Was drauf steht, muss drin sein

Lauffen  Etikettenschwindel bei Aldi? Eine Kundin aus Lauffen fühlt sich hinters Licht geführt: Kommen die Heidelbeeren nun aus Deutschland oder aus Polen? Wir erklären, was man bei Zweifeln tun kann.

Von Heike Kinkopf

Kundin fühlt sich hinters Licht geführt
Der Fall mit den Heidelbeeren ist geklärt: Sie stammen ausschließlich aus Deutschland. Foto: Markus Mainka/stock.adobe.com  

Carla Menold kauft im Aldi-Süd in Lauffen Heidelbeeren in einem kleinen Plastikeimer. Die Blaubeeren stammen aus Deutschland. So steht es auf dem Etikett. Zu Hause löst sich der Aufkleber, darunter kommt ein zweites Schildchen zum Vorschein. Darauf steht: "Kulturheidelbeeren, Ursprung: Polen." Menold fühlt sich getäuscht. Aldi räumt einen Fehler beim Abpacken ein und versichert, die Beeren kommen aus Deutschland.

Vorfälle der Lebensmittelüberwachung melden

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erhält nach eigenen Angaben regelmäßig derartige Beschwerden. Sie rät Kunden, solche Vorfälle der Lebensmittelüberwachung zu melden. Diese sind im Landratsamt Heilbronn und im Rathaus Heilbronn an die Veterinärämter angeschlossen.

Wo Lebensmittel herkommen, ist Menold wichtig, sagt sie. Häufig greift sie zu Bio-Produkten. Aber: Bio-Karotten aus Israel beispielsweise kommen ihr nicht in den Einkaufswagen. "Da bin ich konsequent." Supermärkte und Discounter wüssten um die Vorlieben vieler Verbraucher für Regionales, sie müssten aber auch weniger begehrte Artikel loswerden.

Aldi-Süd hat den Fall aufgeklärt

Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bestätigt. "Verbrauchern ist die Herkunft wichtig." Es gebe klare Vorschriften. "Es gilt das Irreführungsverbot." Für Kunden wie auch für Überwachungsbehörden sei in Fällen, wie dem von Menold, kaum zu erkennen: Steckt ein Vorsatz dahinter? Hat ein Mitarbeiter fahrlässig gehandelt? Was ist Absicht, was eventuell Unwissenheit? Fest steht laut Holzäpfel jedoch eines: "Kennzeichnungen müssen korrekt sein." Aldi-Süd versichert: "Transparenz und Rückverfolgbarkeit sind in unserer Lieferkette fest verankert." Nach Erhalt der Reklamation der Kundin habe sich das Unternehmen direkt mit dem zuständigen Lieferanten in Verbindung gesetzt, um die Sache aufzuklären.

Ergebnis: Die von Menold gekauften Heidelbeeren stammen ausschließlich aus Deutschland, teilt das Unternehmen mit. Dem Lieferanten zufolge erfolge die Etikettierung der Heidelbeer-Eimer von Hand. In der Packstation des Lieferpartners seien dabei bereits etikettierte leere Eimer verwendet und ein zweites Etikett darüber geklebt worden. Dies sei unmittelbar nach dem Befüllen der Eimer bemerkt worden.

Aldi will verstärkt stichprobenartig kontrollieren

"Die betroffene Ware wurde direkt aus dem Verkehr gezogen. Leider wurden dennoch vereinzelte Filialen mit Eimern, die doppelt etikettiert waren, beliefert", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Discounters. Damit sich ein derartiger Fehler nicht wiederholt, "werden wir unsere Stichprobenkontrollen in den kommenden Tagen deutlich verstärken", kündigt Aldi an.

"Was drauf steht, muss drin sein", sagt Birgit Bienzle, Lebensmittelchemikerin im Verbraucherschutzministerium des Landes. Ihr zufolge gibt es wissenschaftliche Methoden, um die Herkunft von frischen Produkten wie Spargel oder Erdbeeren festzustellen. Dazu sollten Kunden eine Probe des Produkts abgeben. Bei Beschwerden oder Fragen zu Lebensmitteln sollten sich Verbraucher zunächst an die zuständige Lebensmittelüberwachung wenden.

Hilfe bei Reklamationen gibt es hier.