Was Stimme-Leser von einer Null-Promille-Grenze im Straßenverkehr halten

Region  Immer wieder verursachen betrunkene Autofahrer Unfälle. 349 waren es im Jahr 2018 allein in der Stadt und im Landkreis Heilbronn und im Hohenlohekreis. "Wir brauchen eine 0,0-Promille-Grenze", meinen deshalb einige Leser. Andere sagen: Kümmert euch lieber um die Raser.

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"Bei schweren Verkehrsunfällen gehört Alkohol zu den häufigsten Unfallursachen", sagt Rainer Köller, Sprecher des Heilbronner Polizeipräsidiums. Wer etwas getrunken hat, drückt nach Erfahrung der Polizei auch gern aufs Gaspedal. Stimme.de hat die Nutzer gefragt, wie sie zu einer möglichen restriktiven Alkoholregelung im Straßenverkehr stehen. Hier die Reaktionen: 

Ein klares Ja zum strikten Alkoholverbot hinterm Steuer äußert etwa Hagen Gaida. "Seit ich meinen Führerschein habe, gilt für mich persönlich schon immer 0,0 Promille. Die Verpflichtung dazu ist lange überfällig." Rudi Böhler sieht es genauso: "Für Fahranfänger gilt heute schon die Null-Promille-Grenze, warum nicht für alle?" Schließlich gelte diese auch für Lokführer, Piloten oder Kapitäne, ergänzt Stefan Kürner.

"Meiner Meinung nach kann keiner es abschätzen, ob ein oder zwei Gläser Wein, Bier etc. noch in der Toleranz liegen", schreibt ein weiterer Leser, der seinen Namen nicht öffentlich machen möchte. Um sicher zu sein und um sich und andere nicht zu gefährden, bräuchten wir ein generelles Alkoholverbot für Verkehrsteilnehmer. Wer etwas trinkt, könne umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel, ein Taxi nehmen oder zusammen mit anderen Fahrgemeinschaften bilden, bei denen der Fahrer nüchtern bleibe.

Ein striktes Nein zu Alkohol im Straßenverkehr würde außerdem für Klarheit sorgen, schreibt ein anderer. "Dann hört bei den Festen, Besen und Gaststätten endlich die Promille-Rechnerei auf."

Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer nicht vergessen

Kein Alkohol für Verkehrsteilnehmer, auch nicht für Fahrrad-, E-Scooter- oder Tretroller-Fahrer, schreibt ein weiterer Leser. "Rauschmittel, egal welcher Art, haben im Straßenverkehr nichts zu suchen." Einen Schritt weiter geht eine Leserin, der selbst alkoholisierte Fußgänger ein Dorn im Auge sind. "Man ist auf Straßen und Gehwegen nicht mehr sicher", beklagt sie. Es gehe halt nicht ohne generelles Verbot, schreibt eine Leserin: "Es nützt nichts, an die Vernunft zu appellieren."

Tempolimit wichtiger als Null-Promille-Grenze

In die Diskussion über ein konsequentes Alkoholverbot melden sich die Gegner ebenfalls zu Wort. Sie befürchten, dass es kaum jemanden davon abhalten werde zu trinken und zu fahren. Andere möchten sich einen "verantwortungsvollen Genuss" nicht verbieten lassen. "Wer sich betrunken hinters Steuer setzt, den interessiert auch eine Null-Promille-Grenze nicht", argumentiert ein Leser. Derjenige sei sich in diesem Moment nicht im Klaren, was er gerade tue.

Alle gelegentlich in Maßen Wein und Bier trinkenden Konsumenten zu bestrafen, sei "an den Haaren herbeigezogen". Sie seien fahrtüchtiger als Menschen, die während der Fahrt Nachrichten lesen oder ins Handy tippten. Die bisherige Regelung, nach der 0,5 Promille erlaubt sind, findet ein anderer richtig. Für ihn ist nicht Alkohol das Problem im Straßenverkehr. "Kümmert euch lieber um die Raser", schreibt er und fordert ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf der Autobahn. Ein anderer möchte nicht kriminalisiert werden für einen Alkoholgenuss, "der definitiv unter 0,3 Promille bleibt". Wenn er an einem Abend zwei Radler oder ein Glas Wein trinke, möchte er sich nicht wie ein "krimineller Verkehrsrowdy" fühlen müssen.

Wunsch, nicht alle über einen Kamm zu scheren

Insbesondere nachdem ein volltrunkener Autofahrer in Südtirol in eine Gruppe von Menschen raste, gewinnt die Debatte um ein striktes Alkoholverbot an Fahrt. Einige Leser fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. "Warum sollen jetzt alle wegen eines stadtbekannten Rasers und Säufers geradestehen?", fragt ein Stimme-Leser. Eine Trunkenheitsfahrt sei sicherlich nicht zu tolerieren, "aber ein kleines Bier zum Vesper sollte noch drin sein".

Der Meinung schließt sich ein weiterer Mann aus der Region an, der ebenfalls nicht mit Namen genannt werden möchte. Er schreibt: "Einen Unfall mit einem Unfallverursacher mit 1,9 Promille als Grund für die Null-Promille-Grenze anzuführen, ist meiner Meinung nach aus der Luft gegriffen." Er spricht sich stattdessen für mehr Kontrollen aus. "Aber dazu fehlt das Personal."

Die Diskussion richte Schaden an, klagt ein Leser. "Denkt auch mal jemand hier in unserer Weinregion an unsere Weingärtner?", fragt er. Diesen falle es zunehmend schwerer, ihre "hervorragenden Produkte" zu einem angemessenen Preis zu verkaufen. Der Pro-Kopf-Verbrauch sinke. Die Debatte über null Promille für Autofahrer stelle die Existenz der gesamten Weinwirtschaft infrage.

 


Heike Kinkopf

Heike Kinkopf

Reporterin

Heike Kinkopf ist Redakteurin im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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