Wer trägt Schuld am Insektensterben?

Brackenheim  Rund 200 Interessierte kommen zur Podiumsdiskussion nach Brackenheim, um über Naturschutz in der Landwirtschaft zu diskutieren. Die Beteiligten fordern ein Umdenken.

Von Lisa Könnecke
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Wer trägt Schuld am Insektensterben?

Professor Ralf T. Vögele von der Universität Hohenheim hielt einen Vortrag über Landwirtschaft 4.0.

Foto: Ekkehart Nupnau

Wie viel Naturschutz steckt in der Landwirtschaft? Diese Frage bestimmte eine Podiumsdiskussion in Brackenheim. Dazu eingeladen hatte der Bezirksarbeitskreis Besigheim / Brackenheim des Evangelischen Bauernwerks in Kooperation mit dem Naturschutzbund (NABU) Kreisverband Heilbronn.

Das Thema beschäftigt viele

Der Andrang ist groß und ein Beleg dafür, dass das Thema brandaktuell ist. In der Weinkellerei reichen die 120 vorgesehenen Plätze kaum aus. Die Teilnehmerliste zählt rund 200 Interessierte. Melanie Burkhardt, die als Moderatorin durch den Abend führt, ist begeistert, dass "so viele Leute das Angebot annehmen und miteinander diskutieren wollen". Den Anfang macht Professor Ralf T. Vögele von der Universität Hohenheim. Der Experte für Pflanzenschutz ist überzeugt, dass eine Landwirtschaft ohne chemisch-synthetische Mittel möglich ist, jedoch sei das mit einem deutlich höheren Aufwand und mehr Kosten verbunden.

Die Zukunft der Branche sieht er deshalb vor allem in künstlicher Intelligenz, wie zum Beispiel autonom fliegenden Drohnen, die den Zustand der Pflanzen mühelos und von der Luft aus begutachten könnten. Die Landwirtschaft trage zwar ihren Teil zum Insektensterben bei, sei aber keinesfalls der Hauptverursacher.

"Forschung und Industrie haben versagt", da die Entwicklung neuer Pflanzenschutzmittel in den letzten Jahren stagnierte, so Vögele. Und auch beim Käufer müsse ein Umdenken stattfinden: "Ist der Verbraucher gewillt für Bioprodukte mehr zu zahlen, oder bevorzugt er weiterhin die günstigen Discounter-Preise?", fragt Vögele in die Runde. Ein Umdenken fordert auch Frank Braun, der als Obstbauer tätig ist.

Er räumt ein, dass Landwirtschaft zu betreiben zwangsläufig bedeutet, in die Natur einzugreifen. "Das geht nicht anders, wie sonst soll die Kartoffel beim Käufer landen?" Die entscheidende Frage jedoch lautet, wie mit dem Land gewirtschaftet wird. Mehr Blühstreifen zum Beispiel könnten helfen, die Lebensgrundlage der Bienen zu sichern. Für den Obstbauer ist klar: "Naturschutz ist ein Thema, das uns alle angeht."

Nicht allein die Landwirtschaft in die Verantwortung ziehen

Adolf Monninger von der NABU stimmt dem zu und kritisiert im Zuge dessen den zunehmenden Siedlungsbau der Städte. Die Landwirtschaft als einzelnen in die Verantwortung zu ziehen sei Wahnsinn. "Jeder muss sich an die eigene Nase fassen", mahnt er. Die Besucher beteiligen sich die zwei Stunden mit viel Herzblut und Engagement.

Eine letzte Stimme aus dem Publikum entlässt die Beteiligten nachdenklich und beendet den Abend wie er bereits begonnen hat: mit einer Frage. Ob nach dem Appell des Umdenkens nun weniger in den Urlaub fliegen, ihr Handy abgeben oder der Umwelt zuliebe vom Auto auf die Bahn umsteigen werden?


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