Zahl der Verkehrstoten in der Region deutlich angestiegen

Region  Die Polizei gibt eine alarmierende Statistik für das Jahr 2018 heraus. Auf den Autobahnen schnellte die Zahl der Todesopfer von vier auf 14 hoch. Neun der insgesamt 49 Getöteten waren ohne Gurt unterwegs.

Von Carsten Friese

Während die Zahl der Verkehrstoten im vergangenen Jahr auf Landesebene sank, stiegen sie in der Region an. Foto: dpa

 

Deutlich mehr Tote und Schwerverletzte auf den Straßen der Region: Die Verkehrsstatistik des Polizeipräsidiums Heilbronn für das Jahr 2018 zeigt ein negatives Bild. Obwohl die Zahl der gesamten Unfälle (25.722) gegenüber dem Jahr zuvor um rund 190 leicht abnahm, waren die Folgen drastisch. 49 Menschen starben (plus sechs), es gab 734 Schwerverletzte (plus 19) und 2859 Leichtverletzte (plus 178). Auf Landesebene sank die Zahl der Verkehrstoten.

Polizei kündigt verstärkte Kontrollen an

Die Heilbronner Polizei stuft die 49 Toten als Zahl ein, die sogar den Mittelwert der Jahre 2008 bis 2017 überschreitet. "Mit der Unfallstatistik dürfen wir nicht zufrieden sein", betont Polizeipräsident Hans Becker. Er kündigt verstärkte Überwachungsmaßnahmen an, um die Hauptursachen zu bekämpfen - Geschwindigkeit und Abstand liegen bei den schweren Unfällen vorne. Aber auch die Ablenkung am Steuer, zum Beispiel durch Smartphones, und die Gurtpflicht will die Polizei intensiver im Auge haben.

Weiterlesen: Mehr Unfälle und mehr Verletzte im Hohenlohekreis

Regional fällt die Bilanz sehr unterschiedlich aus. In Stadt und Landkreis Heilbronn sank die Zahl der Verkehrstoten (siehe Grafik). Auf den Autobahnen aber gab es drastische Steigerungen: 14 Tote und 90 Schwerverletzte notierte die Polizei auf A 6 und A 81. Einen klaren Grund für die Zunahme um das Doppelte bis Dreieinhalbfache kann Joachim Feucht, Vize-Leiter der Verkehrspolizeidirektion, nicht nennen. Aber: Im A 6-Bereich Bad Rappenau/Bauernwald habe auf freier Strecke ein Unfallschwerpunkt gelegen. Er nimmt an, dass Verkehrsteilnehmer nach der langen Baustelle beschleunigten, dann vom nächsten Rückstau überrascht wurden. Und: Lkw-Fahrer würden ihren Abstandswarner in langen Baustellen oft ausschalten, weil der dort häufig erklingende Ton sie nerve. Nach der Baustelle würden manche vergessen, den Warnton wieder einzuschalten.

 

Vergleich zum Vorjahr

Stadt Heilbronn

Landkreis Heilbronn

Autobahnen

253

Schwerverletzte

188

103

14

99

90

12

Tote

8

41

4

2

1

17

18

17

18

17

18

17

18

17

18

17

18

HSt-Grafik, Quelle: Polizeipräsidium Heilbronn

Vergleich zum Vorjahr

Stadt Heilbronn

Landkreis Heilbronn

Autobahnen

253

Schwerverletzte

188

103

99

90

41

17

18

17

18

17

18

14

12

Tote

8

4

2

1

17

18

17

18

17

18

HSt-Grafik, Quelle: Polizeipräsidium Heilbronn

Fakt ist: 19 Pkw-Fahrer, fünf Lkw-Fahrer, 13 Motorrad- und Leichtkraftfahrer, drei Fahrradfahrer, der Fahrer eines Krankenfahrstuhls, drei Fußgänger und fünf Mitfahrer waren unter den Toten. Neun Getötete waren nicht angeschnallt, alle drei Radfahrer fuhren ohne Helm. Nicht geschützte Verkehrsteilnehmer seien "einem erhöhten Risiko ausgesetzt, schwer zu verunglücken", mahnt Hans Becker.

Die Zahl der Fahrrad- und Motorradunfälle nahm insgesamt zu. Aber: Es verunglückten deutlich weniger Fußgänger als im Jahr davor. Interessant: Die Hälfte der schweren Unfälle passierte außerorts. 44 der 49 Getöteten verunglückten ebenfalls dort, wo schneller gefahren wird: auf Landes-, Bundesstraßen und Autobahnen.

Junge Fahrer an jedem fünften Unfall beteiligt

Als "besorgniserregend" stuft die Polizei ein, dass mit 56 Prozent mehr als die Hälfte der Unfälle, an denen junge Fahrer unter 24 beteiligt waren, auch von diesen verursacht wurden. Diese jungen Fahrer haben einen Bevölkerungsanteil von 8,1 Prozent - die Gruppe sei jedoch mit 22 Prozent an jedem fünften Unfall beteiligt. Man müsse Verstöße weiterhin konsequent sanktionieren, aber auch über Unfallrisiken und -folgen aufklären, skizziert Hans Becker notwendige Maßnahmen.

Unfallflucht ist nach wie vor ein großes Problem. Laut Polizeistatistik suchten im Jahr 2018 bei 5222 Unfällen die Verursacher das Weite - ein Plus von 2,4 Prozent. Bei jedem fünften Unfall türmt der Auslöser, eine Größe, die der Polizei seit Jahren das Leben schwer macht. Immerhin: Die Aufklärungsquote lag bei 34,3 Prozent - das heißt, jeder dritte Unfallflüchtige wird im Nachhinein doch noch überführt.

In der Stadt Heilbronn gingen Unfallzahlen zurück

Beim Blick auf die Gesamtmenge der Unfälle in der Region fällt auf, dass die Zahl in der Stadt Heilbronn im Jahr 2018 leicht rückläufig war (von 6060 im Jahr Jahr 2017 auf 6030, das entspricht einem Minus von 0,5 Prozent). Im Landkreis Heilbronn nahm sie dagegen um 3,3 Prozent zu (von 7313 auf 7557), im Hohenlohekreis sogar um 5,3 Prozent (von 2743 auf 2888).

Verkehrsdichten auf den Autobahnen sind sehr unterschiedlich: Während auf der A6 bei Neckarsulm täglich rund 100.000 Fahrzeuge fahren, sind es auf der A81 bei Neuenstadt 41.000.

 


Kommentar hinzufügen