Wie Volkshochschulen in der Region die Corona-Krise bewältigen

Region  Die Volkshochschulen Heilbronn und Unterland versuchen die Corona-Zwangspause mit Online-Angeboten zu überbrücken. Unterdessen verursachen Kursausfälle finanzielle Sorgen.

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Für uns als Bildungseinrichtung ist die Krise auch eine Chance, den Weg in die Digitalisierung schneller und konsequenter zu beschreiten, als ursprünglich geplant", sagt der Direktor der Volkshochschule Heilbronn, Peter Hawighorst. "Die Menschen müssen zu Hause bleiben, und die Weiterbildung kommt digital zu ihnen", formuliert es seine Kollegin von der VHS Unterland, Loana Huth. Das Motto laute: "Lieber digital als infiziert."

Bisher findet Online-Unterricht bei der VHS Unterland vor allem in Form von so genannten Webinaren in der beruflichen Bildung statt. Nun sollen in jedem Programmbereich von Sprachen bis Gesundheitsbildung digitale Angebote "aus dem Boden gestampft werden", so Huth. Erste Ideen gibt es bereits. Vorträge, die als Life-Video übertragen werden oder Audio-Anleitungen für Entspannung mit Feldenkrais.

Prüfungsvorbereitungskurse finden online statt

Wichtig ist es Loana Huth, die Prüfungsvorbereitungskurse für Realschulabschluss und Abitur, die normalerweise in den Osterferien stattfinden, online umzusetzen. "Die VHS-Cloud, die der Deutsche VHS-Verband zur Verfügung stellt, ist zum Glück eine sehr einfach zu bedienende Plattform", so Huth. Auch in Heilbronn werde diese gerade eingeführt, sagt Hawighorst. "Wir sind Pilotschule in Baden-Württemberg für die Digitalisierung im Bildungswesen", ist er stolz.

Die VHS Heilbronn habe "gleich in der ersten Schließwoche digitale Angebote positioniert, berichtet Peter Hawighorst. 30.000 Teilnehmende müssten versorgt, der Kontakt über Social Media aufrechterhalten werden. "Wir sind jetzt auf Instagram. Dort gibt es Bildungshappen." Ein Highlight nennt er das VHS-Portal für alle Deutsch-Lernenden: "Wir begleiten die Teilnehmer durch Online- und Telefonsprechstunden." Auch der Jahreskurs zur Erlangung des Hauptschulabschlusses sei komplett auf Web umgestellt worden.

Ein 40-stündiges Seminar zur Kunstgeschichte des Städel-Museums Frankfurt finde sich ebenso wie Yoga, Rückentraining oder Fitness-Workout über Youtube auf der Website der VHS Heilbronn. Weil alle Kurse zum 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin entfallen müssen, gibt es jetzt den Podcast des Deutschlandsfunks über den berühmten Dichter.

Dennoch, so Direktor Hawighorst, "werden Online-Angebote auch künftig nicht unsere Kernkompetenz sein, sondern Mischformen zwischen Präsenz- und digitalem Unterricht".

Finanzielle Sorgen durch Kursausfälle

Die vorerst fünfwöchige Zwangspause bereitet auch den Volkshochschulen finanzielle Sorgen. "1300 Kurse mit 10.000 Teilehmenden sind in diesem Zeitraum betroffen. Wir verbuchen wöchentlich ein Minus von 35.000 bis 60.000 Euro. Aber die Gesundheit steht über allem", erklärt Loana Huth. Die Frage werde sein, was das Land Baden-Württemberg zur finanziellen Unterstützung tun kann. Die Heilbronner VHS hat täglich zwischen 160 bis 180 Kurse laufen, die jetzt nicht zustande kommen oder unterbrochen werden. "Sechsstellige Beträge fallen weg, alle Ausgaben laufen weiter", sagt Peter Hawighorst.

Natürlich denken auch beide Direktoren an ihre Mitarbeiter. "Wir sind mit unserem Betriebsrat im Gespräch, ob wir Kurzarbeit einführen", so Hawighorst. "Für unsere Kursleiter ist das zum Teil ein herber Einschnitt", sagt Huth. Diese würden jetzt beispielsweise proaktiv über den Nothilfefonds für Solo-Selbstständige informiert.

Die fest angestellten Kollegen sind bei beiden Volkshochschulen größtenteils im Homeoffice. Bei der VHS Unterland laufen wie gewohnt im März und April die Absprachen für das Herbst-/Wintersemester. In Heilbronn werden diese Planungen um einen Monat vorgezogen. Peter Hawighorst: "Das klingt jetzt vielleicht pathetisch, aber wir wollen die Vorfreude steigern auf den Tag, an dem wir uns persönlich in den Kursen wiedersehen."

 

Stellungnahme des VHS-Verbandes

Der Direktor des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg , Dr. Hermann Huba, hat eine Stellungnahme abgegeben: Schon die Schließung bis zum 19. April stelle die gemeinnützigen Volkshochschulen, die über größere finanzielle Reserven ja gar nicht verfügen dürften, vor sehr ernste finanzielle Probleme. "Sollte die Betriebsuntersagung darüber hinaus verlängert werden müssen, geraten sie in existenzbedrohende Gefahr." Die vom Land getroffenen Maßnahmen seien sinnvoll und notwendig, dürften den Volkshochschulen und damit der Weiterbildung aber keinen irreparablen Schaden zufügen. "Deshalb müssen die Volkshochschulen und ihre Kursleitenden unter den Rettungsschirm des Landes", so Huba. 


Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

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