Zahlreiche Lehrer wollen die Region verlassen

Heilbronn  Die Region ist bei Junglehrern traditionell nicht beliebt. Das Schulamt in Heilbronn prüft genau, wer wechseln darf. Unterdessen sorgt der milde Winter für wenig Unterrichtsausfälle.

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Zahlreiche Lehrer wollen die Region verlassen

Kein Lehrer, keine Schüler: In diesem Jahr bleiben die Schulen in der Stadt Heilbronn und im Landkreis von einer Krankheitswelle verschont.

Foto: peshkov/stock.adobe.com

Milder Winter, gesunde Lehrer: Anders als in Vorjahren ist in den zurückliegenden Wochen kaum Unterricht wegen erkälteter Lehrer ausgefallen. Die Verantwortlichen führen das unter anderem auf die Temperaturen zurück. Unterdessen machen dem Schulamt in Heilbronn, das für alle Schulen außer den Gymnasien zuständig ist, die Versetzungsanträge Sorgen.

"Die Personaldecke ist dünn", sagt Markus Wenz, der das staatliche Schulamt leitet. Das dürfte trotz der Lehreroffensive seitens des Landes vermutlich erst einmal so bleiben, denn bei Lehrern zählt die Region traditionell nicht zu beliebtesten. Das merkt das Schulamt zurzeit besonders: Es gebe mehr Versetzungsanträge aus der Region hinaus, als sich Lehrer hineinbewerben. "Wir müssen schon gut überlegen, wen wir gehen lassen können", betont Markus Wenz.

Die Lehrer ziehe es vor allem in die Regionen Karlsruhe, Heidelberg oder Mannheim. Für den Schulamtschef kommt diese Bewegung nicht überraschend: Dort bekämen Junglehrer nach dem Studium kaum eine feste Stelle. Sie wechseln stattdessen in den Raum Heilbronn, den sie gut über die A6 und die Stadtbahn erreichen können. Nicht jeder zieht aber auch hierher, und nach einiger Zeit stellen viele einen Versetzungsantrag.

Die Stellen-Ausschreibung fürs kommende Schuljahr beginnt

Das Schulamt hat damit begonnen, Lehrer fürs nächste Schuljahr zu gewinnen. Eine erste Ausschreibungsrunde ist abgeschlossen. Tendenz: "Es zeichnet sich ab, dass es mehr Stellen als Bewerber gibt", sagt Markus Wenz. Er gibt ein Beispiel: Für Grundschulen in der Region waren 30 Stellen ausgeschrieben, elf davon konnten besetzt werden.

Die zurückliegenden Wochen liefen dafür relativ entspannt - was die kurzfristigen Erkrankungen wegen einer im Winter üblichen Erkältungswelle angeht. "Wir hatten keine Hiobsbotschaften", sagt Markus Wenz. Nur an einer Schule seien zu Langzeitausfällen noch Grippe-Kranke hinzugekommen. "Wir haben schnell und unbürokratisch geholfen, um den Unterricht zu sichern." Wenz hofft, dass in den nächsten Wochen in seinem Zuständigkeitsbereich keine krankheitsbedingte Ausfälle hinzukommen. Solche Lücken könnten kaum mehr geschlossen werden.

Große Schulen könnten interne Lösungen finden, an kleinen Grundschulen müssten umliegende Standorte einspringen. Die Freude sei zwar nicht groß, wenn Personal kurzfristig versetzt werde. Aber: Schulleiter und Lehrer seien bereit, auszuhelfen, sagt Wenz. Manche würden sogar ihr Deputat aufstocken.

Auch an den Gymnasien gibt es keine Krankheitswelle

Auch die Gymnasien in der Stadt Heilbronn und im Landkreis sind bisher von den üblichen Grippe-Erkrankungen verschont geblieben. "Es gibt keine richtige Krankheitswelle", weiß Marco Haaf, Direktor des Albert-Schweitzer-Gymnasiums in Neckarsulm und Leiter der Direktorenvereinigung Nord-Württemberg. Auch die Schüler seien bislang fit durch die Winterwochen gekommen, sagt der Schulleiter.


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen in Neckarsulm, Ilsfeld, Untereisesheim und Weinsberg.

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