Zirkusfamilie bangt nach Unwetterschäden um ihre Existenz

Neckarsulm  Sturm, Gewitter und starker Regen zerstörten am Freitagabend das Hab und Gut der Zirkusfamilie Carl Althoff, der in Neckarsulm gastiert. Wie es mit dem Familienbetrieb weitergeht, ist noch völlig offen.

Von Heike Kinkopf
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Zirkusfamilie bangt nach Unwetterschäden um ihre Existenz
Wie es mit dem Familienbetrieb weitergeht, ist noch völlig offen. Foto: Heike Kinkopf

Das Unwetter am späten Freitagabend trifft den Zirkus Carl Althoff, der in Neckarsulm gastiert, bis ins Mark. Das Pferd Phönix überlebt den Sturm nicht. Die Zirkusfamilie steht vor dem Aus. Sturm, Gewitter und starker Regen zerstören Hab und Gut.

Joanna Weisheit ringt um Fassung. Was in der Nacht über die Zirkusfamilie hereinbrach, ist für die 30-Jährige auch am Samstagmorgen kaum zu begreifen. „Es war ein Riesendurcheinander“, sagt sie. Weisheit gehört zur Direktion des Zirkus‘. Ihr zufolge geht am Freitagabend alles blitzschnell. Der Sturm, das Gewitter, der Starkregen, die Tiere. Mittendrin Weisheit und eine Handvoll Mitarbeiter, die versuchen zu retten, was zu retten ist. „Es ist alles geflogen“, erzählt sie.

Auf dem Stoppelfeld in der Nähe des Neckarsulmer Gewerbegebiets am Stiftsberg hat die Zirkusfamilie ihre Zelte aufgeschlagen. Seit einer Woche präsentiert sie dort ihre Show. Etwa 30 Tiere gehören zum Zirkus Althoff. Kamele, Pferde, Esel, Ponys, Lamas, Ziegen, Hunde. 

Zirkusfamilie bangt nach Unwetterschäden um ihre Existenz
Auf dem Stoppelfeld in der Nähe des Neckarsulmer Gewerbegebiets am Stiftsberg hat die Zirkusfamilie ihre Zelte aufgeschlagen. Foto: Heike Kinkopf

Pferd musste wegen Beinbruch eingeschläfert werden

Das Unwetter fegt in der Nacht zum Samstag alles hinweg. Joanna Weisheit schildert:  Das Zelt, in dem die Tiere untergebracht sind, fliegt davon. Artisten fliehen aus ihren Wohnwagen ins Freie. Ein Anhänger kippt um. Alles bricht zusammen. Der Strom fällt aus, es ist stockdunkel. Die Tiere nehmen Reißaus aufs Feld. „Wir mussten sie bändigen“, sagt sie. Dies sei rasch gelungen.

Ein Pferd allerdings fehlt. Weisheits Schwiegervater entdeckt das zitternde Tier und weiß sofort, dass etwas nicht stimmt. Ein Tierarzt aus Bad Friedrichshall wird hinzugerufen. Ein Bein sei gleich zwei Mal gebrochen, erzählt Weisheit. „Es hatte Schmerzen.“ Der Tierarzt schläfert es ein.

Die Existenz der Zirkusfamilie ist bedroht

Wie es mit dem Familienbetrieb weitergeht, ist noch völlig offen. Bei Tageslicht bietet der Zirkusplatz ein trostloses Bild. Zerrissene Fahnen hängen kraftlos im Wind. Der Metallzaun mit den geschwungenen Ornamenten, der das Gelände umschließt, liegt am Boden. Das Zelt, in dem die Artisten sonst ihre Nummern vorführen, steht. Zeltwände und Kuppel jedoch sind stark beschädigt.

Etwa 15 Mitarbeiter zählt der Betrieb, dazu kommen Artisten, die für die Show engagiert worden sind. „Wir hatten eine Tournee geplant, die durch ganz Deutschland führt“, sagt Weisheit. Die nächste Station sollte Sulzbach an der Murr sein. „Aber was sollen wir da?“, fragt die 30-Jährige. An Auftritte ist nicht einmal zu denken. „Wir mussten zugucken, wie unser Leben zerstört wurde“, fasst Weisheit ihre Gefühlslage zusammen. 

 

Karten können zurückgegeben werden

Die Artisten suchen nun eine vorläufige Bleibe. „Vielleicht eine leere Halle oder ein alter Bauernhof“, hofft Weisheit. Wer helfen möchte, solle sich unter der Nummer 0163 4626839 an sie wenden. Wer Karten für eine Vorstellung gekauft habe, könne diese an der Kasse zurückgeben.

Zehn von zwölf Monaten im Jahr ist Zirkus Carl Althoff gewöhnlich auf Tour. Nach dem Unwetter ist alles anders. „Ich weiß nicht, was wir machen“, sagt Weisheit. „Wir wissen grad gar nichts.“         


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