Wenn die Überwachungskamera keine Sicherheit bietet

Region  Videoüberwachung soll Schaden abwenden, zum Beispiel in Banken. Die überwachten Räume in der Region lassen sich jedoch selten bis in jeden Winkel ausspähen.

Von Heike Kinkopf

Trügerische Sicherheit
Das elektronische Auge sieht vieles, aber nicht alles. Attrappen sind selten, aber die Überwachung ist nicht lückenlos. Foto: DarkMediaMotion/stovck.adobe.com

Überwachungskameras hängen in Banken und Sparkassen. Parkplätze, Firmengelände, Discos und Sportstudios sind häufig videoüberwacht. Die Aufzeichnungen sollen im Fall der Fälle Hinweise auf Bösewichte oder auf den Ablauf eines Geschehens liefern.

Dass dem nicht unbedingt so ist, stellt eine Heilbronnerin fest, der beim Geldabheben am Bankautomat ein Missgeschick passiert. Anlass für einen kurzen Streifzug durch die Welt der Kameraaufzeichnungen.

Geld am Automaten vergessen

Eine 48 Jahre alte Heilbronnerin hebt am Geldautomat der Volksbank am Silcherkarree Geld ab. In Gedanken steckt sie die Girocard ein, geht zum Bäcker nebenan und merkt: Sie hat vergessen, die 50 Euro im Ausgabeschacht mitzunehmen. Zurück zum Automat. Das Geld ist weg. Die Scheine wurden jedoch nicht wieder eingezogen, ein anderer hat sie mitgenommen.

"Ich dachte, die Videoaufnahmen zeigen den Vorgang", erzählt sie. Die Volksbank fordert sie auf, Anzeige zu erstatten, dann könne man die Videoaufnahmen sichten und auswerten. Die Polizei informiert sie ein paar Tage später, dass keine Aufnahmen existieren. "Wie kann das sein?", fragt sich die Frau.

"Ein technischer Defekt, das kann passieren", sagt Sascha Straub, Kommunikationschef der Bank. Grundsätzlich sind die Geldautomaten aller Banken und Sparkassen mit Kameras ausgestattet - eine Vorschrift zur Unfallverhütung.

Attrappen sind selten

Der Hinweis an Geldautomaten auf eine Kameraüberwachung ist folglich keine Täuschung. In anderen Fällen schon. "Es kommt vor, dass die Polizei nach einem Raub oder Einbruch denkt, dass Überwachungskameras angebracht sind, und das ist dann nicht der Fall", sagt Rainer Köller, Sprecher des Präsidiums Heilbronn. Dass trotz Hinweisschilds und vermeintlicher Kameras in Privatgebäuden und Geschäften nicht gefilmt werde, sei ein "absoluter Einzelfall".

Kamera ja oder nein? Beispiel stationäre Blitzersäulen. 14 Geschwindigkeitsmessanlagen stehen in Heilbronn, etwa auf der Allee. Nicht in jeder befindet sich eine Kamera. Deren Anschaffung ist teuer. Deshalb gibt es nur neun Aufzeichnungsgeräte. Sie kommen im Wechsel in den 14 Säulen zum Einsatz. "Die Leute orientieren sich an den Säulen und fahren langsamer", sagt Rathaussprecher Christian Britzke - weil Autofahrer nicht wissen können, ob eine Säule tatsächlich bestückt ist.

Fahrerflucht in der Tiefgarage

Kameras gibt es auch in der Harmonie-Tiefgarage. Wer beim Ein- und Ausparken einen Kratzer an einem fremden Auto hinterlässt und Fahrerflucht begeht, hat schlechte Karten, so die Annahme. "Nur die Kassenautomaten und die Ein- und Ausfahrt sind videoüberwacht", präzisiert ein Sprecher des Betreiberunternehmens B&B Parkhaus. Die einzelnen Stellplätze werden nicht beobachtet. "Die Kameras müssten gewartet werden, und die Kosten würden sich in den Gebühren niederschlagen."

Wenn die Polizei wegen einer angezeigten Fahrerflucht in der Tiefgarage die Videos durchforstet, so die Erfahrung von Bereichsleiter Andrä Helbing, "führt das selten zum Erfolg."

 

 


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