Wieder beschädigte Heizrohre in GKNII entdeckt

Neckarwestheim  In den Dampferzeugern des Atomkraftwerks GKN II wurden erneut sicherheitsrelevante Schäden entdeckt. Nach Angaben des Landesumweltministeriums weisen 191 Heizrohre rissartige Materialschwächungen auf.

Von Reto Bosch

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Das 1989 in Betrieb genommene Atomkraftwerk GKNII (vordere Kuppel) soll noch bis Ende 2022 Strom produzieren.

Foto: Archiv/Dirks

Das haben Messungen bei der laufenden Revision ergeben.Im vergangenen Jahr musste der Reaktor wegen des gleichen Problems deutlich länger in Revision bleiben als ursprünglich geplant.Der Betreiber, die Energie Baden-Württemberg Kernkraft GmbH (EnKK), betont, dass die Wandstärken der betroffenen Rohre "weit über dem geforderten Mindestwert" liegen.

Wärmetauscher in den Dampferzeugern

In den vier Dampferzeugern von GKN II treffen zum Wärmeaustausch zwei Kühlkreisläufe aufeinander. Sehr heiße Flüssigkeit durchströmt in Heizrohren unter hohem Druck den abgeschotteten ersten Kreislauf. Diese Flüssigkeit ist radioaktiv belastet. Im Dampferzeuger geben die Rohre die Wärme ab. Ein Leck oder gar der Abriss eines Heizrohrs würde dazu führen, dass Radioaktivität in den strikt getrennten zweiten Kühlkreislauf übertreten würde. Ein ernst zunehmender Störfall, der bei der Genehmigung der Anlage allerdings berücksichtigt wurde.

Insgesamt haben die Techniker 16.000 solcher Heizrohre in die Dampferzeuger eingebaut. Im vergangenen Jahr identifizierten Messungen 101 Rohre, deren Wanddicke wegen Korrosionsschäden zum Teil um 91 Prozent geschwächt waren. Dieses Jahr wurden nach Angaben von Betreiber und Atomaufsicht verbesserte Analyseverfahren eingesetzt. "Sicherheitstechnisch relevante rissartige Schwächungen in Umfangsrichtung wurden an 191 Rohren gemessen", teilte die Atomaufsicht mit.

Atomaufsicht: Keine Hinweise auf Gefährdung

Informationen darüber, welches Ausmaß die Schäden genau hatten, waren vom Landesumweltministerium gestern nicht zu bekommen. Die EnBW erklärt: "Die Heizrohrschäden besitzen bis auf wenige Ausnahmen ein deutlich geringeres Ausmaß als 2018." Eine Sprecherin des Umweltministeriums sagt unserer Redaktion: "Die uns bisher vorgestellten Ergebnisse ergeben keine Hinweise auf eine Gefährdung des Betriebs."

Atomkraftgegner sehen die Korrosionsschäden kritisch. Im vergangenen Jahr warnte zum Beispiel "Ausgestrahlt" sogar vor einer möglichen Explosion, wenn es zu einem Abriss von Heizrohren komme. Die Reaktorsicherheitskommission wiederum hält dies für übertrieben.

Klar ist: Auch dieses Jahr wird die Revision von GKN II länger dauern als geplant. Das bestätigt die Atomaufsicht. Schließlich kosten die Reparaturarbeiten Zeit. Die EnKK lässt die beschädigten Rohre mit Stopfen versehen und damit außer Betrieb nehmen. Der Reaktor darf erst dann wieder ans Netz, wenn das Umweltministerium die Freigabe erteilt.

Chemische Zusammensetzung der Kühlflüssigkeit verändert

Um GKN II wieder anfahren zu dürfen, musste die EnKK im vergangenen Jahr ein Sicherheitskonzept vorlegen. Dieses sieht unter anderem vor, die chemische Zusammensetzung der Kühlflüssigkeit zu verändern, um Korrosionen weitestgehend zu verhindern. Die EnKK sieht sich damit trotz beschädigter Heizrohre auf einem guten Weg. Die Verbesserungen könnten erst über mehrere Jahre hinweg ihre volle Wirkung entfalten.

Der atomkritische Umweltschutzverband BUND sieht das ganz anders. Der Betreiber habe selbst den Beweis dafür geliefert, dass er sein Atomkraftwerk nicht im Griff habe. "Das Prinzip Hoffnung reicht nicht. Neckarwestheim darf nach der Revision nicht wieder ans Netz gehen", forderte die Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender.

 


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