Weinbaupräsident: Wir sind beim Artenschutz schon Weltmeister

Heilbronn  Weinbauverband und Grüne üben ungewöhnliche Koalition - Entwurf zum Volksbegehren würde Weinbau unmöglich machen

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Während die Traubenlese bei Familie Albrecht-Kießling auf Hochtouren läuft, diskutieren in ihrem Weingut Funktionäre das Bienen-Volksbegehren.

Foto: Dennis Mugler

"Wer weiterhin Württemberger trinken und sich an der Reblandschaft erfreuen will, kann das Volksbegehren zum Artenschutz in seiner jetzigen Form nicht unterschreiben." Dies betont pünktlich zum Start der Unterschriftenaktion von "Rettet die Bienen" Weinbaupräsident Hermann Hohl. Er diskutierte gestern mit Landtagsabgeordneten von Grünen und SPD. Mit der CDU habe er schon gesprochen, die FDP folge noch. Nur die AfD habe bisher kein Interesse gezeigt.

Die Kulturlandschaft würde sich "radikal verändern"

Der Gesetzentwurf würde in Schutzgebieten den Weinbau "völlig unmöglich" machen. Viele Betriebe stünden dann vor das Aus. Die Kulturlandschaft würde sich "radikal verändern". Unmittelbar betroffen wären 30 bis 40 Prozent aller Rebflächen zwischen Stromberg, Bodensee und Hohenlohe. Aber auch außerhalb der Schutzgebiete wäre der Weinbau gefährdet. "Ohne Pflanzenschutzmaßnahmen gibt es keine Traditionssorten, auch nicht mit der geforderten Halbierung der Mittel", betont Hohl. Ausnahmeregelungen führten "nur zu noch mehr Bürokratie".

Gleichzeitig begreift der Weinbaupräsident das Volksbegehren als Chance, die Bevölkerung darüber aufzuklären, was Winzer jetzt schon zur Artenvielfalt beitragen. Insektizide würden in Württemberger-Rebanlagen "fast gar keine mehr gespritzt". Gegen tierische Schädlinge greife vielmehr die biomechanische Verwirrmethode durch Sexualduftstoffe. "Hier sind wir Weltmeister." Auch der Einsatz von Herbiziden sei stark reduziert worden, stattdessen begrüne man die Rebgassen und entferne unerwünschtes Grün unter den Stöcken immer öfter mechanisch. Gleichzeitig würden − etwa über die Aktion "Lebendiger Weinberg" − vermehrt Bäume gepflanzt.

Ziel sei die Stärkung des Ökosystems 

Auf Fungizide indes könne nicht verzichtet werden, weil die einst aus Amerika eingeschleppten Mehltaupilze heimische Traditionssorten zum Faulen bringen. Über eine gezielte Beratung werde der Einsatz hier auf das Nötigste reduziert.

"Ziel unserer Arbeit ist es, das Öko-System zu stärken. Wir leben schließlich von der Natur", betont Peter Albrecht als Vizepräsident. Auf seinem Weingut zeigen die Grünen-Abgeordneten Martin Hahn (Bodensee), und Susanne Bay (Heilbronn) gestern ein offenes Ohr für Wengerter. Hahn betont, "die Ziele des Volksbegehrens stimmen zu großen Teilen mit der grünen Programmatik überein, die Stoßrichtung ist okay". Dabei dürfe der Naturschutz aber nicht gegen Landwirte arbeiten, sondern nur mit ihnen. Der aktuelle Gesetzentwurf sei in manchen Punkten unrealistisch, er enthalte unklare Begriffe, mehrdeutige Formulierungen und gesetzestechnische Ungenauigkeiten.

Volksbegehren als wichtiger Impuls 

Die Grünen wollen "gegebenenfalls einen eigenen Gesetzentwurf vorlegen, der den gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen besser gerecht wird", so Hahn, der selbst Öko-Bauer ist. Deshalb sei man bereits mit Verbänden und Landwirten im Austausch, um "eine Allianz zu bilden". Hahn stellt gleichzeitig klar: Das Volksbegehren sei ein wichtiger Impuls für eine intensive öffentliche, möglichst sachliche und unpolemische Auseinandersetzung darüber, "wie mehr Artenschutz erreicht werden kann".

"Wer Wein will, darf nicht unterschreiben."

Hermann Hohl


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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