Wettlauf gegen das Coronavirus im Gesundheitsamt Heilbronn

Heilbronn  78 Mitarbeiter des Gesundheitsamts im Landkreis Heilbronn kämpfen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Landrat Detlef Piepenburg ist besorgt wegen zu wenig Schutzausrüstung - doch die Mitarbeiter Hotline haben noch ein anderes zentrales Problem: Gerüchte.

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Infektionsärztin Clarissa Voigt vom Gesundheitsamt hat derzeit alle Hände voll zu tun. Foto: Wolfgang Müller

Das Gesundheitsamt im Landratsamt Heilbronn arbeitet derzeit mit Hochdruck gegen die Ausbreitung des Coronavirus im Landkreis Heilbronn. "Das Virus ist unbekannt und aggressiv", sagte Landrat Detlef Piepenburg am Dienstag. Piepenburg rechnet mit einer weiteren Ausbreitung der Infektion. "Wir müssen schneller sein als das, was passieren kann", so der Chef des Landratsamtes.

Mitarbeiter sind an der Belastungsgrenze

Dazu gehöre auch, dass Mitarbeiter aus anderen Dezernaten im Gesundheitsamt mitarbeiten. 78 Mitarbeiter sind es derzeit. Dazu kommen weitere 65 Beschäftigte, die die Hotline des Gesundheitsamt bedienen. Allesamt arbeiten sie an der Belastungsgrenze. "Wir bekommen Tausende Anrufe", sagt Infektionsärztin Clarissa Voigt.

Die Themen reichen von Frage wie, was man bei einer Infektion tun soll bis hin zu allgemeinen Beschwerden über über die aktuellen Umstände und über das Gesundheitsamt selbst. "Unser größter Feind in der täglichen Arbeit ist aber die Gerüchteküche", sagt die Medizinerin. Auch Landrat Piepenburg warnt vor Gerüchten. "Wir müssen Stigmatisierungen verhindern", so der Verwaltungschef.

Noch mehr Kopfzerbrechen bereitet dem Landrat derzeit der Mangel an Schutzausrüstung. Demnach reichen Testkits für Abstrichproben, Masken, Schutzkittel und Brillen derzeit nur noch ein paar Tage, so Piepenburg. Nachschub ist bestellt, derzeit aber nur schwer zu bekommen.

Abstriche nur auf Überweisung des Hausarztes

Entsprechend gezielt nimmt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) die Tests in der Abstrichstelle des Landratsamts vor. Nur wer von einem Arzt geschickt wurde, wird getestet. Wer sich auf Verdacht aus Eigeninitiative testen lassen möchte, wird abgewiesen. 390 infizierte Personen im Landkreis Heilbronn sind Stand Dienstag nachgewiesen.

Piepenburg rechnet damit, dass die Zahlen in den kommenden Wochen ein wesentlich größeres Ausmaß annehmen werden. Über Berechnungsmodelle zu Dunkelziffern denken die Verantwortlichen beim Gesundheitsamt nicht nach.

Gesundheitsamt rekonstruiert Kontaktketten

Eine der größten Aufgaben sei derzeit die Rekonstruktion von Kontaktketten infizierter Personen. Entscheidend ist der Tag, an dem die ersten Symptome aufgetreten sind. Von da an rechnet das Gesundheitsamt 48 Stunden zurück und versucht zu recherchieren, wer mit dem Erkrankten Kontakt hatte.


Wolfgang Müller

Wolfgang Müller

Autor

Wolfgang Müller arbeitet seit Oktober 2000 in der Regionalredaktion der Heilbronner Stimme. Derzeit berichtet er hauptsächlich aus dem Zabergäu.

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