Wenn Eichhörnchen-Babys Anschluss suchen

Heilbronn  Bei der Polizei in Karlsruhe ging am Donnerstag ein Notruf ein. Ein Mann bat um Hilfe. Er werde von einem Eichhörnchen verfolgt, das Tierchen lasse sich nicht abhängen. Jetzt kümmert sich eine Tierärztin um den Nager.

Von Solveig Giesecke

Es kommt häufig vor, dass Jungtiere hinter Menschen herlaufen. Dann suchen sie Hilfe. Die kleinen Nager sehen den Menschen vor allem in Städten inzwischen als Freund, nicht als Bedrohung. Dann versorgt ihre Mutter sie nicht mehr. 

Eichhörnchen-Baby Karl-Friedrich gerettet

Dieses Eichhörnchen verfolgte einen Mann in Karlsruhe. Vermutlich kann das junge Tier nicht mehr von seiner Mutter versorgt werden. Foto: Polizei

Jüngstes Beispiel: Karl-Friedrich. Dem kleinen Eichhörnchen geht es prächtig. „Es ist wieder quietschvergnügt“, freut sich Uwe Lässig. Als er das Jungtier am Donnerstag von der Polizei übernahm, war der kleine Nager „dehydriert und völlig erschöpft“, sagt der Tiernotretter. „Kein Wunder, er musste ja lange hinter dem Mann herrennen -  bei der Hitze!“

Was war geschehen: Bei der Polizei in Karlsruhe ging am Donnerstag ein Notruf ein. Ein Mann bat um Hilfe. Er werde von einem Eichhörnchen verfolgt, das Tierchen lasse sich nicht abhängen. Bis in seine Wohnung war es hinter ihm hergelaufen. Die Beamten schalteten schnell: Dem „Opfer“ wurde erklärt, dass es bitte stehen bleiben solle, bis die Polizei eintreffe, ihm werde sicher nichts geschehen, versicherten die Beamten.

Mensch, bitte hilf mir!

„In Baden-Württemberg gibt es zurzeit keine Tollwut“, beruhigt Experte Lässig von der UNA-Tierrettung. Und beißen würden Eichhörnchen auch nicht. Die Jungtiere suchten schlicht Hilfe in Not. „Das kommt sogar recht häufig vor“, fährt er fort. „Wenn Eichhörnchen-Babys nicht mehr von ihrer Mutter versorgt werden, etwa weil sie überfahren wurde, dann suchen sie Anschluss an Menschen.“ Die niedlichen Nager seien zumindest in Städten inzwischen so geprägt, dass Menschen als Freunde und nicht als Gefahr betrachtet würden. 

Tierrettung informieren

Als die Streifenbeamten den „Tatort“ erreichten, war der Zwerg tatsächlich ganz friedlich und völlig erschöpft zu Füßen „seines“ Menschen eingeschlafen. Die Beamten verständigten die Tierrettung.

Uwe Lässig nahm zunächst eine „Erstversorgung“ vor. „Ich habe ihm mit einer Pipette Traubenzuckerwasser gegeben, den Kreislauf so stabilisiert.“ Dann brachte er den kleinen Kerl zu einer Tierärztin, die auf Wildtiere spezialisiert ist. „Er ist erst wenige Wochen alt, aber gesund.“

Aufpäppeln und auswildern

Dort ist der süße Nager, den die Polizeibeamten Karl-Friedrich getauft hatten, nun in einer großen Voliere zusammen mit anderen Eichhörnchen-Patienten. „Das ist wichtig, damit er weiterhin mit seinesgleichen sozialisiert wird“, sagt Lässig. Denn: „In zwei Wochen, wenn er ordentlich aufgepäppelt ist, wird er wieder ausgewildert.“

Tipps für „Ersatzmütter“

Wer selber einmal in die Situation kommt, dass ein Tierjunges - das sind zwar meist Eichhörnchen, so Lässig, aber auch Enten- und Tauben-Junge suchen Hilfe bei Menschen -, dem rät der Tierretter: Stehen bleiben, einige Minuten lang die Situation beobachten. Ist das Tier wirklich verlassen oder ist Mutter nur gerade unterwegs? Dann die Tierrettung anrufen. Entweder wird gleich am Telefon geholfen oder ein lokaler Tierretter kommt und kümmert sich um das Findelkind. Lässigs Bitte: „Selbst, wenn die Kleinen noch so niedlich und hilfsbedürftig sind: Nicht mit nach Hause nehmen, sondern uns oder einen Tierarzt oder die Polizei rufen und bitte vor Ort abwarten.“

Kontakt Tierrettung

Wer ein hilfloses Tier findet, kann sich an die Tierrettung wenden. Es gibt eine bundesweit gültige Telefonnummer: 0700-95295295. Weitere Infos gibt es hier: http://tierrettungsdienst.eu/. Oder man wendet sich an die Tierrettung Unterland, Telefon: 07132 - 85 99 719, Infos unter http://tierrettung-unterland.de/.