Was tun Gemeinden gegen das Insektensterben?

Region  Der Landesnaturschutzverband fordert Bürgermeister in Brief zum Handeln auf. Sie sollen gemeindeiegene Flächen insektenschonend bewirtschaften lassen. Die Kommunen weisen darauf hin, dass schon einiges getan werde.

Von Reto Bosch

Appell im Interesse der Insekten

Foto: Martin/stock.adobe.com

 

Der Landesnaturschutzverband (LNV) appelliert an die Kommunen in der Region Heilbronn, Grünflächen naturnah bewirtschaften zu lassen.

Anlass für einen entsprechenden Brief an die Bürgermeister ist das "dramatische Insektensterben". Vertreter der Kommunen weisen darauf hin, dass die Städte und Gemeinden auf einem guten Weg seien.

Insektenbestände nehmen deutlich ab

"Mit großer Sorge beobachten die mit der Tierwelt in Stadt- und Landkreis Heilbronn vertrauten Naturschützer den auffälligen Rückgang von Insekten und insektenfressenden Wirbeltieren", heißt es in dem Brief, der der Redaktion vorliegt. Insekten stünden am Anfang vieler Nahrungsketten. Fallen sie als Beute aus, schrumpfen auch die Bestände von Vögeln, Fledermäusen, Reptilien, Amphibien.

Deshalb hat sich der Heilbronner Arbeitskreis des LNV entschlossen, die Bürgermeister direkt anzusprechen. Die Aktiven vor Ort "stellen immer wieder eine insektenfeindliche Pflege der gemeindeeigenen Grünflächen fest", sagt Julia Flohr vom LNV. Was fordert der Dachverband von 32 Mitgliedsvereinen?

  • Pflanzenschutz: Bei der Grünanlagenpflege soll auf Pestizide verzichtet werden.
     
  • Pflege: Zwei Mal pro Jahr Mähen und Abräumen fördere die Artenvielfalt mehr als häufiges Mulchen.
     
  • Dächer: Bebauungspläne müssten verbindlich vorschreiben, dass Bauherren Flachdächer zu begrünen haben.
     
  • Beleuchtung: Im Umfeld von Grünflächen und Gewässern solle die nächtliche Beleuchtung reduziert werden.

Jürgen Hetzler vom Heilbronner Grünflächenamt hält den Brief für ein sinnvolles Mittel, auf die Probleme aufmerksam zu machen. Er weist dieser Redaktion gegenüber darauf hin, dass die Stadt fachlich voll auf der Linie des LNV-Schreibens liege. Beispiel Ackerrandstreifenprogramm: "Wir regeln sehr genau, wann gemäht werden darf", erklärt Hetzler. Ziel sei, dass zu jeder Zeit Wiesen und damit Nahrung zur Verfügung stehen. Das Konzept für die 73 Hektar - Vertragspartner sind Landwirte - sei sehr stark am Artenschutz orientiert.

Auch bei der Pflege der Grüninseln, zusammen rund 40 Hektar, gebe es klare Vorgaben. Wildblumenmischungen würden schon seit Jahren gesät. Im Innenbereich kümmert sich die Stadt um rund 400 Hektar, oft sind das Parkanlagen. "Wir verwenden seit diesem Jahr kein Glyphosat mehr." All dies verursacht einen erhöhten Aufwand, den Hetzler nicht beziffern kann. Er ist aber davon überzeugt, das sich die Arbeit lohnt. Allein schon wegen der wertvollen Wildbienenbestände in Heilbronn.

Kommunen fordern Begrünung von Flachdächern

Björn Steinbach, Bürgermeister in Lehrensteinsfeld und Vize-Vorsitzender des Gemeindetag-Kreisverbands Heilbronn, hält das Ansinnen des LNV für richtig. Er meint, dass die Städte und Gemeinden schon einige Verbesserungen umgesetzt haben. Steinbach sagt: "Wenn wir seltener mähen und die Natur davon profitiert, ist das doch eine gute Kombination."

Viele Kommunen nähmen das Thema Flachdachbegrünung ernst. "Das gefällt zwar manchen Bürgern optisch nicht, ist ökologisch aber sinnvoll." Der Bürgermeister ist davon überzeugt, dass mit Pflanzenschutzmitteln heute verantwortungsvoller umgegangen werde als in der Vergangenheit - falls überhaupt gespritzt werde. Es gebe genügend mechanische Verfahren, um Unkraut zu bekämpfen.

Und wie geht es weiter? Jürgen Hetzler meint: Potenzial für Verbesserungen gebe es trotz aller gegenwärtiger Anstrengungen. Die teilweise Bewirtschaftung nach Öko-Standards könnte ein Ziel sein. "Das wäre dann die Kür."