Welt hinter Gittern lebt im Buga-Treffpunkt auf

Heilbronn  Von Grillsmoker bis Nistkasten: Produkte aus Haftanstalten sind in besonderer Ausstellung zu sehen. Weinprobe, Gläserne Produktion von Taschen aus Reifenplanen und Schaugrillen sind Angebote. Eine begehbare Musterzelle zeigt die Lebenswelt eines Häftlings.

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Welt hinter Gittern lebt im Buga-Treffpunkt auf

Bunter Blickfang auf der Buga-Ausstellung mit Produkten aus Haftanstalten: ein Stand mit Taschen aus Reifenplanen, hinten Tierfiguren aus Holz.

Foto: Mario Berger

Einen kleinen Einblick in die Welt hinter Gittern erhalten und vielfältige Produkte von Gefangenen ansehen oder auch kaufen: Das ist seit gestern auf der Buga im Treffpunkt Baden-Württemberg möglich. Die letzte von 34 Ausstellungen dreht sich bis zum Buga-Schlusstag am 6. Oktober nicht nur um Metall- und Holzprodukte, die in den Arbeitsbetrieben der Vollzugsanstalten im Südwesten von Häftlingen produziert werden. Die Schau zeigt mit einer nachgebauten Musterzelle auch, wie viel Platz und welches Mobiliar einem Häftling in Adelsheim auf zehn Quadratmetern zur Verfügung stehen. Ein Plakat listet einen typischen Tagesablauf im Gefängnis auf.

Ein Beitrag, um Häftlinge zu resozialisieren und den Wert ihrer Arbeit zu verdeutlichen

"Wir freuen uns, wenn wir der Öffentlichkeit den Alltag und die Arbeiten im Gefängnis vorstellen können", sagte Patrick Herrling, Hauptgeschäftsführer Landesbetrieb Vollzugliches Arbeitsleben, gestern zum Auftakt. Für die Gefangenen sei es ein Stück Resozialisierung, wenn sie sehen, dass die von ihnen gefertigten Produkte "einen Wert haben und benötigt werden".

Beim Rundgang durch die Schau fallen überraschende Dinge ins Auge. Ein Pizzaofen und ein großer Grillsmoker stehen in einer Ecke, Produkte, die aus der Haftanstalt Bruchsal stammen. Ist es erlaubt, echten Firmen Konkurrenz zu machen? Man müsse "ortsübliche Preise anbieten", erläutert JVA-Angestellter Benjamin Mutz.

Welt hinter Gittern lebt im Buga-Treffpunkt auf

Nur zur Probe sitzt der JVA-Beamte in der Musterzelle der Ausstellung.

Foto: Mario Berger

Tasche mit kleinen Handschellen weckt das Interesse einer Besucherin

Für die bunten Jailers-Taschen aus Lkw-Planen, ein Verkaufsschlager aus dem Heilbronner Gefängnis, interessieren sich einige Kunden. Den Preis einer Tasche mit kleinen Handschellen als Schloss (rund 50 Euro) erfragt Beate Reinhold aus Bönnigheim. "Ich finde sie einfach witzig. Das ist mal was anderes."

In der Musterzelle sind Originaltöne aus dem Heilbronner Gefängnis zu hören, murmelnde Gespräche, Sägelaute aus der Schreinerei, metallenes Klopfen aus der Schlosserei. Dass man die umfangreiche Ausstellung seit gut einem Jahr mit den Kollegen aus anderen Anstalten plane, erklärt Heilbronns Gefängnisleiter Andreas Vesenmaier.

Auch Weine, Säfte und Sekte stehen auf dem Programm

Nistkästen, Holzherzen mit geflügelten Worten, eine Weihnachtskrippe, Engel, große Kerzen oder Elche aus Holz sind zu sehen, metallene Gartenlauben, gemütliche Sitzsäcke oder ein wiederverwendbarer "Fairbecher", der aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird. Die Talheimer Gefängnis-Außenstelle Hohrainhof bietet Weine, Sekte und Säfte an.

Besondere Programmpunkte sind: Mit Kindern werden ein Wildbienenhotel gebastelt und T-Shirts bedruckt. Erwachsene lädt der Hohrainhof am  29. September, 3. und 6. Oktober zur Weinprobe ein. Ein Pizza-Schaubacken im Pizzaofen steht am 28. September, 3. und 6. Oktober im Kalender. Am Donnerstag zeigt die Heilbronner Anstalt in einer Gläsernen Produktion ab 10 Uhr, wie die Jailers-Taschen gefertigt werden.

 

Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.   

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