Wengerter lesen wenige Trauben, freuen sich aber über deren Qualität

Möglingen/Region  Vier, fünf Wochen nach dem Start ist die Traubenlese in Württemberg auf der Zielgeraden. Der Genossenschaftsverband zog am Donnerstagmittag eine zweischneidige Bilanz. Die Qualität des 2019ers sei gut, die Menge aber relativ klein.

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Richtig los legten die Lesemannschaften Mitte September, so wie es sich mit der Klimaerwärmung in den letzten zehn Jahren eingespielt hat. Foto: Archiv/Mugler

Auf dem Amalienhof bei Beilstein begann die Lese mit dem frühreifen Wildmuskat bereits am 3. September, also rund zwei Wochen später als im heißen Vorjahr, aber trotzdem zehn bis 14 Tage vor den meisten anderen Betrieben in der Region. Richtig los legten die Lesemannschaften in der Heilbronner Weindorfwoche, also Mitte September, so wie es sich mit der Klimaerwärmung in den letzten zehn Jahren eingespielt hat.

Im Laufe der zweiten Oktoberwoche legte der Großteil der Wengerter in Hohenlohe, Heilbronner Land und Kraichgau nach einigen Wetterkapriolen die Schere aus der Hand. Nur hie und da hängen in den Weinbergen zwischen Gundelsheim und Neckarwestheim, zwischen Eppingen und Dörzbach noch Trauben, die für besondere Tropfen reserviert sind.

Oechslewerte sprechen für hervorragende Qualitäten

Verbraucher dürfen aber auch bei ganz normalen 2019er-Qualitätsweinen aus Literflaschen mit guten bis sehr guten Tropfen rechnen. Die durchschnittlichen Mostgewichte bei den Württemberger Hauptsorten liegen in Württemberg fast durch die Bank im Spätlesebereich: Riesling 86 Grad Oechsle, Schwarzriesling 90 Grad, Spätburgunder 89 Grad, Trollinger 77 Grad und Lemberger 86 Grad Oechsle. Mehr als ein Wermutstropfen: Die Menge liegt weit unter den Erwartungen.

Wermutstropfen: Menge fällt ernüchternd aus

So zog der Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV) pünktlich zum Herbstfinale am Freitag in Möglingen eine zweischneidige Herbstbilanz. Laut Präsident Roman Glaser rechnen die 36 Weingärtnergenossenschaften (WG) in Württemberg mit einer Ausbeute von rund 63,5 Millionen Litern (Vorjahr 83,2 Millionen Liter). Der Ertrag liege damit – bei regionalen Unterschieden – bei nur 85 Liter pro Ar.

Die WGs decken 70 Prozent der knapp 11.400 ha Gesamtrebfläche in Württemberg ab, der Rest kommt vor allem von Gütern und zum kleineren Teil von Kellereien und minimal von reinen Besenwengertern. Hochgerechnet aufs ganze Gebiet sei 2019 schätzungsweise mit nur 91 Millionen Liter Württemberger zu rechnen, sagte WZG-Chef Dieter Weidmann: weniger wegen Frühjahrsfrösten oder Hagelschäden vor allem wegen Trockenheit und Hitze, die im Juli viele Beeren zu Rosinen schrumpeln ließ.

Ein Jahr mit manchen Wetterkapriolen

Das Vegetationsjahr erwies sich auch dieses Jahr wieder als außergewöhnlich: Nach einem eher gemäßigten Jahresbeginn und einem warmen März begann die Vegetation recht früh. Der kühle Mai bremste die Entwicklung etwas, so dass die Blüte der Trauben um den 20. Juni abgeschlossen war. Der Sommer wird vielen mit seinen Rekordtemperaturen von zum Teil über 40 Grad Celsius und schweren Gewittern in Erinnerung bleiben. Beides ging nicht spurlos an den Trauben vorüber. Die Weingärtner hatten oftmals Sonnenbrand an den Trauben zu beklagen.

Als besonders anfällig erwiesen sich in diesem Jahr Riesling und Trollinger. Mancherorts kam es auch zu Schäden durch Frost. „Die Trauben befinden sich dennoch in einem sehr guten Gesundheitszustand“, berichtet BWGV-Beraterin Ute Bader aus Horkheim. Die Reben hätten die Hitze und Trockenheit in den Sommermonaten, aber auch den Regen auf der Zielgeraden in den meisten Fällen „gut gemeistert und blieben ausreichend vital“.

 


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