Was über das Giftunglück in der Schozach bisher bekannt ist

Ilsfeld  Gift im Fluss, tote Fische und Ermittlungen: Wer bei all den Nachrichten über das Unglück in der Schozach den Überblick verloren hat, findet hier Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Alexander Klug
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Schozach

Helfer holen nach dem Auslaufen einer Chemikalie in Ilsfeld tagelang tote Fische aus Gruppenbach, Schozach und Neckar.

Foto: Archiv/Seidel

Vom Gelände einer Spedition in Ilsfeld fließt eine Chemikalie in Gruppenbach und Schozach. Tausende Fische sterben im Verlauf der beiden Gewässer − selbst in Heilbronn werden noch Tierkadaver angeschwemmt. Helfer von Feuerwehr und Bauhöfen sind im Einsatz, sammeln Fische ein und deponieren sie in Containern, Proben werden genommen, Kanäle gespült.

Das Giftunglück hat hohe Wellen geschlagen, nicht nur an den Ufern der betroffenen Gewässer im Süden des Landkreises Heilbronn. Die wichtigsten Fragen und Antworten in der Übersicht.

Welche Flüssigkeit war es und wie viel davon?

Bei der Flüssigkeit handelt es sich um rund 1000 Liter einer Chemikalie namens "Dehypon LS 54". Dabei handelt es sich um einen hochkonzentrierten Stoff auf Alkoholbasis, Grundstoff für Reinigungsmittel.
 

Woher kam die Flüssigkeit genau?

Die Flüssigkeit trat aus einem beschädigten Behälter auf dem Firmengelände aus. Dort konnten die Ermittler Reste des Stoffes sicherstellen, aus denen eine Referenzprobe entnommen und analysiert wurde. Sie stimmte im chemischen Profil exakt mit den Ergebnissen von Wasserproben überein.


Wie ist die Chemikalie in die beiden Bäche gelangt?

Das Heilbronner Landratsamt zeichnet den Weg übersichtlich nach: Von dem undichten Fass floss die Chemikalie in die Grundstücksentwässerung unterhalb der Spedition im Ilsfelder Gewerbegebiet Bustadt. Von dort gelangte er aus noch nicht geklärten Gründen in die öffentliche Entwässerung und von dort über die Straßenentwässerung in Gruppenbach und Schozach. Doch ist nach wie vor so manches Detail unklar − darum kümmern sich nun die Ermittler der Polizei.


Wie wirkt sich die Chemikalie auf Lebewesen aus?

Wie genau die Chemikalie die Tiere getötet hat, ist unklar. Sie könnte die Kiemenatmung der Fische blockiert haben. Sicher sind sich die vom Landratsamt hinzugezogenen Chemiefachberater und ein Analyselabor darin, dass der Stoff für das Fischsterben verantwortlich ist.


War mit dem Genehmigungsverfahren von Spedition und Rohrsystem alles in Ordnung?

Als die Spedition sich 2017/2018 in Ilsfeld ansiedelte, habe die Baurechtsbehörde den Bauantrag nach Beteiligung der Fachbehörden genehmigt − die Gemeinde verfügt über eine eigene Baurechtsbehörde. "Alles, was wir damals zu prüfen hatten, haben wir geprüft", teilt Bürgermeister Thomas Knödler mit.


Wer wusste wann von dem Gift in Kanälen und Gewässern?

Ob und wann das Unternehmen die Behörden informiert hat, ist nicht bekannt − eine entsprechende Anfrage hat es nicht beantwortet. Die Ermittlungen der Polizei sollen Details klären. Das Landratsamt hat laut eigenen Angaben am Donnerstag von dem Fischsterben erfahren.


Was wurde unternommen?

In den ersten Tagen stand im Mittelpunkt, den weiteren Zufluss der Chemikalie zu verhindern. Dazu wurde der Zufluss blockiert und das Entwässerungssystem auf dem Grundstück der Spedition sowie der betroffene Regenwasserkanal der Gemeinde durch eine Fachfirma gereinigt. Das teilt das Landratsamt als Untere Wasserbehörde mit.


Was müssen die Bürger beachten?

Bis die Ergebnisse neuester Proben vorliegen, empfiehlt das Landratsamt weiterhin, kein Wasser aus Schozach und Gruppenbach zu entnehmen, keine Tiere zu tränken und auch Grundwasserentnahmen im Bereich dieser Gewässer zu unterlassen. Tote Fische werden von den Gemeinden eingesammelt.


Wie geht es weiter, was ist zu tun?

Bis wann sich das Gewässer wieder regenerieren wird, sei unklar, teilt das Landratsamt mit. Erste Messungen hätten ergeben, dass Kleinstlebewesen die Belastung durch die Chemikalie vergleichsweise gut überstanden haben. Derzeit holten Helfer noch vereinzelte tote Fische aus dem Wasser. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hält es für möglich, dass es Jahre dauern kann, bis der Fischbestand sich wieder erholt hat. Wie auch der Naturschutzbund (NABU) fordert der Verband mehr Kontrollen.


War das Einleiten eine Straftat?

Ob und, wenn ja, welche Straftat vorliegt, ist Gegenstand der Polizei-Ermittlungen. Staatswanwältin Bettina Jörg teilt mit, dass ihrer Behörde das Thema noch nicht vorliegt.

 


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