Wo Nazis in Unterland, Kraichgau und Hohenlohe wüteten

Region  Überall in Deutschland wurden 1938 Synagogen zerstört und Juden misshandelt. Wo Nazis in Unterland, Kraichgau und Hohenlohe wüteten:

Von Kilian Krauth
Wo Nazis in Unterland, Kraichgau und Hohenlohe wüteten

Nicht nur in Heilbronn und den Stadtteilen Sontheim und Böckingen, vielerorts in der Region werden 1938 Synagogen zerstört und Juden misshandelt. Die Namen der Täter sind meist bis heute nicht bekannt - zumindest nicht offiziell, so etwa in Neudenau. In Olnhausen sei ein Kommando aus Nachbarorten aufgetaucht, in Schluchtern, so sagen Zeitzeugen, hätten "Fanatiker aus dem Nachbarort" gewütet.

Auch in Hohebach und Grombach seien es "auswärtige SA-Leute" gewesen. In Lehrensteinsfeld sind die Namen von sechs Tätern aktenkundig. In Bonfeld lässt der Schulleiter am Morgen danach die Schüler in der Synagoge "alles zusammenschlagen, was noch heil geblieben war", heißt es. Anders in Eppingen: Dort bestraft der Lehrer Buben, die Fensterscheiben einwerfen.

Zeitzeugen: "Sie hausen barbarisch"

Weil Nachbarn um ihre Häuser fürchten, werden Kultgegenstände mitunter im Freien verbrannt, etwa in Öhringen und Talheim. Dort schlagen SA-Trupps in der Synagoge neben der Burg mit Äxten die Einrichtung zusammen und stecken auf dem Kelterplatz alles in Brand. Auch in Wohnungen "hausen sie barbarisch", heißt es, "prügeln rücksichtslos mit Knüppeln selbst die Frauen und alten Leute, dass sie schreien". Kaum einer traut sich auf die Straße. Wer für die Juden Partei ergreift, wie etwa Wilhelm Denzer in Oedheim, wird von der SA geschlagen.

In Künzelsau will die Feuerwehr einschreiten, wird aber behindert. In Berlichingen stellen sich Bauern schützend vor Pfarrer Kilian Nuss, der die Täter offen Verbrecher nennt; einige werden nach dem Krieg - Berlichingen ist ein Ausnahmefall - vor Gericht gestellt und verurteilt. Aus Affaltrach, wo die Synagoge heute als Museum und Begegnungsstätte dient, berichtet die damals 38-jährige Berta Bühler später einem Stimme-Redakteur: "Ich höre noch heute den Hugo Levi schreien." 

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