Weindorf profitiert von Buga und Wassershow-Chaos

Heilbronn  Das Heilbronner Weindorf erlebt bei gutem Wetter und durch die Buga einen wahren Boom. Bisher kamen über zehn Prozent mehr Besucher als im Rekordjahr 2018. Die Neuerungen kommen bei den Besuchern gut an.

Sonne pur, erfrischende Weine, strahlende Gesichter und - laut Polizei und DRK - keine schlimmen Entgleisungen: Das 49. Heilbronner Weindorf erlebte ein Auftakt-Wochenende nach Maß. Bis zu 120.000 Besucher dürften in den ersten vier Tagen ihre Runden ums Rathaus gedreht haben, schätzt Steffen Schoch von der Heilbronn Marketing GmbH (HMG). Das wären über zehn Prozent mehr als im Rekordjahr 2018.

Buga und Weindorf haben sich laut Schoch "gegenseitig befruchtet". Wegen der überfüllten Lichtershow bogen etliche aufs Weindorf ein. Auch Touristen übten den "Doppelpass", wie etwa die Hoffmanns aus Mannheim, die am Familien-Sonntag an Aufführungen junger Athleten von Sportkreis und Turngau sowie am Radelrutsch-Theater Spaß fanden.

Auch interessant: Die Buga-Eingänge mussten wegen des großen Besucherandrangs schon vor Beginn der fünf Wassershows geschlossen werden

 

Weindorf profitiert von Buga und Lichtershow-Chaos

Die Band "Feel" aus Neuenstadt-Stein heizte am Marktplatz die Stimmung mit Cover-Songs an.

Kultiviertes Publikum, erfrischende Weine

Abends sprachen selbst Anwohner wie Gerlinde Noller und das Ehepaar Kern von einem "bunt gemischten und kultivierten Publikum". "Früher war's nicht immer so", meinte Herbert Kern, der schon 1971 mit von der Partie war. "Auch die Musik und der Wein sind besser", gab Elisabeth Kern beim Grauburgunder der Weingärtner Stromberg-Zabergäu zu verstehen.

Während auf fünf Bühnen Bands in unterschiedlicher Qualität und Lautstärke Musik machten, brachte am Marktplatz die Gruppe "Feel" mit Cover-Songs Gäste "und Gläser zum schwingen", sagte Wengerter-Sprecher Martin Heinrich. Später gab es an manchen Ecken kaum ein Durchkommen. Selbst angekettete Café-Stühle in der Sülmer City waren besetzt.

"Hieß der Stand da letztes Jahr nicht Weinpiraten?", wurden die "Neckarpiraten" gefragt. Wie Tatjana Willy bestätigte, musste der Stand aus markenrechtlichen Gründen umgetauft werden. "Wo sind denn meine Fleiner?", fragten sich nicht nur Lokalpatrioten im Innenhof. "Wir sind gerne an die Lohtorstraße abgewandert", erklärte Wengerter Markus Eberle, "als eine Art Brückenkopf zur Jugend in der Sülmer City".

Weindorf profitiert von Buga und Lichtershow-Chaos

Neben zwei Lauben und dem RBS Food Team feierten Öko-Winzer mit einem eigenen Stand Premiere.

RBS Food Team erntet Applaus von Gastro-Guru Geisel

Gar nicht mehr im Dorf ist Imbiss-Dame Marion Rathgeber, wodurch die Nachfolger hinterm Rathaus damit leben müssen, dass nach wie vor "Marions Süßkartoffel-Pommes" bestellt werden, wie Matthias Hornung vom RBS Food Team durchblicken ließ. Trotz "kleiner Kinderkrankheiten" sprach er von einem gelungenen Einstand.

Auch für die angegliederte Sparkassen-Laube gebe es nach anfänglicher Zurückhaltung inzwischen viele Reservierungen. "Wie die Jungs hier Schwäbisches zeitgemäß und mit Humor anbieten, ist toll", befand der ehemalige Slow-Food-Deutschland-Präsident Otto Geisel, der als Dozent der Dualen Hochschule mit Studenten zehn von 140 Weindorf-Speisen testete. Etliche Branchenkenner schätzen das Fest. Für Sonntagabend hatte sich die aus Funk und Fernsehen bekannte Star-Sommeliere Natalie Lumpp aus Baden-Baden angesagt.

Weißwein ist der große Renner

Im Mittelpunkt stand freilich der Wein. "Der Trend zum Weißwein ist ungebrochen", sagte Michael Eißler. Für den neuen Heilbronner WG-Chef ist "dieses Fest ein Phänomen". Nicht zuletzt der neue Öko-Stand am Marktplatz zog die Blicke auf sich. "Wir haben versucht Tradition und Moderne unter ein Dach zu bekommen", erklärte Wengerter Andreas Stutz. "Öko und Bio" seien derzeit in aller Munde, meinte er, auch deshalb stehe der Stand Heilbronn gut zu Gesicht.

 

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