Wasser-Infrastruktur kostet viel Geld

Region  Vergleicht man die Trinkwasserpreise über einen langen Zeitraum, schwanken sie stark. Die Grünen warnen vor rasant steigenden Preisen. Wir haben nachgerechnet, wie es um das Trinkwasser in der Region bestellt ist.

Von Christian Gleichauf
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Die Grünen-Bundestagsfraktion warnt vor steigenden Wasserpreisen und rechnet vor, dass die Deutschen gegenüber dem Jahr 2005 inzwischen rund 50 Euro pro Jahr mehr für ihr Wasser bezahlen. Es ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten, weil in dieser Zahl auch Abwassergebühren berücksichtigt wurden. Unsere Zeitung nimmt das zum Anlass genommen, die reinen Trinkwasserpreise ohne Abwasseranteil einmal unter die Lupe zu nehmen.

In der Region liegen Preissteigerungen unter dem Landesschnitt

In Baden-Württemberg stiegen die Trinkwasserpreise zwischen 2005 und 2017 um 21 Prozent. Die Region liegt sogar darunter. Im Landkreis Heilbronn waren es nur 17 Prozent, in der Stadt Heilbronn 13 Prozent. Gerade die Stadt Heilbronn ist mit 2,42 Euro pro Kubikmeter Frischwasser aber auch vergleichsweise teuer. Allerdings kommt es auf den Vergleich an. Stuttgart verlangt 2,61 Euro.

Hohe Wasserpreise haben viele Ursachen. Eine Ursache haben sie aber nicht: Mit Trinkwasser werden keine Gewinne von Unternehmen maximiert. Die Gemeinden, Stadtwerke, Zweckverbände müssen in diesem Bereich gebührendeckend arbeiten, erklärt Karin Rommel vom Statistischen Landesamt in Stuttgart, die die Daten für unsere Zeitung zusammengestellt hat.

Roigheim steht beim Trinkwasser an der Spitze

Ein Blick auf die Rangliste der stärksten Preisanstiege in der Region zeigt Waldenburg an der Spitze vor Widdern. Auch hier sind Prozentwerte natürlich nur bedingt aussagekräftig. Waldenburg verlangt mit drei Euro pro Kubikmeter Frischwasser inzwischen zwar recht viel. Doch Widdern ist hier mit 4,82 fast so teuer wie Roigheim, wo der Preis bei 5,03 Euro liegt - das ist landesweit der Spitzenwert.

Zusammen mit dem Schmutzwasserpreis liegt Widdern aber wieder vorn. 7,87 Euro pro Kubikmeter werden unter dem Strich abgerechnet. Teurer ist es nur noch in Beuron im Donautal. Als kleiner Ort mit steilen Hängen und weiten Leitungswegen hat Widdern hier grundsätzlich Nachteile. Zudem musste die in die Jahre gekommene Wasser- und Abwasserinfrastruktur in den vergangenen Jahren auf Vordermann gebracht werden. Eine Gemeinschaftskläranlage wurde gebaut. Kosten, die vom Gebührenzahler getragen werden.

Wasser wird gestreckt

Hohe Nitratbelastung ist auch in der Region ein Problem. Allerdings müssen die Rückstände aus der Landwirtschaft nicht mit großem Aufwand herausgefiltert werden. Stattdessen streckt man das Wasser aus so manchem nitratbelasteten Brunnen mit Bodenseewasser. Die Kosten für dieses nitratarme Wasser aus der Ferne sind vergleichsweise hoch. Das führt dazu, dass die Wasserpreise in Heilbronn und im Umland häufig höher sind als im Landesschnitt. Sprunghafte Preisanstiege, wie sie die Grünen prophezeien, können so aber wohl auch in Zukunft vermieden werden.

Das ist allerdings nicht das einzige Problem. Sorgen macht auch der steigende Pro-Kopf-Verbrauch von Medikamenten. Umweltschädliche Wirkstoffe, die etwa über menschliche Ausscheidungen ins Abwasser gelangen, landen am Ende über das Grundwasser wieder im Trinkwasser. Hier würde nur ein konsequenter Ausbau der Kläranlagen mit neuen Filteranlagen helfen. Solche Kosten würden dann die Abwassergebühren in die Höhe treiben.

Es geht aber auch günstiger

Bleibt noch ein Blick auf die andere Seite der Rangliste. In Eppingen, Kirchardt und Ittlingen sind die Preise nicht nur gesunken, sie liegen auch auf einem äußerst günstigen Niveau von 1,37 Euro pro Kubikmeter. Der Zweckverband hat seine größten Investitionen in den 90er Jahren geschultert. Seitdem wird kontinuierlich investiert, um Preissprünge zu vermeiden. Insgesamt sind die Kraichgau-Gemeinden durch die Topografie im Vorteil.

 


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