Zirkus ohne Tiere ist für Tiertrainerin undenkbar

Heilbronn  Für Hunde- und Pferdetrainerin Rosi Hochegger im Heilbronner Weihnachtszirkus ist die Manege ohne Tiere undenkbar. Im Interview spricht sie darüber, welchen Stellenwert Tiere haben.

Von Bärbel Kistner

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Springfreudig und agil: Hunde der Rasse Australian Sheperd haben Freude an der Bewegung in der Zirkusmanege.

Foto: Andreas Veigel

Mit 15 Hunden und vier Pferden sind Rosi Hochegger und ihr Partner Andrei Bocancea bis zum 6. Januar im Heilbronner Weihnachtszirkus zu sehen. Für Artisten mit Tiernummern gibt es jedoch immer weniger Auftrittsmöglichkeiten.

Welche Bedeutung haben Tiere für den Zirkus?

Rosi Hochegger: Tiere haben nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert und gehören zum Zirkus dazu. Ohne Tiere ist es kein Zirkus, sondern höchstens Varieté oder Theater. Auch Wildtiere sind für mich ein fester Bestandteil vom Zirkus. Martin Lacey, der schon in Heilbronn war, hat seine Löwen und Tiger bereits in der zwölften Generation.
 

Die Haltung von Zirkustieren ist ein Streitpunkt. Zu Recht?

Hochegger: Nein. Das Thema artgerechte Haltung muss man viel breiter diskutieren und kann es nicht auf den Zirkus reduzieren. Einen agilen Border Collie oder eine Deutsche Dogge in einer kleinen Wohnung zu halten, ist nicht artgerecht. Hunde einzeln zu halten, entspricht den Tieren ebenfalls nicht. Der Mensch kann als Bezugsperson das Rudel nicht ersetzen. Und: In anderen Bereichen, etwa der Schweinemast, wird schlechte Haltung einfach akzeptiert.
 

Warum geht es Ihren Tieren besonders gut?

Hochegger: Meine Pferde fühlen sich wohl, weil sie beschäftigt werden und wir uns gut um sie kümmern. Die Hunde sind im Rudel sehr aktiv und können den ganzen Tag spielen. Auf die Arbeit in der Manege sind sie ganz heiß, ihre Tricks machen sie liebend gerne. Und sie wollen im Alter auch nicht aufhören. Einen Hund in Rente zu schicken, ist ein Drama. Es dauert Wochen, bis er sich daran gewöhnt hat, nicht mehr mit in die Manege zu dürfen.
 

Das Wildtierverbot hat die Zirkuswelt verändert. Sind Hunde und Pferde ein Ersatz für Raubkatzen und Elefanten?

Hochegger: Tiger und Löwen sind natürlich imposanter. Hunde lösen nicht diesen Aha-Effekt aus. Ich denke, nur eine Minderheit, die alle anderen übertönt, möchte keine Raubkatzen oder Elefanten mehr sehen. Ich hoffe nicht, dass für alle Tiernummern das Aus kommt und damit unsere Arbeitsplätze in Gefahr wären. Kritiker sollten sich mit uns Tierlehrern unterhalten und sich das Ganze aus der Nähe anschauen.
 

Was charakterisiert einen guten Zirkushund?

Hochegger: Ob ein Tier geeignet ist, sehe ich bereits im Welpenalter. Ein Hund, der im Zirkus auftritt, muss verspielt und mutig sein und muss Geräusche aushalten. Meine Tiere sind wesensfest und abgeklärt, sie wachsen mit Licht und Musik in der Manege auf. Trotzdem reagieren meine Hunde auf die Böllerei an Silvester mit sehr viel Angst.
 

Sind Zirkushunde besonders schlau?

Hochegger: Für mich gibt es keine dummen Hunde. Manche Tiere sind aber einfacher zu trainieren. Border Collie und Australian Sheperd lernen von alleine, andere Rassen brauchen länger. Je mehr man einem Hund beibringt, desto ausgebildeter wird sein Gehirn und desto schlauer wird das Tier. Belohnung spielt im Training eine große Rolle.
 

Vertragen sich Ihre Vierbeiner?

Hochegger: Es gibt Hunde, sie sich nicht mögen. Wie beim Menschen gibt es Sympathien und Antipathien. Auch sprechen die zehn Rassen verschiedene Sprachen. Ein Border Collie ist oft aufgedreht, der Barsoi, ein russischer Windhund, mag eher seine Ruhe. Streitereien bleiben nicht aus, manchmal muss ich sogar dazwischen gehen.
 

Gibt es einen Chef im Rudel?

Hochegger: Der Alaskan Malamute war lange Jahre der Chef. Inzwischen ist er alt und wurde aus der Rolle gedrängt. Das ist vergleichbar mit Wölfen, dort werden die Schwachen ebenfalls ausgegliedert. Ein Border Collie namens Dakota ist der neue Boss im Rudel. Er darf als Erster fressen und seinen Schlafplatz wählen, die anderen putzen ihm die Schnauze. Er sorgt jetzt bei Raufereien für Ordnung.
 

Haben Sie einen Liebling?

Hochegger: Ich bin tatsächlich mehr der Pferdetyp. Zu meinen 15 Hunden habe ich dennoch eine enge Bindung. Sie werden ausgiebig gestreichelt und jeden Tag mindestens zwei Mal gebürstet, aber sie werden nicht dauernd gehätschelt und geknuddelt.
 

Zur Person

Rosi Hochegger ist Österreicherin und stammt aus einer Zirkusfamilie. Sie repräsentiert die dritte Generation. Die Nummer mit dem Pferd, das sich ins Bett legt, wird bereits seit 50 Jahren von den Hocheggers gezeigt. Rosi Hochegger war zudem unter anderem auch als Stuntgirl und Trickreiterin bei den Karl-May-Festspielen in Elspe engagiert. Andrei Bocancea ist in Moldawien geboren. Er kommt aus dem Leistungsturnen. Im Weihnachtszirkus ist er zudem bei der Reiternummer eingesprungen.

 

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