Wie man sich einen Mundschutz selber näht

Region  Mundschutzmasken sind in Zeiten der Corona-Krise Mangelware. Auch Stoffmasken können helfen, die Verteilung der Tröpfchen zu verhindern. Wir zeigen, wie man sich sein eigenes Exemplar näht.

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Besser als nichts – so lassen sich die selbst genähten Behelfsmasken für Mund und Nase auf den Punkt bringen. Die Hebamme Anja Schubert ruft jetzt alle Hobbyschneider dazu auf, Stoffmasken für den alltäglichen Gebrauch herzustellen. Denn: „Noch haben wir in der Region partikelfiltrierende Atemschutzmasken der unterschiedlichen FFP-Klassen“, sagt die 52-Jährige.

Mit Blick auf die Entwicklungen in Italien, Spanien oder aber auch Frankreich ist die Heilbronnerin allerdings alarmiert. „Es ist wichtig, dass die Versorgung mit medizinischen Masken für Ärzte und Klinikpersonal auch in den nächsten Tagen und Wochen gewährleistet ist.“ Immer häufiger sehe sie jetzt auch in Supermärkten Menschen mit medizinischen Atemschutzmasken herumlaufen. „Ich befürchte, dass es einen Hype wie aufs Klopapier geben wird und damit Lieferengpässe und Probleme in Kliniken“, so Schubert, die seit 27 Jahren als Hebamme tätig ist.

Bereits jetzt seien viele Apotheken ausverkauft. Im Internet werden horrende Summe verlangt. Die Lösung für Schubert ist es deshalb, im Alltag auf selbst genähte Mundschutzmasken zurückzugreifen. Völlig abwegig ist das aus Expertensicht nicht. Wenn jemand beim Tragen eines solchen Mundschutzes ein gutes Gefühl habe, könne man das ruhig machen, sagte der Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten, im NDR-Podcast. Er räumte jedoch mit einem häufigen Irrtum auf: „Man denkt immer, man schützt sich selbst mit der Maske, in Wirklichkeit schützt man aber andere.“

Schutz vor Tröpfcheninfektion

Müsste aus gesellschaftlichem Druck heraus jeder eine Maske tragen, dann fange die Maßnahme an sehr viel Sinn zu machen: Dann sei zu erwarten, dass eine Infektionsausbreitung, allerdings nur im Nahbereich, etwas verringert werde, so Drosten. Wegen der kulturellen Unterschiede zwischen Europa und Asien glaube er aber nicht daran, dass das Maskentragen in der westlichen Gesellschaft Standard wird. Der Verzicht auf professionelle Masken ist für Anja Schubert ein Zeichen von Solidarität. Sie freut sich, dass es jetzt in zahlreichen Foren im Internet und in den sozialen Medien Zusammenschlüsse von Näherinnen gebe. „Bei feuchter Aussprache kann auch ein einfacher Mundschutz grobe Tröpfchen des Mundschutz-Trägers abhalten“, sagt Schubert.

Nachbarschaftshilfe
Sie können nähen und möchte Ihre Hilfe anbieten? Oder aber sind Sie auf der Suche nach Behelfsmasken aus Baumwollstoff? Schreiben Sie eine E-Mail an milva-katharina.kloeppel@stimme.de – wir bringen Sie zusammen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann das Tragen einer Maske ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen, so dass etwa eine gute Händehygiene vernachlässigt werde. Das dürfe auf gar keinen Fall passieren, so Schubert. Gründliches Händewaschen und Mindestabstand zu den Mitmenschen sei weiterhin das A und O. „Wenn man eine Maske trägt, fasst man sich aber automatisch weniger häufig ins Gesicht und verringert somit den Austausch zwischen Händen und Schleimhäuten“, so die Hebamme. Aktuell sei es noch so, dass der Atemschutz im Alltag Aufmerksamkeit erregt. „Die Leute halten somit automatisch etwas mehr Abstand.“

Was ist zu beachten?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Behelfsmundschutz zu nähen. Da das Tragen der (Gummi-)Bänder über die Ohren auf Dauer schmerzhaft werden kann, stellen wir in der Anleitung eine Variante zum Nachnähen vor, die über den Hinterkopf getragen wird.

