Was Landwirte mit der Landschaftspflege am Straßenrand zu tun haben

Ilsfeld  Beim Bauerntag, der am Freitag in Ilsfeld stattindet, wollen Landwirte kundtun, was sie für die Natur bewirken - neben der Produktion von Lebensmitteln. Mit dabei sind auch Landesumweltminister Franz Untersteller und Landrat Detlef Piepenburg.

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Tellerfüller und Landschaftspfleger

Spitze des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg: Florian Petschl (Marbach), Jan Schwarting (Geschäftsführer), Eberhard Zucker (Vaihingen, Vorsitzender), Stefan Kerner (Erlenbach), Andreas Schnepf (Heilbronn-Böckingen), Helmut Eberle (Flein, v. l.).

Foto: Jörg Kühl

Dass am Feldrand noch nichts blüht, dafür können die Landwirte beim Pressevorgespräch zum Kreisbauerntag nichts: Es liegt an der kalten Jahreszeit. Die einzigen Blüten finden sich auf einem Plakat, das auf einem Feldrain des Landwirts Andreas Schnepf in Heilbronn-Böckingen eingepflockt ist. Schnepf ist einer der stellvertretenden Vorsitzenden des gastgebenden Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg, der Böckinger wird am Freitag in Ilsfeld das Schlusswort sprechen.

"Wir machen blühende Streifen" ist auf dem Plakat in Böckingen zu lesen. Es verweist auf das Acherrandstreifenprogramm, an dem die Landwirte im Stadtkreis Heilbronn schon seit 25 Jahren beteiligt sind. Rund 80 Hektar werden in Summe hier jedes Jahr aus der Produktion herausgenommen, damit Mutter Natur einen Rückzugsort erhält. Die Landwirte bestellen die Ackerrandstreifen in der Regel mit blühenden Pflanzen. Weil die Böden in vielen Bereichen im Heilbronner Rand sehr fruchtbar sind, vergrasen die Blühflächen relativ schnell, erläutert Schnepf.

Landwirte erhalten Kompensation

Deshalb werden die Blühstreifen am Ackerrand alle zwei Jahre umgebrochen und neu bepflanzt. Die Landwirte erhalten für diese landschaftspflegerische Leistung eine Kompensation in Höhe von 1250 Euro pro Hektar Ackerrandstreifenfläche und Jahr. Es ist nicht die einzige Aktion neben der Hauptaufgabe, Nahrungsmittel zu produzieren. Die Landwirte beteiligen sich gemeinsam mit dem Landschaftserhaltungsverband Ludwigsburg auch an der Allianz für Niederwild, die vom Landesjagdverband initiiert worden war. Die Idee ist, Fasan und Co. Habitate zu bieten.

Artgerechte Haltung

Im Rahmen des Förderprogramms für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) leisten die Landwirte einen Beitrag zum Gewässer-, Erosions- und Tierschutz sowie zur artgerechten Tierhaltung. Dafür können entsprechende Fördermittel beim Land beantragt werden. Eberhard Zucker, Vorsitzender des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg, berichtet über das Projekt "Lerchenfenster". Das funktioniert so: Der Landwirt lässt bei der Feldbestellung absichtlich Lücken, die die Feldlerche, Vogel des Jahres 2019, als Lebensraum benötigt. Als Einflugschneisen nutzen die Lerchen die Trecker-Fahrspuren, berichtet Zucker.

"Wir wollen auf dem Bauerntag zeigen, dass wir heute schon viel für Natur und Umwelt tun", stellt der Vorsitzende fest. Und man sei bereit, noch mehr zu leisten, aber dafür müssten die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. In diesem Punkt sieht sich die Branche deutschlandweit, aber auch im Raum Heilbronn-Ludwigsburg, unter Druck.

Viele Landwirte hätten das Gefühl, dass ihr Engagement für Natur und Landschaftspflege in der Öffentlichkeit nicht ausreichend wahrgenommen wird, so die Vorstandsmitglieder. Seit dem inzwischen auf Eis gelegten Volksbegehren "Rettet die Bienen", fühlten sich viele Bauern als die alleinigen Verursacher des Insektensterbens abgestempelt. So ist es wohl kein Zufall, dass das diesjährige Fachreferat des Kreisbauerntags den Titel "Landwirtschaft zwischen Wahrnehmung und Realität" trägt. "Uns ist es wichtig, mit der Gesellschaft in den Dialog zu treten", sagt Zucker.


Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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