Wie man auch in der Corona-Krise Blut spenden kann

Neckarsulm  In Neckarsulm haben in dieser Woche bereits 450 Menschen Blut gespendet. Warum das auch in der Corona-Krise wichtig ist und welche Sicherheitsvorkehrungen dabei beachtet werden müssen? Wir haben mit DRK-Mitarbeitern und Spendern gesprochen.

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Blutspenden in schwierigen Zeiten
Elias Biebl spendet regelmäßig Blut – auch in Zeiten der Corona-Krise. Foto: Andreas Veigel

Schlange stehen, bei einer Brotzeit zusammensitzen oder spontan vorbeikommen: All das ist bei Blutspende-Terminen nicht mehr vorgesehen. Wegen der Corona-Krise geht auch der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ganz neue und vor allem noch sicherere Wege. Seit dieser Woche finden keine offenen Spendetermine mehr statt, bei denen jeder kommen kann, wann er möchte.

Bis auf weiteres gibt es nur noch zentrale Blutspendeaktionen mit Terminvergabe. Die erste dieser Art findet in der Sporthalle der Ballei in Neckarsulm statt. Von Montag bis Freitag können täglich von 14 bis 19 Uhr Termine gebucht werden, um Blut zu spenden. "Pro Viertelstunde sechs Personen", erläutert Rudolf Feix vom DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg/Hessen.

So kommen am Tag maximal 120 Menschen in die Ballei. Normalerweise sind es bei Blutspendeterminen in Neckarsulm bis zu 300 an einem Tag, berichtet Bernhard Brecht, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins. So viele Personen könne man in Zeiten von Corona aber nicht mehr zulassen. Letztlich kommen in der Ballei in dieser Woche rund 450 Blutspenden zusammen.

Blutspenden in schwierigen Zeiten
Bevor es los geht, wird bei jedem Temperatur gemessen. Foto: Andreas Veigel

Wie Blutspenden in der Corona-Krise konkret funktioniert

Die Entscheidung für die neue Organisationsform fiel erst Mitte letzter Woche, sagt Feix. Aber auch davor standen die DRK-Aktionen wie etwa in Bad Friedrichshall-Hagenbach bereits unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen. Die Abstände zwischen den Wartenden wurden vergrößert, eine Abfrage, ob jemand in einem Risikogebiet war oder Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatte, erfolgte bereits am Eingang. Auch die Körpertemperatur wurde dort gemessen, und Spendewillige mussten sich vor Eintritt in die Halle die Hände desinfizieren. All das gilt weiterhin, und es kam durch das von Bund und Ländern erlassene Kontaktverbot noch einiges hinzu.

Mit am wichtigsten: Die Spender kommen nicht mehr unkontrolliert, jeder hat einen Termin und wird an der Tür zur Ballei abgeholt. Zudem tragen die Helfer des DRK, die Ärzte und die Mitarbeiterinnen des Blutspendedienstes Handschuhe und Mundschutz. Sie halten auch mehr Abstand als sonst. Sind die Spender fertig, bekommen sie ein Getränk und Schokolade zum Mitnehmen, bevor sie die Halle verlassen.

Anmeldung

Wer an einer Blutspende teilnehmen möchte, kann über www.blutspende.de einen Termin buchen. Die Aktion in der Ballei in Neckarsulm geht noch bis einschließlich Freitag, 27. März, von 14 bis 19 Uhr.

Auf der Homepage des DRK-Blutspendedienstes gibt es auch weitere Antworten auf Fragen rund um Blutspenden und das Coronavirus.

"Es ist schon ungewohnt", sagt Andreas Jünemann vom DRK-Ortsverein. Er misst, ausgerüstet mit einem Mundschutz und einem Visier vor dem Gesicht, Temperatur bei den Spendewilligen. Bei wem das Display mehr als 37,5 Grad anzeigt, der wird nach Hause geschickt.

"Es ist nicht bequem mit dem Mundschutz, und mit Handschuhen am PC zu arbeiten, ist komisch", erzählt Carola Jünemann, die ein paar Meter weiter die Daten der Spender erfasst und sie mit einem Fragebogen ausstattet. Den füllt übrigens jeder mit einem einzeln verpackten Kugelschreiber aus. Von der Sache her seien die Maßnahmen aber richtig, sagt Carola Jünemann.

 

 

„Ich hatte schon öfter mit dem Gedanken gespielt, Blut zu spenden. Da ich jetzt keine Termine habe, habe ich es gemacht.“

von Birgit Damerau

 

So geht es in der Halle sehr ruhig und geordnet zu. Die Atmosphäre ist angenehm und vermittelt Sicherheit. Das findet auch Birgit Damerau, die zum ersten Mal auf der Blutspenderliege liegt: "Ich habe mich gut und sicher gefühlt." Die 53-Jährige arbeitet im Einzelhandel. Da ihre Arbeitsstelle nun wegen der Corona-Krise schließen musste, habe sie nun zwangsläufig mehr Zeit. Bei Facebook wurde Birgit Damerau auf die Aktion in Neckarsulm aufmerksam. "Ich hatte schon öfter mit dem Gedanken gespielt, Blut zu spenden. Da ich jetzt keine Termine habe, habe ich es gemacht."