Was ist beim Tragen zusätzlich wichtig? Der Mundschutz sollte immer getragen werden, wenn man das Haus verlässt. Der Mundschutz muss eng anliegen. Sobald er feucht ist, sollte er gewechselt werden. Sobald man wieder zu Hause ist, kann der Mundschutz vorsichtig entfernt werden. Dabei ist wichtig, dass die Außenfläche nicht berührt wird. Die Schutzmaske sofort in einer Seifen- oder Waschmittellauge einweichen. Die Hände gründlich waschen. Der Mundschutz sollte immer ausgespült werden, bevor er mit der übrigen Wäsche in der Waschmaschine gereinigt wird – die Waschtemperatur sollte 60 Grad oder mehr betragen. Laut Ärzteblatt reicht es aus, wenn man den selbst genähten Mundschutz mit Waschmittel wäscht. Coronaviren sind behüllte Viren, deren Erbgut von einer Lipidschicht umhüllt ist. Sie reagieren deshalb empfindlich auf Alkohole oder Tenside, die als Fettlöser in Seifen, Spül- und Waschmitteln enthalten sind. Der Mundschutz sollte grundsätzlich trocken gelagert werden.

 


Anleitung: Wie man einen Mundschutz näht, der über den Hinterkopf gesichert wird

Standardgröße für Erwachsene

  • 2 x Stoffstücke in der Größe 23 x 20 Zentimeter (Baumwolle – unbedingt vorwaschen, damit der Stoff nicht eingeht. Der Stoff muss eine Waschtemperatur von 90 und mehr Grad Celsius vertragen)

  • 2x Gummiband jeweils in der Länge 33 Zentimeter oder alternativ 4x elastische Bänder in der Länge von 46 Zentimetern (Hier eignet sich das Zerschneiden eines ausrangierten T-Shirts optimal – Vorteil im Gegensatz zu den Gummibändern: Die Bänder halten die hohen Temperaturen besser aus)

Alternative Größen

  • Erwachsene (klein) 20 x 20 Zentimeter – 30,5 Zentimeter Gummiband

  • Teenager 20 x 20 Zentimeter – 29 Zentimeter Gummiband

  • Kind 18 x 18 Zentimeter – 29 Zentimeter Gummiband

 

Schritt 1

Die Stoffstücke werden rechts auf rechts aufeinandergelegt. Dazwischen werden die beiden Gummibänder gelegt. Stecke die Bänder jeweils in den Ecken der langen Seiten fest. Achte darauf, dass die Gummibänder nicht verdreht sind. Alternativ wird in jeder Ecke eines der vier Bänder festgesteckt.

Schritt 2

Jetzt wird die Maske mit einem Zentimeter Nahtzugabe zusammengenäht. Denk daran, eine etwa drei Zentimeter lange Öffnung an einer der Seiten zu lassen, damit die Maske später gewendet werden kann.

Wenn du die Bänder in den Ecken festnähst, nähe ein paar Mal vor und zurück. So halten sie später sicher unter Zug. Passe zudem auf, dass die Bänder nicht an den Seitenrand rutschen und du sie beim Zusammennähen der Stoffe erwischt.

Schritt 3

Jetzt wird die Maske durch die Öffnung umgedreht. Anschließend wird der Stoff in drei mehr oder weniger gleichgroße Kellerfalten gelegt und zusammengesteckt. Noch einmal knappkantig rundherum nähen und fertig. Deine fertige Maske ist etwa 7,5 Zentimeter hoch.

 

PDF-Datei: Anleitung_Mundschutz_nähen Dateigröße: 54.00 KBytes. Datum: 26.03.2020

 


Milva Klöppel

Milva-Katharina Klöppel

Autorin

Aus dem hohen Norden kam Milva-Katharina Klöppel 2007 zur Heilbronner Stimme. Nach ihrem Volontariat übernahm die Hamburgerin den Bereich Jugend und leitet seither die Stimmt!-Redaktion. Neben Projekten wie Zeitung in der Schule (Zisch) betreut sie den "Durchstarter" und weitere junge Verlagsprojekte. 

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