Wo Radfahrer in und um Heilbronn besonders gefährlich leben

Region  Auf den Straßen in Heilbronn und der Region kam im vergangenen Jahr kein Radfahrer im Verkehr ums Leben. Dennoch gibt es auch hier Stellen, an denen es für Radfahrer gefährlich werden kann.

Von Christoph Donauer
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Wo Radfahrer gefährlich leben

Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen Radfahrern und Autos.

Foto: dpa

Ein Blick in die Unfallstatistik 2018 ist für Radfahrer erschreckend. 445 Radler wurden im vergangenen Jahr in Deutschland bei Unfällen getötet. Wie sieht die Situation hier in der Region aus?

In der Stadt Heilbronn wurde im vergangenen Jahr kein Radfahrer getötet. Allerdings gab es mit 161 Unfällen gut 30 mehr als noch 2017. In zwei Drittel der Fälle waren laut Polizei die Radfahrer Verursacher. Besonders häufig krachte es, weil sie auf dem Gehweg fuhren oder den Radweg falsch herum benutzten.

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Im Landkreis Heilbronn wurde ebenfalls kein Radfahrer getötet. 2017 waren es noch zwei. Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden lag mit 118 auf dem Niveau der Vorjahre. Im Hohenlohekreis wurde ebenfalls niemand getötet, es gab 45 Fahrradunfälle mit Personenschaden. Was die Polizei überall beobachtet ist, dass Pedelecs häufiger an Unfällen beteiligt sind.

 

E-Roller könnten für Probleme sorgen

Experten vermuten, dass sich die Zahl der Unfälle erhöhen wird, wenn bald auch E-Roller auf Radwegen unterwegs sind. Denn schon jetzt entspricht die Infrastruktur nicht überall dem, was sich Radler vorstellen. Markus, der nicht mit vollem Namen genannt werden möchte, fährt seit Jahren mit der Critical Mass durch Heilbronn. Dabei verabreden sich Dutzende Radfahrer und fahren scheinbar spontan zusammen los.

Er selbst ist oft mit Fahrrad, Auto und Motorrad unterwegs. Problematisch findet er die Abbiegespur vor der Kreissparkasse, den Radstreifen entlang der Sontheimer Straße oder die Allee. "Eigentlich gehört die Allee gesperrt, außer für Fußgängertaxen und Lieferverkehr." Er findet: "Wir brauchen Fahrradautobahnen. Auch unsichere Radfahrer müssen bequem aneinander vorbeikommen." Aber auch seine Radgenossen sieht er in der Pflicht: "Es fahren brutal viele ohne Licht." Auch falsch herum auf dem Radweg zu fahren sei "einfach nur gefährlich".

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Gastromeile am Neckar bleibt umstritten

Der Verkehrsclub Deutschland Hall-Heilbronn-Hohenlohe kritisiert vor allem die Gastromeile am Neckar und dass diese zur Fußgängerzone gemacht wurde. Radfahrer sind dort seit Jahresanfang nur noch "frei" und müssen deshalb an dieser Stelle Schritttempo fahren oder sogar absteigen. Dadurch werde eine der wichtigsten überregionalen Radverbindungen ausgebremst, heißt es vom VCD. Ein Alternativvorschlag liege seitens der Stadt bis heute nicht vor.

VCD-Vorstandsmitglied Michael Schwager betont, dass sich in Heilbronn und dem Landkreis beim Thema Radfahren viel tut. Dennoch geschieht insgesamt zu wenig, sagt Schwager: "Diese Schritte sind aus unserer Sicht viel zu zaghaft, und es wird auch nicht genug Geld für den Radverkehr beziehungsweise für Planung und Koordination zur Verfügung gestellt. Auf diesem Niveau lassen sich die angestrebten Ziele zur Erhöhung des Radverkehrsanteils am Verkehrsgeschehen nicht erreichen." Nötig sei eine übergeordnete Verkehrsplanung zwischen Stadt und Landkreis.

Unfallschwerpunkt vor Lidl entschärft

Ein Unfallschwerpunkt wurde laut Polizei inzwischen entschärft. An der Lidl-Ausfahrt in der Neckarsulmer Straße kam es wegen unklarer Vorfahrtsregelung zu Unfällen. Der Verlauf des Radwegs wurde geändert und die Schilder angepasst. Seitdem gebe es dort keine Unfälle mit Personenschaden mehr, bestätigt ein Polizeisprecher. Im restlichen Stadtgebiet seien keine Stellen bekannt, an denen sich Unfälle häufen.

 

 


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