähren, aber auch im Jobcenter könne man solche Kosten geltend machen. Sohnle will den Betrag in seiner Schule im kommenden Schuljahr reduzieren: "Es ist geplant, dass der Schulträger künftig mehr übernimmt." Trotzdem sei man auf Mithilfe der Eltern angewiesen, denn das Budget ist begrenzt.

Nach einem Jahr verschlissen

Auch die Stadt Heilbronn stellt ihren Schulen abhängig von Schüler- und Klassenzahlen jeweils einen Topf zur Verfügung, aus dem Lernmittel, aber auch Unterrichtsmaterial, EDV-Bedarf und andere Geräte beschafft werden müssen. "Über die Mittelverwendung entscheidet die Schulleitung eigenverantwortlich", sagt Karin Schüttler, Leiterin des Schul-, Kultur- und Sportamtes.

Schulen könnten auch Arbeitshefte kaufen und ausleihen. Sie könnten so verwendet werden, "dass diese weitergegeben werden können", heißt es im Rathaus. In der Praxis seien allerdings selbst Schulbücher oft schon nach einem Jahr verschlissen, sagt Eric Sohnle. "Bücher, die nichts kosten, werden oft nicht wertgeschätzt", vermutet er.

Mit dem Elternbeirat abgesprochen

Auch in Eppingen, dem größten Schulstandort des Landkreises, werden Eltern gebeten, fünf Euro pro Arbeitsheft sowie für den Taschenrechner ihres Kindes zu zahlen. Um die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, habe man das mit dem Elternbeirat abgesprochen und ein entsprechendes Schreiben aufgesetzt, erklärt Uwe Wittwer-Gärttner, Schulleiter des Hartmanni-Gymnasiums. Nur etwa fünf Prozent der Eltern sei nicht bereit, sich an den Kosten zu beteiligen.

Die "Mischfinanzierung" sei wichtig für den Schulstandort, sagt der Direktor. Denn die Ausstattung der Fachräume, die Digitalisierung und auch der neue Bildungsplan machen sich mit steigenden Kosten bemerkbar. "Wir müssen maßhalten", weiß Wittwer-Gärttner. Die Beiträge der Eltern fließen in den Haushalt seiner Schule zurück. "Das hilft uns."

Jil Schiefer sagt, sie sei von der Schule ihres Sohnes nicht über die Freiwilligkeit ihrer Zahlung aufgeklärt worden. Als Elternbeiratsmitglied habe sie schon im vergangenen Schuljahr das Gymnasium darum gebeten, die Eltern über das Gesetz aufzuklären. "Das kann doch nicht so schwer sein", sagt die Mutter. Ihr Sohn hat das Englisch-Workbook inzwischen von der Schule bekommen. Kostenlos.