Weihnachtseinkauf zwischen Stadt und Netz

Region  Am Samstag waren die Fußgängerzone und die Läden voll mit Menschen. Lebensmittelhändler müssen vor Weihnachten gut planen.

Von Manfred Stockburger

Weihnachtseinkauf zwischen Stadt und Netz

Volle Tüten verkünden es: Am Samstag war die Stadt nicht nur mit Schaufensterbummlern voll.

 

Noch sechs Einkaufstage sind es bis Weihnachten. Langsam wird die Zeit knapp für alle, die noch keine Geschenke haben − oder nicht wissen, was über die Feiertage auf den Tisch kommen soll. Am Samstag waren in Heilbronn Innenstadt und Geschäfte voll mit Kunden, die es nicht auf den letzten Moment ankommen lassen wollen.

Den Eindruck, dass es für den Heilbronner Einzelhandel ein guter Tag war, bestätigt Thomas Gauß, Sporthändler und Vorsitzender der Stadtinitiative. "Wir hatten einen sehr guten Samstag mit einer guten Frequenz und einer hohen Kauflbereitschaft", sagt er. Insgesamt liege man jetzt über dem Vergleichswert aus dem Vorjahr.

Zusätzliches Personal

Bei Galeria Kaufhof war der dritte der bislang umsatzstärkste Adventssamstag. "Die anderen waren gut, aber jetzt brummt es richtig", sagt Geschäftsführer Wolfram Struth. Mit Spannung blickt er auf die nächsten Tage. "Wir haben zusätzliches Personal eingeteilt." Er erwartet einen kräftigen Ansturm: "Die Onlinehändler werden bald nicht mehr rechtzeitig liefern können, auch die Paketdienste werden es nicht mehr schaffen. Aber wir sind bis zum 23. Dezember da." Bisher seien vor allem Klassiker wie Uhren, Schmuck und Spielwaren gefragt.

In vielen Branchen macht sich der wachsende Online-Handel bemerkbar. Hinter vorgehaltener Hand sagen einige Händler, dass die Frequenz in der Innenstadt zuletzt relativ schwach gewesen sei. So werde sichtbar, wie schnell der Internet-Anteil wächst, heißt es.

Nach Angaben des Branchenverbandes HDE sind bislang deutschlandweit Geschenke im Wert von zwölf Milliarden Euro im Internet bestellt worden − dem Onlinehandel prognostiziert der Verband ein Plus von zehn Prozent, stationären Geschäften einen Zuwachs um nur drei Prozent.

"Die Leute kommen und staunen"

"Der Handel ist eben ein Spiegel der Gesellschaft", findet Stadtgalerie-Centermanagerin Alina Fischer. In ihrem Haus sei die Frequenz auf Vorjahresniveau. "Das ist schon gut, Wachstumtreiber ist der Onlinehandel", bestätigt sie. Als Center habe man den Vorteil, mit neuen Mietern das Angebot verändern zu können. Gut angenommen wird etwa das Küchenbedarfsgeschäft Cookmal: Der Laden ist voll am Samstagnachmittag, dabei ist bisher kaum bekannt, dass es in Heilbronn eine Filiale der Kette gibt. "Die Leute kommen und staunen", sagt Heilbronn-Chefin Jacqueline Maier. "Und sie kaufen auch." Hochwertige Messer beispielsweise und teure Küchenmaschinen.

Weihnachtseinkauf zwischen Stadt und Netz

Jürgen Wegners Geflügel stammt aus Schwarzenweiler bei Forchtenberg. Auf dem Heilbronner Wochenmarkt berät er Michaela Freihardt beim Einkauf. Am Donnerstag sind die Stände bis 18 Uhr geöffnet.

Fotos: Andreas Veigel

 

Nicht nur Küchengeräte sind an Weihnachten gefragt, sondern auch Lebensmittel. Auf dem Wochenmarkt gehört ein Schwätz immer dazu. "Wir haben schon viele Bestellungen", erzählt Ulrich Fritz, vor dessen Stand ein Schild "Obst und Gemüse von glücklichen Bauern" verspricht. Ein bisschen kann er deswegen jetzt schon abschätzen, was kommendes Wochenende gefragt sein wird − bis Donnerstagabend nimmt der Markthändler noch Bestellungen entgegen.

Sehr gespannt ist er auf den Andrang am kommenden Samstag. Ob er wohl genügend Ware auch für diejenigen haben wird, die erst um elf oder zwölf Uhr kommen? Er will's versuchen.

Was wollen die Kunden? Mit der Frage nach dem richtigen Sortiment und der richtigen Menge schlagen sich nicht nur Marktbeschicker herum, sondern auch die Großen. Jan Bock, Deutschland-Chefeinkäufer von Lidl, setzt auf Exquisites: "Mit unserem Deluxe-Sortiment wollen wir unsere Kunden überraschen", sagt er. Edle Öle gibt es, Fisch oder Whisky. "Wir freuen uns, dass die Artikel sehr beliebt sind." Genaueres ist ihm nicht zu entlocken.

Planung ist wichtig

"Wer gut isst, streitet nicht", steht auf vielen Plakaten in der Kaufland-Filiale in der Stuttgarter Straße in Heilbronn. Voraussetzung dafür ist ein voller Kühlschrank. Weil der Heiligabend auf den vierten Adventsonntag fällt, erfordert das dieses Jahr besondere Planung. Wer eine Gans vorbestellen möchte, um am Samstag der Schlacht an der Kühltheke zu entgehen, ist zu spät dran. "Diese Aktion ist vorbei", bedauert Hausleiter Marco Linder.

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Karpfen gefällig? Lebensmittelhändler wie die Kaufland-Filiale in der Stuttgarter Straße sind vorbereitet.

Foto: Stockburger

 

Ansonsten ist er mit seinem Team darauf bedacht, dass der Einkaufsstress in der Vorweihnachtszeit möglichst gering bleibt. Dazu gehört nicht nur, dass die Regale nicht dann eingeräumt werden, wenn die meisten Kunden im Laden sind. Er überlässt die Käufer aber schon auf dem Parkplatz nicht sich selbst: Dort sind Wächter abgestellt, den Kunden passende Parklücken zu zeigen.

Bis Samstagabend um 22 Uhr muss seine Mannschaft durchhalten, dann kann es auch für sie Weihnachten werden.