Was bei einer Begegnung mit einem Wildschwein zu tun ist

Region  Wie gefährlich sind Wildschweine, und wie sollte man sich bei einer unverhofften Begegnung im Wald verhalten? Zwei Experten geben Tipps.

Von Annika Heffter

Verhaltenstipps: Im Wald, da steht ein Wildschwein

Auch eine Bache mit Jungtieren wird nicht automatisch aggressiv, solange man den Frischlingen nicht allzu nahe kommt.

Foto: Archiv

 

Wildschweine sind schnell, massig und haben messerscharfe Zähne. Zuletzt berichtete eine Leserin der Heilbronner Stimme, sie sei beim frühmorgendlichen Laufen auf dem Trimm-Dich-Pfad zu ihrem großen Schrecken auf ein Wildschwein getroffen.

Auch der "Tatort" greift das Thema im September auf: "Tiere der Großstadt" heißt die Folge, die sich unter anderem um eine tote Joggerin dreht, vom Wildschwein gebissen und verblutet. Doch wie gefährlich sind die Tiere wirklich, und wie sollte man sich bei einer unverhofften Begegnung im Wald verhalten?

Wildschweine sind scheue Tiere

Prinzipiell, meint Michael Meny, weichen die Tiere dem Menschen aus und suchen weder Kontakt noch Konfrontation.

Dem Wildtierbeauftragte des Landkreises Heilbronn ist kein Fall bekannt, in dem ein Wildschwein einen Spaziergänger angefallen hätte. Auch bundesweit ist die Zahl so gering, dass sie nicht statistisch erfasst wird.

Durch Geräusche auf sich aufmerksam machen

Das allgemeine Risiko, auf Wildschweine oder andere Wildtiere zu treffen, sei nicht besonders hoch, solange man sich im Wald bemerkbar mache. Geräusche erzeugen, rascheln, singen, sich unterhalten: Das genüge schon, damit sich die Tiere nicht näherten, erklärt Meny.

Wildschweine trauten sich aus Neugier zwar immer näher an Wege wie den Trimm-Dich-Pfad heran, zum Teil bis auf 30 oder 40 Meter, würden aber selbst dann höchstens interessiert zuschauen, "wer denn gerade so vorbeiläuft".

Selbstbewusstes Auftreten ist wichtig

Die Wahrscheinlichkeit, wilden Tieren zu begegnen, erhöht sich, wenn der Waldweg verlassen wird, um Pilze zu sammeln oder beim "Geocaching" per GPS verborgene Schätze zu suchen. Steht im Dickicht ein Wildschwein im Weg, hilft es, ruhig zu bleiben und laut in die Hände zu klatschen.

In den allermeisten Fällen treten die Säue dann den Rückzug an, erzählt Meny. "Zecken sind um einiges gefährlicher als Wildschweine", betont er. Trotzdem sollte man nicht panisch davonrennen. Selbstbewusst bleiben, sich groß machen und den geordneten Rückzug antreten, empfiehlt der Wildtierexperte.

Verletzte Wildschweine können gefährlich werden

Gefährlich wird es erst, wenn ein Tier von einem Auto angefahren oder durch den Schuss eines Jägers verletzt wurde. Diese Gefahr betrifft nach Aussage Menys allerdings meist Jäger, die sich auf die Nachsuche begeben und auf eine Sau treffen, die versucht, ihr Leben zu verteidigen. Bei solchen Aufspüraktionen sei es immer empfehlenswert, nicht alleine loszuziehen, damit schnell Hilfe gerufen werden kann.

Der Pressereferent der Jägervereinigung im Kreis Heilbronn, Hans-Peter Schmitt, erläutert, auch ein verletztes Wildschwein werde nicht automatisch aggressiv: "Wenn es jedoch das Gefühl hat, dass es vom Menschen verfolgt wird oder sich bedrängt fühlt, kann es sich auch stellen und angreifen." Dann sei guter Rat wirklich teuer und wegrennen angesagt.

Man sollte keine Jungtiere streicheln

Beide Wildtierexperten raten davon ab, sich Jungtieren zu nähern. Auch hier, so Meny, passiere jedoch normalerweise nichts, "solange Sie keinen Frischling fangen und ihn so lange am Schwänzchen ziehen, bis er nach seiner Mutter schreit".