Wie werden Bus und Bahn attraktiver?

Region  Die Stadt Wien hat mit einem 365-Euro-Jahresticket für den ÖPNV großen Erfolg. In Heilbronn ist das kein Thema − Über Versuche, den Nahverkehr auszubauen

Von Carsten Friese

Wie werden Bus und Bahn attraktiver?

Es klingt so einfach, fast wie ein schöner Nahverkehrstraum, der mit einem Schlag die Stau- und Schadstoffprobleme vieler Städte wie auch Heilbronn drastisch verringern könnte. In Wien kann man für umgerechnet einen Euro am Tag im Stadtnetz Bus und Bahn fahren.

Die Stadt hat vor einigen Jahren ein Nahverkehrsticket für 365 Euro im Jahr eingeführt, das mittlerweile stark gefragt ist. Viele Wiener verzichten aufs Auto, nachdem die Stadt das Haltestellennetz ausgebaut und Takte verkürzt hat. Die Folge: Von 2012 bis 2018 stieg die Zahl der Nutzer von Bus und Bahn von 373.000 auf 780.000. 39 Prozent der Verkehrsteilnehmer nutzen dort öffentliche Verkehrsmittel - in Heilbronn sind es rund zehn Prozent.

Kann Wien ein Vorbild für die Region Heilbronn sein? Oder wie soll erreicht werden, dass deutlich mehr Bürger auf Bus und Bahn umsteigen, um einen Verkehrsinfarkt mit immer mehr Staus zu verhindern?

Großer Zulauf durch Investitionen

Das Wiener Modell ist für die Leiterin im Heilbronner Amt für Straßenwesen, Christiane Ehrhardt, kein Thema, weil nicht nur das verbilligte und bezuschusste 365-Euro-Jahresticket finanziell zu schultern wäre. Der große Zulauf in Wien basiere auch darauf, dass die Stadt "sehr viel in die Infrastruktur investiert hat". In Deutschland sind Modellstädte wie Bonn, Mannheim und Reutlingen derzeit Vorreiter, mit Bundesfördermitteln das Nahverkehrsnetz auszubauen und deutlich vergünstigte Tickets anzubieten. Auf die Ergebnisse ist Ehrhardt "gespannt". Derzeit sei in Heilbronn in der Richtung nichts angedacht.

Was macht man dann? Ehrhardt verweist auf die moderne Umgestaltung des Hauptbahnhofs, zum Beispiel beim Zugang zu den Bahnsteigen und der Unterführung. Auf der Frankenbahnstrecke nach Würzburg erhofft sie sich einen Modernisierungsschub durch die neuen Betreiber. Bushaltestellen würden in der Stadt ausgebaut, um für Menschen mit Rollator und Kinderwagen gut nutzbar zu sein. Und man setze weiter das Ziel um, Vorrecht-Busspuren vor allem an Ampeln durch Schaltungen zu verbessern.

Wie werden Bus und Bahn attraktiver?

Knotenpunkte sind beliebt, wenn Stadtbahn und Bus dieselben Haltestellen wie am Heilbronner Marktplatz ansteuern. Die Zahl der Nahverkehrsnutzer liegt insgesamt aber noch auf niedrigem Niveau.

Foto: Andreas Veigel

 

Als kurzfristiges Ziel nennt Ehrhardt eine Steigerung des Nutzeranteils beim öffentlichen Nahverkehr von zehn auf zwölf Prozent, bei Stadtbahnanbindung auf 15 Prozent. Ob das nicht zu wenig Ehrgeiz ist? Man bekomme in ein, zwei Jahren "keine wesentliche Veränderung, es ist ein Prozess, da müssen wir einen langen Atem haben". Bürger müssten es ausprobieren. Und wenn von 100 fünf umsteigen, "ist das für mich ein Erfolg". Eine pünktliche Stadtbahn gehört dazu, weiß Ehrhardt. Man sei in ständigem Dialog mit dem Betreiber. An den wichtigen Stellschrauben müsse aber das Land drehen.

Ein Zehn-Minuten-Bustakt zu teuer

Den Nahverkehr stärken, indem das Parken teurer wird? Ehrhardt möchte den häufigen Parksuchverkehr verändern. "Der muss weniger werden", zumal Parkhäuser fast immer noch Platz hätten. Zwei neue Mobilitätsmanager sollen Verkehrsthemen bündeln, Vorschläge und ein Konzept Innenstadt erarbeiten. Auch Firmen sollen mobilisiert werden, Mitarbeitern Alternativen anzubieten.

Könnte ein stärker mit Querverbindungen angelegtes Stadtbusnetz und ein dichterer Takt ein größerer Wurf sein? Stadtwerkechef Tilo Elser sagt, für Tangentialrouten sei das Fahrgastaufkommen in Heilbronn "selten da". Die Stadt habe nicht die Größe von Stuttgart oder Karlsruhe. Einen Zehn-Minuten-Bustakt stuft er vom momentanen Fahrgastaufkommen und den Kosten als "nicht darstellbar" ein.

Das Landratsamt Heilbronn teilt mit, dass man täglich 16.000 Schüler im Linienverkehr befördere, zudem 1600 eingeschränkte und behinderte Schüler. Kontinuierlich würden Verbesserungen durch Zusatzbusse umgesetzt. Echtzeitdaten sollen den Fahrgastservice erhöhen, an 15 Knotenpunkten würden Monitore mit An- und Abfahrtszeiten installiert. Und: Im Kochertal und Zabergäu habe man zum Beispiel das Angebot später Verbindungen und Nachtbusse "signifikant ausgebaut", sagt Sprecher Manfred Körner.

 

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