Blutspenden in schwierigen Zeiten
Im Wartebereich sind die Abstände zwischen den Stühlen mindestens 1,5 Meter groß. Foto: Andreas Veigel

Auffallend viele Erstspender kamen zu den mobilen Aktionen des DRK

Ein Effekt, den Rudolf Feix zunehmend beobachtet. Auch in den vergangenen Wochen kamen auffallend viele Erstspender zu den mobilen Spendeaktionen des DRK. Einige hätten schlichtweg mehr Zeit als sonst, vermutet Feix. Generell gehe es aber auch darum, in schwierigen Zeiten seinen Beitrag zu leisten.

Denn Blutkonserven werden immer knapper, sagt Gerda Klaski. Sie leitet das sechsköpfige Team, das in dieser Woche in der Ballei für die Blutentnahmen zuständig ist. Sie und ihre Kolleginnen wissen, wie wichtig ihre Arbeit ist, und trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl. "Jeder hat Familie und macht sich Sorgen, angesteckt zu werden", erläutert Klaski. Sicherlich schütze der Mundschutz, allerdings gebe es für jede Mitarbeiterin nur einen. Mehr Material stehe derzeit nicht zur Verfügung.

 

„Wir brauchen eigentlich die Nähe zum Spender, um zu erkennen, ob es ihm gut geht.“

von Gerda Klaski

 

"Das macht emotional", beschreibt sie. Eine solche Situation habe noch keiner von ihnen erlebt. Gleichzeitig sei das Arbeiten auf Abstand schwierig. "Wir brauchen eigentlich die Nähe zum Spender, um zu erkennen, ob es ihm gut geht." Umso mehr kommt es auf Kommunikation an. Die Spender werden öfter aufgefordert, sofort Bescheid zu sagen, wenn sie sich unwohl fühlen.

Einer von ihnen ist Elias Biebl. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, Blut zu spenden. Nach einem Motorradunfall hat der 24-Jährige selbst eine Transfusion bekommen. "Dafür bin ich sehr dankbar." Deshalb ist für Biebl auch in diesen Zeiten klar: Er geht Blut spenden und vertraut auf die professionelle Arbeit des DRK.


Häufige Fragen und Antworten zum Blutspenden

Die Info-Hotline des DRK-Blutspendedienstes ist derzeit immer wieder überlastet. Die Verunsicherung wegen des Coronavirus im Zusammenhang mit Blutspenden und Blutkonserven scheint groß zu sein. Wir haben ein paar der häufigsten Fragen und Antworten dazu zusammengestellt:

Ist die Teilnahme an einer Blutspendeaktion sicher?

Die Gefahr, sich auf einem Blutspendetermin mit dem Coronavirus zu infizieren, ist derzeit gering. Das Personal des DRK-Blutspendedienstes trifft zusätzlich zu dem regulär hohen Hygienestandard weitere Schutzmaßnahmen, um eventuell Infizierte beispielsweise schon vor dem Betreten des Spendelokals zu identifizieren. Weiterhin werden Menschen mit Erkältungssymptomen grundsätzlich nicht zur Blutspende zugelassen.

Warum ist es wichtig, auch während der Corona-Krise Blut zu spenden?

Die reguläre Patientenversorgung mit Blutpräparaten muss gesichert sein. Einige wichtige Blutpräparate sind nur sehr kurz haltbar. Es müssen an jedem Werktag in Deutschland mindestens 15.000 Blutspenden gewonnen werden, um die Versorgung schwerkranker Patienten in den Kliniken lückenlos zu gewährleisten. Viele Erkrankte erhalten ihr Leben lang Präparate, die aus Spenderblut gewonnen werden.

Wie ist die aktuelle Versorgungslage mit Blutpräparaten?

Die Versorgungslage mit Blutpräparaten ist derzeit stabil, jedoch kommt es seit einigen Wochen aufgrund erhöhter Erkältungskrankheiten und der jahreszeitlich bedingten, erhöhten Anzahl von Influenzaerkrankungen zu einem latenten Rückgang der Blutspenden.

Vor dem Hintergrund einer weiteren Ausbreitung des neuartigen Coronavirus kann sich die Versorgungslage in kürzester Zeit aber drastisch verschärfen. Deshalb appelliert der DRK-Blutspendedienst, in den kommenden Tagen und Wochen, die angebotenen Blutspendetermine wahrzunehmen und einen Beitrag zur Sicherung der Patientenversorgung zu leisten.

Kann das Coronavirus durch eine Bluttransfusion übertragen werden?

Bislang sind keine Fälle von einer Übertragung des neuartigen Coronavirus über Blutprodukte bekannt geworden. Es ist auch unklar, ob Viren, die solche Erkrankungen auslösen, überhaupt durch Blut übertragen werden können.

Was, wenn man nach einer Blutspende erfährt, dass man mit dem Coronavirus infiziert ist?

Wer Blut gespendet hat und innerhalb der nächsten 14 Tage Symptome bekommt oder positiv auf das Coronavirus getestet wird, sollte sich unverzüglich bei der kostenfreien Hotline 0800 1194911 melden.


Katharina Müller

Katharina Müller

Autorin

Katharina Müller kam Anfang 2019 zur Heilbronner Stimme und schreibt nun seit September für die Regionalredaktion. Sie kümmert sich um Themen im östlichen und nördlichen Landkreis.

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